Bensheim

Riva-Verein Georg Drinnenberg referierte über die „Ewige Stadt“ / Im Oktober Kulturreise des Freundeskreises nach Italien geplant

Viele Wege führen durch Rom

Bensheim.Im Oktober steht die große Kulturreise des Deutsch-Italienischen Freundeskreises Bensheim – Riva nach Rom und in die Region des südlichen Latium an. Und was liegt näher, als die Vereinsmitglieder frühzeitig in die „kulturelle Aufwärmphase“ für dieses Projekt mit einzubeziehen. Denn Rom – die „Ewige Stadt“ – vom kleinen agrarischen Stadtstaat zur Kapitale eines Riesenreiches aufgestiegen, hat seit über 2000 Jahren Weltgeltung – länger als jede andere Stadt der Erde. Im Laufe seiner langen Geschichte ist Rom zu einer riesigen Museumslandschaft geworden, quasi zu einem Kompendium abendländischer Baukunst und Kultur.

Vor diesem Hintergrund war es ein Glücksfall für den Verein, mit dem ehemaligen Oberstudienrat am AKG, Georg Drinnenberg, einen Referenten in den eigenen Reihen zu haben, der sein ganzes Berufsleben lang fächerbedingt in der römisch-hellenistischen Sprach- und Kulturwelt gelehrt hatte und der nun sein unerschöpfliches Wissen in einem Vortrag „Wege in Rom“ didaktisch geschickt in die Erwachsenenbildung transferierte.

In Figur eines Pilgers geschlüpft

Drinnenberg kokettierte nicht lange mit der Spruchweisheit, dass alle Wege nach Rom führen, sondern fragte knackig: „Wir sind gelandet und haben das Gepäck verstaut, welchen Weg nehmen wir zuerst?“ Denn es bieten sich viele Wege an: die Wege der alten Römer, etwa Cicero, Cato Scipio; oder die der Kaiser von Augustus bis Konstantin; oder die Wege der jungen Kirche oder die der Heiligen; die Wege der Künstler, Maler, Musiker und Dichter.

Spannend ist es auch, den Wegen der deutschen Kaiser in Rom nachzugehen – abgesehen davon, dass sich auch viele Wege kreuzen. Drinnenberg ersparte seinem Publikum die Qual der Wahl, sondern tauchte mit Empathie in die Figur eines Pilgers ein, der auf abenteuerlichen Wegen aus dem Norden kommend seinen Weg an der Via del Popolo beginnt.

Seit Jahrhunderten pilgerte man wegen des Ahnenkultes beziehungsweise weil die Kirchenväter Ambrosius und Augustus die Verehrung der heiligen Orte und Gräber der Apostel sowie der Reliquien als förderlich für das eigene Heil erklärt hatten, nach Rom. Im Jahre 1300 führte Papst Bonifaz VIII. das Heilige Jahr ein mit der Folge, dass jeder Pilger, der in einem solchen Jahr die vier Patriarchalkirchen (San Giovanni in Laterano, Peterskirche, San Paolo fuori le Mura, Santa Maria Maggiore) gemäß ihrer Rangordnung und weitere drei Basiliken mit bedeutenden Reliquien besuchte, einen vollkommenen Ablass aller Sündenstrafen erhielt. Das war Anlass genug, sich mit den architektonischen und kulturhistorischen Besonderheiten dieser Kirchen zu beschäftigen, aber auch in einem Exkurs auf Sündenvergebung, Ablasshandel, Mariendogmen und Luthers Reformation einzugehen.

Mit Rücksicht auf die körperlichen Anstrengungen des Pilgers legte Drinnenberg in den Gärten des Vatikans pädagogisch geschickt eine Verschnaufpause ein, aber nicht ohne bewundernd über die Park- und Gartenlandschaft Roms zu berichten – was einen eigenen Weg wert wäre.

Dann ging es auf den Triumphzug, der an den außerordentlichen militärischen Erfolg gebunden und gleichzeitig religiöses Ereignis war, weil die Römer den kriegerischen Konflikt als Angriff auf ihre Götter verstanden haben. Die mit der militärischen Führung beauftragten Konsuln versprachen Jupiter für den Fall des Erfolgs die besten und kostbarsten Beutestücke. Der Triumphzug war die Einlösung des unter dieser Bedingung gegebenen Versprechens; er war eine umfassende Präsentation des Sieges, eine Kostümierung und Inszenierung, die die Begeisterung von Hunderttausenden über die göttliche Präsenz und über den Wagen des Triumphators im Zentrum des Zuges entfachte – und der Einlösung der versprochenen blutigen menschlichen und tierischen Opfer für Jupiter.

Nach diesem hoch emotionalen Weg kühlte Georg Drinnenberg die Gemüter seiner Zuhörer durch den Weg des Wassers ab. Natürlich standen der Tiber und seine Mythen – man denke an die Kinder des Mars oder Romulus und Remus – zunächst im Blickpunkt, ehe die Deckung des Wasserbedarfs in der Antike mit Aquädukten, die heute noch funktionieren, in den Mittelpunkt rückten. Eine Meisterleistung der Wasserwirtschaft. Drinnenberg schloss seine Ausführungen mit dem Hinweis, dass Rom auch eine Stadt der Brunnen sei.

Die Zuhörer spürten, wie viel Sympathie und Herzblut er dieser Stadt entgegenbrachte und dankten mit langem, herzlichem Applaus. Die Vorsitzende Dr. Pina Kittel schloss sich mit Worten des Dankes an. Peter J. Zeyer

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