Bensheim

Sankt Georg Gregor Knop mit dem letzten Konzert seiner Aufführung aller Orgelwerke des Meisters

Vollendung einer großen Bach-Reise

Bensheim.15 Konzerte mit weit über 15 Stunden Gesamtspielzeit und nahezu 300 Einzelstücken unterschiedlichster Gattungen: Gregor Knops Aufführung aller Bach-Orgelwerke in den letzten zweieinhalb Jahren hat den einzigartigen Rang dieses Meisters der „Königin der Instrumente“ in wahrhaft überwältigender Fülle erfahrbar gemacht. Beim Abschlussabend im Rahmen der 15. Bergsträßer Bachtage kamen die klanglichen Reize der wunderbaren Klais-Orgel von Sankt Georg dank eines besonders eingängigen Programms mit bekannten Concerti und Sonaten erneut schier ideal zur Geltung. Freuen durfte sich Knop vor allem darüber, dass er unter den gut 70 Besuchern auch wieder etliche Stammgäste der Reihe begrüßen konnte.

Bachs überragende und kaum überbietbare Bedeutung als Orgelvirtuose und –komponist war schon den Zeitgenossen uneingeschränkt bewusst. Auskunft gibt etwa der zweitälteste Sohn Carl Philipp Emanuel in seinem berühmten Nachruf:

„So lange als man uns nichts als die bloße Möglichkeit des Daseins noch besserer Organisten und Klavieristen entgegensetzen kann, wird man uns nicht verdenken können, wenn wir kühn genug sind, immer noch zu behaupten, dass unser Bach der stärkste Orgel- und Klavierspieler gewesen sei, den man jemals gehabt hat. Es kann sein, dass mancher berühmte Mann in der Vollstimmigkeit auf diesen Instrumenten sehr viel geleistet hat: Ist er deswegen ebenso fertig, und zwar in Händen und Füßen zugleich, so fertig als Bach gewesen? Wer das Vergnügen gehabt hat, ihn und andere zu hören, und sonst nicht von Vorurteilen eingenommen ist, wird diesen Zweifel nicht für unbegründet halten. Und wer Bachens Orgel- und Klavierstücke, die er, wie überall bekannt ist, in der größten Vollkommenheit selbst ausführte, ansieht, wird ebenfalls nicht viel wider den obigen Satz einzuwenden haben.“

Bahnbrechend in Bachs Orgelschaffen waren nicht zuletzt die reifen Leipziger Triosonaten mit ihrer konsequenten Emanzipation des Pedalparts und perfekten Gleichbehandlung aller drei Stimmen. Dazu bereits der erste Biograf Forkel:

„Er gab mit dem Pedal nicht bloß Grundtöne oder diejenigen an, die bei gewöhnlichen Organisten der kleine Finger der linken Hand zu greifen hat, sondern er spielte eine förmliche Bassmelodie mit seinen Füßen, die oft so beschaffen war, dass mancher mit fünf Fingern sie kaum herausgebracht haben würde.“

Schwerelos und pulsierend

Die Sonaten Nr. 2 c-moll BWV 526 und Nr. 5 C-Dur BWV 529 gaben Gregor Knop an diesem Abend nochmals reiche Gelegenheit, Manual- und Pedalspiel in lebendigster wie transparentester polyphoner Balance vorzuführen. Vor allem das herausragend populäre C-Dur-Juwel mit seinen schwerelos pulsierenden Ecksätzen und dem weiträumig strömenden Largo-Gesang bleibt als einer der interpretatorischen Höhepunkte der Reihe im Gedächtnis.

Exemplarische Meisterwerke sind auch die bei größter Nähe zum Original immer bewundernswert orgelspezifisch erfundenen Übertragungen von Orchesterstücken anderer Komponisten.

Gregor Knop hatte für das krönende Finale seiner im Januar 2017 begonnenen Bach-Reise die drei wohl schönsten Ohrwürmer versammelt. Zum zentral platzierten G-Dur-Concerto BWV 592 nach einer Vorlage des hochbegabten jungen Bach-Freundes Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar gesellten sich dabei als klangprächtige Rahmenwerke des Programms die beiden mitreißend temperamentvoll dargebotenen Vivaldi-Adaptionen d-moll BWV 596 und a-moll BWV 593. Das Publikum erlebte den Bensheimer Regionalkantor hier einmal mehr in absoluter Bestform.

Seine nach langem Beifall zugegebene Improvisation über „Der Mai ist gekommen“ lieferte ein passend launiges Schlusswort zu diesem rundum gelungenen Zyklus über einen der leidenschaftlichsten Improvisatoren der Musikgeschichte.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel