Bensheim

Haus am Markt II Bürgermeister und Baustadtrat nehmen Stellung

Verwaltung weist Vorwürfe als haltlos zurück

Bensheim.Bürgermeister Rolf Richter und Erster Stadtrat Helmut Sachwitz wiesen gestern auf Nachfrage dieser Zeitung die Vorwürfe der Vereinigung der mutigen Bürger als haltlos zurück. „Man unterstellt der Verwaltung fachliche Unwissenheit“, so Richter. Ein Bebauungsplan, wie von der VdmB gefordert, sei am Marktplatz nicht notwendig.

Das Haus am Markt stehe in einem sogenannten 34-er Gebiet: Der Paragraf 34 des Baugesetzbuchs ist die bundesweit gültige Vorschrift für Bauvorhaben in unbeplanten Innenbereichen. Das wichtigste Prinzip ist das Einfügungsgebot, das in erster Linie besagt, dass sich ein geplanter Neubau an der umliegenden Umgebung orientieren muss – etwa in Höhe oder Bauweise –, was mit dem neuen Gebäude gegeben sei.

Über die Abstände zur Nachbar-Bebauung sei man sowohl mit der Bauaufsicht als auch mit der Denkmalschutzbehörde im Gespräch. Innerhalb eines historischen Baubestands wie in der Altstadt könne von den gängigen Abstandsflächen abgewichen werden, macht Sachwitz deutlich. Das steht auch so in der für die Innenstadt geltenden Bausatzung: Dort heißt es in Paragraf 15, dass in der Altstadt auch geringere als die in der Hessischen Bauordnung vorgeschriebenen Maße für Häuserzwischenräume und Abstände zulässig sind. „Dem schließt sich die Bauaufsicht an“, so Sachwitz.

Beim Brandschutzabstand, der an der Nordseite geringfügig überschritten werde, seien kompensatorische Maßnahmen geplant, beispielsweise eine Brandschutzverglasung. Die neue Planung sehe ganz bewusst vor, das Gebäude leicht nach Norden zu „rücken“ – so verschwinde die aktuelle schmale, ungenutzte Fläche zwischen Haus am Markt und Treppenaufgang.

Dass ohne Bebauungsplan die Gefahr eines Baustopps gegeben sei, weist die Verwaltung ebenfalls zurück. Widersprüche könnten gegen die Baugenehmigung eingereicht werden – ein Baustopp sei allerdings nur bei illegaler Bebauung möglich.

Richter betont, dass der Neubau komplett auf städtischem Grund errichtet werde – zur Kirche hin würden alle Abstandsflächen eingehalten. Der Vorplatz werde durch die veränderte Gestaltung eher größer wirken. Hier wird sich der Eingang zu den Räumlichkeiten des Familienzentrums, Hospiz-Vereins und zum Mehrzwecksaal befinden. Mit allen Anliegern, auch mit der Kirchengemeinde, sei man regelmäßig im Gespräch – es habe auch Einzeltermine mit Anwohnern gegeben.

Alle drei Verträge unterzeichnet

Die Stadt habe drei von den Mietern unterzeichnete Verträge vorliegen – ohne Sonderkündigungsrecht, wie Richter betont. Die MEGB als Bauherr werde nach der heutigen Stadtverordnetenversammlung sowie Sitzungen von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung die Verträge gegenzeichnen.

„Ich respektiere, dass man eine andere Meinung hat“, so der Rathauschef über die Vereinigung der mutigen Bürger. „Hier wird uns aber unterstellt, wir würden unsere ganz normalen Hausaufgaben nicht machen.“ Natürlich würden alle Pläne mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Es gehe offenbar nur noch darum, den anderen zu diskreditieren, sagte Richter zu den Vorwürfen der „Mutbürger“. Man sollte fair bleiben, das sehe er aber mittlerweile nicht mehr gegeben. cim

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel