Bensheim

Michaelskirche Eröffnungskonzert der 20. Bensheimer Orgelwochen mit Marina Sagorski

Von Bach zu Saint-Saens

Archivartikel

BENSHEIM.Bach-Schwerpunkt zum Jubiläumsauftakt: Gleich drei Hauptwerke des bedeutendsten Orgelmeisters aller Zeiten standen beim Eröffnungskonzert der 20. Bensheimer Orgelwochen in der Michaelskirche auf dem Programm. Als stimmige Ergänzung wählte die Gießener Propsteikantorin Marina Sagorski romantische Musik von den vier ausgewiesenen Bach-Bewunderern César Franck, Camille Saint-Saens, Louis Vierne und Sigfrid Karg-Elert. Hier konzentrierte sie sich erfreulicherweise ganz auf selten gespielte Stücke und hielt so für die rund 70 Zuhörer einige besondere Entdeckungen parat.

Wenn es etwa um Saint-Saens‘ einschlägiges Schaffen geht, dürfte den meisten Klassikliebhabern nur seine berühmte „Orgelsinfonie“ einfallen. Fast unbekannt scheint dagegen das solistische Oeuvre, in dem neben drei gewichtigen Fantasien und der ergiebigen späten Sammlung „Improvisations“ zwei repräsentative Dreierreihen von Präludien und Fugen zu finden sind. Marina Sagorski machte an diesem Abend mit dem herausragend eingängigen und eleganten H-Dur-Werkpaar opus 99/2 aus dem Jahre 1894 viel Appetit auf mehr. Ähnlich entdeckenswert waren die von Maurice Duruflé rekonstruierte Vierne-Miniatur „Méditation“ und das von Vierne eingerichtete kleine F-Dur-Andante aus Francks „Pièces pour harmonium“ – zwei typisch französische Klangjuwelen der vor allem harmonisch delikatesten Sorte. Romantische Bach-Begeisterung par excellence vermittelten Karg-Elerts ebenso stilvolle wie dankbare Arrangements des Kopfsatzes der G-Dur-Toccata BWV 916 und des „Echo“-Finales der h-moll-Partita BWV 831. Auch mit diesen Arbeiten brauchte sich der Komponist nicht hinter seinem Rivalen Max Reger zu verstecken.

Das Bach-Spiel der in Russland geborenen und aufgewachsenen, seit 1991 in Deutschland lebenden Kirchenmusikerin beeindruckte genau wie ihre Romantik-Deutungen durch große Transparenz und Ausgeglichenheit. Schönste Belege hierfür lieferten die angenehm entspannt pulsierenden Ecksätze des G-Dur-Concertos BWV 592 und der nicht minder populären c-moll-Triosonate BWV 526. Sehr natürlich klang auch das wunderbar klar artikulierte Melos der lyrischen Mittelsätze (e-moll-Grave bzw. Es-Dur-Largo).

Erstrangiges Format bewies die Gießener Organistin insbesondere in der konzertkrönenden c-moll-Passacaglia BWV 582, deren einzigartige Variationenfülle sich dank souveräner interpretatorischer Dramaturgie mit aller notwendigen Sogkraft entfalten konnte. Langer Schlussbeifall belohnte diesen Paradestart der 20. Bensheimer Orgelwochen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel