Bensheim

Bürgernetzwerk Delegation informierte sich über die Umsetzung der Projekte aus dem Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“

Vorbildcharakter für ganz Hessen

Bensheim.Beim Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“ hatte das Bürgernetzwerk im Frühjahr mit seinen Ideen gepunktet. Mit 15 000 Euro wurde die ehrenamtlichen Aktivisten unterstützt, zuzüglich eines städtischen Anteils von 40 Prozent standen der Initiative 25 000 Euro zur Verfügung, um Ideen für die Innenstadt in konkrete Projekte münden zu lassen.

Ein erstes Ausrufezeichen setzte man unter dem Schlagwort „Lauter Licht“ mit der Illuminierung der Lauter und des Rinnentorturms. Es folgte der kürzlich organisierte Regionalmarkt, der nach eigenem Bekunden der Macher keine Eintagsfliege bleiben soll. Zudem wird es am 21. und 22. September rund um den Weltkindertag zusammen mit der Karl-Kübel-Stiftung ein Baustellenfest auf dem Beauner Platz geben, Infostand und Malwettbewerb inklusive.

Thema Finanzierung

Über allem steht der Masterplan für die Innenstadt, in dem alles gebündelt wird, was das Zentrum in den nächsten Jahren voranbringen soll. Für all diese Aktivitäten braucht es nicht nur engagierte Mitstreiter, sondern auch das nötige (Klein)-Geld. „Wir finanzieren uns hauptsächlich aus dem Budget des Landeswettbewerbs und über Sponsoren. Ohne die geht es nicht“, erklärte Karl-Heinz Schlitt, der zusammen mit Hans-Peter Meister an der Spitze der Netzwerk-Bewegung steht, am Mittwoch bei einem Treffen.

Zu Gast war eine Delegation mit Vertretern aus dem Wirtschaftsministerium, der IHK, einer Berateragentur und Medienvertretern, die sich in den Siegerkommunen von „Ab in die Mitte“ zeigen lassen, was mit den Mitteln umgesetzt werden konnte oder eben noch soll. In Bensheim waren sie dabei genau an der richtigen Adresse, wie sich für die Gäste im Verlauf der einstündigen Präsentation darstellte. Skizziert wurde, was das Bürgernetzwerk seit knapp zehn Monaten zusammengestellt, auf den Weg gebracht oder in die Debatte eingespeist hatte – und das ist bekanntlich nicht wenig.

Schlitt erinnerte an die 18 Themenfelder, mit denen man sich in verschiedenen Arbeitsgruppen befasst. Sie alle eint das Ziel, die Innenstadt zu stärken und wieder mehr zu einem Aufenthalts- und Erlebnisort zu machen (wir haben mehrfach berichtet).

Begrüßt wurde die Abordnung von Bürgermeister Rolf Richter. Er sprach von einem „absoluten Glücksfall, dass man ein solches Netzwerk bekommen habe. Die vier für den Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“ erarbeiteten Projekte bildeten nur ein Bruchteil von dem ab, was die Ehrenamtlichen für die Stadtgesellschaft tun. „Das ist zukunftsweisend. Wir müssen Bürger gewinnen, für das, was wichtig ist, sich einzubringen“, so Richter. Der Vorteil sei, dass man in solchen Foren viel freier denken könne als in der Verwaltung oder in der Kommunalpolitik. Dieses ergebnisoffene Denken müsse man sich vom Bürgernetzwerk abschauen.

Jede Menge Glücksfälle

Viel Lob, das von Karl-Heinz Schlitt gleich zurückgespielt wurde. Es sei ein Glücksfall, dass man in Bensheim einen Bürgermeister habe, „der mit uns gemeinsam Dinge in die Tat umsetzen will“. Wichtig sei, dass man konsensfähige Lösungen erarbeite. Sowohl Schlitt als auch Richter betonten auf Nachfrage der Besucher, dass man nicht als Ersatz für die repräsentative Demokratie auftreten wolle, sondern eine Ergänzung sei. „Wir übertragen hier keine hoheitlichen Aufgaben aus dem Rathaus auf das Netzwerk“, bemerkte der Bürgermeister. Zumal die Aktivisten das Tempo auf Dauer nicht so hochhalten können wie in den vergangenen Monaten, ohne dass konkrete Ergebnisse in die Tat umgesetzt werden – auch wenn man „Menschen hat, die für ihre Stadt brennen“, zitierte Schlitt einen Satz seines Mitstreiters Sanjin Maracic. Für die Männer und Frauen steht deshalb unumstößlich fest, dass Bensheim zeitnah ein professionelles Innenstadt-Marketing benötigt, mit der entsprechenden finanziellen Ausstattung.

„Auf Dauer ist das ehrenamtlich nicht zu leisten“, bestätigte Karl-Heinz Schlitt. In welcher Organisationsform sich das letztlich darstellt, wird man abwarten müssen. Unter dem in Bensheim verbrannten Titel eines City-Managers wird der Neustart sicherlich nicht angegangen werden. Aus der Runde waren – neben einigen Nachfragen zur Zusammenarbeit mit der Stadt – durchweg positive Kommentare zu hören. Von einem Vorbildcharakter für andere Städte war ebenso die Rede wie von einem Lob für den „beeindruckenden ehrenamtlichen Einsatz“.

Die Anregung, sich auch 2020 für den Landeswettbewerb anzumelden, musste man den Bensheimern aber nicht mehr geben. Das Schreiben ans Ministerium ist praktisch so gut wie aufgesetzt, ließ man durchblicken. Wobei Karl-Heinz Schlitt auch keine Einwände hätte, wenn das Budget für dieses Jahr noch einmal nachverhandelt werden könnte. Daraus machte er mit Blick auf das umfangreiche Gesamtpaket keinen Hehl.

Bevor es für die Delegation zur nächsten Station ging, machte man noch einen Abstecher an die Lauter auf Höhe des Spielplatzes vor der Stadtbücherei. Dort soll der Bach bekanntlich geöffnet und wieder erlebbar gemacht werden, unter anderem mit einem Wasserspielplatz.

Auf das Projekt hatte auch Erster Stadtrat Helmut Sachwitz in der jüngsten Bauausschusssitzung hingewiesen, mit dem Vermerk, dass man schon seit eineinhalb Jahren mit dem Gewässerverband Bergstraße in Gesprächen und Abstimmung sei, um die Potenziale einer Renaturierung der Lauter zwischen Platanenallee und Rinnentor auszuloten. Der Antrag für eine Aufwertung des Gewässerbetts sei bereits gestellt worden. Die Genehmigung des Kreises steht noch aus.

Zudem habe sich ein Planungsbüro mit den Uferbereichen und der Vegetation beschäftigt in Kombination mit möglichen baulichen Anlagen wie einem Spielplatz. Bei der Zukunftswerkstatt Innenstadt 2030 sei dies ein wichtiges Thema gewesen, so dass man sich an die Planung gemacht habe. „Das Bürgernetzwerk kam dann ebenfalls mit diesem Punkt“, meinte Sachwitz.

Er kündigte an, dass man bei den Beratungen für den Haushalt 2020 Mittel für einen ersten Abschnitt zur Diskussion stellen wird. Dabei würde es in erster Linie um die Schaffung eines Zugangs zur Lauter auf Höhe des jetzigen Spielplatzes gehen. Die Kostenschätzungen belaufen sich auf 130 000 bis 150 000 Euro.

Zusätzlich könnte laut Sachwitz die Mittelbrücke durch ein dezentes Lichtkonzept besser in Szene gesetzt werden.

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