Bensheim

Sankt Georg Gregor Knop mit Werken von Franck, Bruhns und Muffat in der Bensheimer Stadtkirche

Vielgestaltige Orgelwelten

Archivartikel

Bensheim.Bei Gregor Knops zweitem Orgelkonzert des Jahres in der Stadtkirche Sankt Georg stand die Fortsetzung seiner Gesamtpräsentation der Hauptwerke des belgisch-französischen Meisters César Franck (1822-1890) auf dem Programm. Und wie schon bei den vorherigen Recitals der Reihe entschied sich der Bensheimer Regionalkantor nicht für einen reinen Franck-Abend, sondern stellte den Stücken dieses Begründers der romantischen Orgelsinfonik herausragende Kompositionen bedeutender Barockmeister gegenüber.

Entdeckenswerte Werke

Statt Johann Sebastian Bach rückten diesmal mit Georg Muffat (1653-1704) und Nicolaus Bruhns (1665-1697) zwei seiner wichtigsten Vorgänger und Vorbilder ins Blickfeld. Ihre unbedingt entdeckenswerten Werke machten den rund 60 Besuchern eindrucksvoll deutlich, welche Repertoire-Schätze gerade in der frühbarocken Orgelmusik des 17. Jahrhunderts zu heben sind.

Der gebürtige Franzose Georg Muffat wirkte zunächst lange als Salzburger Domorganist (an der Seite von Biber) und schließlich ab 1690 bis zu seinem Tode als Kapellmeister in Passau. 1690 kam auch seine große Sammlung „Apparatus musico-organisticus“ heraus, die neben drei Variationenreihen zwölf gleichermaßen klangprächtige wie abwechslungsreiche Toccaten enthält. Die aus einem festlichen Grave-Auftakt, einem spritzigen Allegro-Zwischenspiel und zwei höchst eingängigen Fugen bestehende „Toccata septima“ war in Knops wunderbar heiter und entspannt fließender Wiedergabe ein denkbar anregender Muffat-Einstieg.

Ähnliches galt für den zuletzt in Husum wirkenden Buxtehude-Schüler Nicolaus Bruhns und sein faszinierend vielgestaltiges G-Dur-Präludium, dessen improvisatorisch-kühne Rhapsodik der Organist geradezu unwiderstehlich virtuos auskostete. Mit Blick auf Bruhns‘ herausfordernde Pedalpassagen passte es natürlich besonders gut, dass Knops bravourös gewandtes Spiel diesmal per Videoleinwand auch optisch adäquat zur Geltung kommen konnte. Die beiden Stücke lieferten den besten Beweis, wie effektvoll barockes Repertoire auf der großen Klais-Orgel von Sankt Georg klingt.

Schwärmerische Choralton

Francks formal ebenfalls recht freizügige C-Dur-Fantasie aus dem Jahre 1860 hatte den Abend in einer bezwingend luziden und ausgewogenen Interpretation eröffnet. Sehr typisch für Franck erschienen bereits in diesem relativ frühen Orgelwerk vor allem die schwebende f-moll-Atmosphäre des ausgedehnten „Allegretto cantando“-Teiles und der schwärmerische Choralton des vom Register „Voix humaine“ („menschliche Stimme“) geprägten Adagio-Finales. Das 1878 entstandene H-Dur-Cantabile bildete mit seinen delikaten Registerfarben das ideale lyrische Programmzentrum zwischen den Barockausflügen zu Bruhns und Muffat.

Der bewegende Ausklang gehörte dem erst fünfeinhalb Wochen vor Francks Tod vollendeten dritten Choral a-moll, dessen melodischer Reichtum von Knop mit herrlich weiträumig und emphatisch strömendem Zugriff entfaltet wurde. Spätestens mit diesem strahlenden Schwanengesang des Komponisten dürfte wohl jeder Zuhörer endgültig auf den Franck-Geschmack gekommen sein. Dem entsprechend enthusiastischen Applaus folgte noch eine vergnügte kleine Improvisation über „Im Märzen der Bauer“ als Zugabe.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel