Bensheim

Michaelsgemeinde Frauengesprächskreis besichtigte das Schloss Reichenberg oberhalb von Reichelsheim / Wechselhafte Geschichte

Vom Getreidelager zur Begegnungsstätte

Archivartikel

Bensheim.In diesem Jahr war das Ziel des traditionellen sommerlichen Tagesausflugs des Frauengesprächskreises der Michaelsgemeinde das Schloss Reichenberg oberhalb von Reichelsheim. Das Schloss war ursprünglich eine staufische Höhenburg, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr1307.

Bis 1731 lebten verschiedene Linien der Erbacher Grafen auf dieser Burg, dann siedelte die Hauptlinie in das neu erbaute Schloss in Erbach über. Ab 1825 diente das Schloss nur noch als Getreidelager, die obere Burganlage verfiel allmählich und diente schließlich als Steinbruch. Die teilweise ruinösen Reste des inneren Schlosses und das ehemalige Amtshaus gingen 1924 in bürgerliche Hände über.

1963 kaufte die Post den unteren Teil des Schlosses, um es als Posterholungsheim zu nutzen. Seit 1979 richtete die Offensive Junger Christen (OJC) in dem in ihren Besitz übergegangenen Schloss eine internationale Begegnungs- und Tagesstätte ein, öffentlich zugänglich machten die neuen Besitzer ein Schloss-Café mit einem herrlichen Blick über den Odenwald um Reichelsheim. Der gemeinnützige Verein OJC hatte vor seiner Übersiedlung nach Reichelsheim sein Domizil in Bensheim, wie viele der Teilnehmer am Tagesausflug noch wussten.

Ab 2006 hat die OJC begonnen, auch die obere Burganlage zu sanieren und hat dabei nach Abbruch von Zwischenwänden den dort befindlichen historischen Rittersaal mit seiner mächtigen uralten Balkendecke wieder sichtbar gemacht. Auch der Ziehbrunnen aus dem 16. Jahrhundert im oberen Burghof wurde umfassend saniert, aus seiner Tiefe kann nun wieder Trinkwasser gewonnen werden.

Hilfe vom Denkmalschutz

Die Zwingmauer um den oberen Burghof ist auch bereits weitgehend wieder hergestellt und bezeugt den wehrhaften Charakter der ursprünglichen Burg. Die Arbeiten gehen weiter und werden finanziell unterstützt von der Stiftung Deutscher Denkmalschutz und von der Europäischen Union.

Nach Ankunft empfing Ute Paul als Repräsentantin der OJC die Bensheimer Gäste zu einer Besichtigung der Schlosskapelle in der unteren Burganlage. Sie erhielt zuerst nach Einzug der OJC durch umfangreiche Ausbauten wieder ihren ursprünglichen Zweck zurück.

Die gotischen Sandsteinfenster mussten restauriert, das gotische Gewölbe über dem Chor neu aufgebaut und mit neuen Schlusssteinen versehen werden. Die Besucher aus Bensheim konnten an der täglichen Mittagsandacht der ökumenischen Kommunität teilnehmen, bevor sie zum Mittagstisch in den einladenden Speiseraum der Gemeinschaft gebeten wurden. Seit 2010 ist in der geschichtsträchtigen oberen Burganlage, dem eigentlichen Kern des Schlosses, ein Erfahrungsfeld eingerichtet worden, das sich gleichermaßen an Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche richtet, die hierher kommen und teilweise auch übernachten. Verschiedene Stationen regen zu gemeinsamem Tun an.

So konnten auch die Besucher aus Bensheim aus dem Tiefbrunnen im Schlosshof Wasser fördern und damit eine künstlerische Klanginstallation in Gang setzen, die mit den Maßen des Renaissance-Brunnens in dessen Nähe entstanden ist. Die Freude und das Erstaunen waren groß, als mithilfe des geförderten und über eine gehörige Distanz weitergeleiteten Wassers das Bauwerk in Gang gesetzt und zum Klingen gebracht werden konnte.

Die Führung durch die wiederhergestellten Schlossräume vermittelten auch Einsichten in die archäologische Arbeit, die sich bei Ausgrabungen auf dem Schlossgelände ergab. Scherben von Schüsseln, Gläsern, Krügen und weiterem Geschirr konnten wie ein Puzzle zusammengesetzt werden und machten anschaulich, wie das Schloss früher ausgestattet war und wie seine Bewohner lebten.

In Fränkisch-Crumbach, nur wenige Kilometer von Reichelsheim entfernt, klang der Ausflug bei Kaffee und Kuchen oder Eis im Garten der Konditorei aus, das Erlebte konnten die Fahrtteilnehmer noch einmal nachklingen lassen. Mit einem Dankeschön an das Vorbereitungsteam um Ursula Eiff verabschiedeten sich die Teilnehmer des Tagesausflugs.

Dieter Emrich

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