Bensheim

Gnadenhochzeit Ehepaar Fot gab sich vor 70 Jahren das Ja-Wort

Von Kasachstan nach Bensheim

Bensheim.Dass ein Stadtrat oder Bürgermeister zur Jubelhochzeit gratuliert, ist übliche Praxis in Bensheim, wenn das Hochzeitsdatum länger als ein halbes Jahrhundert zurückliegt.

Da das Ehepaar Helena und Gerhard Fot aber bereits 70 Jahre verheiratet ist, klingelte am vergangenen Montag nicht nur Stadtrat Joachim Uhde, auch Landrat Christian Engelhardt machte dem Paar seine Aufwartung, um die Glückwünsche des Kreises Bergstraße zu überbringen. Von Stadt und Kreis gab es nicht nur Urkunden, sondern auch Wein und Sektpräsente für das Jubelpaar.

„Eigentlich hatten wir bereits im November unseren Hochzeitstag“, erzählte Gerhard Fot den Gästen, „denn unser Hochzeitstermin war am 7. November 1947“. Da aber die Braut zu diesem Zeitpunkt noch keine 18 Jahre alt war, wurde die offizielle Urkunde erst im Februar 1948 ausgestellt.

Da das Paar damals in Kasachstan lebte, wählte es den russischen Nationalfeiertag, um leichter an Speisen und Getränke für das im Fest im Familienkreis zu gelangen. Die Lebensgeschichte von Gerhard und Helena Fot ist lange Zeit nicht einfach gewesen. Als Nachfahren der von Katharina der Großen angesiedelten Deutschen und Niederländer lebten die beiden in der Ukraine.

Und als Helena Fot ihren Ausweis zeigte, staunten die Gäste nicht schlecht über den Namen ihrer Geburtsstadt: „New York“ stand dort zu lesen. Ein kurioser Name für eine Stadt mit deutschen Auswanderern in Russland. Bereits als Kinder waren die späteren Eheleute befreundet – und sie ahnten nicht, welches Unheil der Volksgruppe der Russlanddeutschen, denen sie angehörten, mit dem Kriegsausbruch und dem Überfall Deutschlands auf Russland widerfahren würde. Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben, nach Kasachstan gebracht und der Sonderverwaltung unterstellt.

Hier trafen sich Gerhard und Helena Fot wieder und es funkte zwischen den beiden: „Als ich das schrecklich schöne Mädel sah, war es um mich geschehen“, erzählte der Jubilar lächelnd über diese Begegnung.

Zum Glück wurden die Zeiten besser und die Russlanddeutschen in den sechziger Jahren rehabilitiert. Nachdem Gerhard Fots Bruder 1986 bereits nach Deutschland kam, war es ihre Tochter Klara Klassen, die alles für den Nachzug der Eltern vorbereitete. Tochter Klara durfte 1995 in den Westen auswandern.

Seit 1999 lebt das Paar in Bensheim, davon acht Jahre in der Wohnung in der Schwanheimer Straße. Wie groß die Familie insgesamt ist, zeigt das Gruppenbild, das die Festgäste gezeigt bekamen. Es zeigt die sechs Kinder sowie die 22 Enkel und 36 Urenkel des Jubelpaares bei einem Familientreffen. tn

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