Bensheim

Nahverkehr SPD verschiebt ihren Antrag aufs nächste Jahr / Linie 669 könnte künftig Badesee, Weststadthalle und Weiherhaus anfahren

Vorerst kein Stadtbus am Berliner Ring

Archivartikel

Bensheim.Vorerst keine Stadtbuslinie für den Berliner Ring: Die SPD-Fraktion hat ihren Antrag zu Beginn der jüngsten Stadtverordnetenversammlung zurückgezogen. Das Thema ist für die Sozialdemokraten damit aber keineswegs vom Tisch, sondern lediglich ins neue Jahr verschoben. Dann will die SPD einen neuen Vorstoß machen. Ihr Ziel ist weiterhin eine eigene Stadtbuslinie 672, die das bestehende Ruftaxi ersetzt. 330 000 Euro müssten dafür im Haushalt bereitgestellt werden.

Heiko Moritz begründete das Vorgehen seiner Partei mit einem kurzfristig eingebrachten Antrag der CDU, der wiederum ein neues Angebot des VRN betrifft, das auf den Linienverkehr in Bensheim Auswirkungen hat.

Teilung der Linie 669 abwarten

Wie bereits in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses erläutert, plant der Verkehrsverbund Rhein-Neckar, nach Beendigung der B3-Baustelle in Zwingenberg im Frühjahr eine Teilung der Buslinie 669, die zwischen Heppenheim und Alsbach verkehrt. Derzeit ist der Bus in Bensheim in der Heidelberger Straße, Rodensteinstraße und dann auf der B 3 unterwegs.

Künftig sollen zwei Linien angeboten werden, die sich in Bensheim überschneiden. Der VRN hat dabei momentan noch zwei unterschiedliche Varianten im Blick: Die zweite Route sieht vor, dass der Bus über die Kirchbergstraße und die Europa-Allee zum Berliner Ring in Richtung Weiherhausstadion fährt. Dabei könnten die Haltestellen Beginenstraße und Peter-Krenkel-Straße angesteuert werden.

Laut dem Antrag der CDU, den die Versammlung mit 23 Ja- gegenüber 13 Nein-Stimmen angenommen hat, wird der Magistrat beauftragt, sich beim Kreis Bergstraße und beim VRN für diese Variante einzusetzen. Zudem soll die Linie auch an den Werktagen bis zum Weiherhausstadion verlängert werden. Damit erhalte die Stadt Bensheim eine Buslinie, die entlang des Berliner Rings fährt und wichtige Einrichtungen wie Badesee, Weststadthalle oder Weiherhaus anfährt, heißt es von Seiten der CDU. Außerdem sei der Berliner Ring auf diese Weise auch aus dem Süden der Stadt besser erreichbar.

Da die B3-Baustelle in Zwingenberg im April fertig sein soll, sei es sinnvoll, heute diesen Beschluss zu fassen, erläuterte Tobias Heinz für die Christdemokraten. So könne man die Möglichkeit nutzen, den Berliner Ring besser anzubinden – und das ohne Mehrkosten für die Stadt.

Das bereits bestehende Ruftaxi sei zudem eine sinnvolle Ergänzung, das man laut Heinz nicht schlechtreden sollte. Es fährt unter anderem das neue Ärztehaus in Auerbach an. Ein Vorteil sei, dass es auch zwischen den einzelnen Haltestellen anhalte. Zudem koste es die Stadt lediglich 4000 Euro im Jahr.

Unterstützung für das ursprüngliche Ansinnen der SPD – die Einführung einer eigenen Stadtbuslinie – signalisierten in der Sitzung Bürger für Bensheim und GLB. Die BfB hatte mit einem eigenen Änderungsantrag dafür plädiert, den SPD-Antrag in die Sitzungsrunde zur Verabschiedung des Haushalts für das Jahr 2021 zu verschieben. Ob die neue Stadtbuslinie im Haushalt 2021 finanziert werden kann, könne man derzeit guten Gewissens nicht beschließen, erklärte Franz Apfel. Schließlich gehe es um einen Posten von 330 000 Euro. Wenn der Haushalt auf dem Tisch liegt, könne man klarer sehen, ob ein solches Projekt 2021 überhaupt zu stemmen sei.

Im neuen Jahr wisse man dann auch mehr über die Absichten von VRN und Kreis, was die neue Streckenführung der Linie 669 betrifft. Analog zur SPD zogen die „Bürger“ ihren Antrag ebenfalls zurück, verbunden mit der Ankündigung, ihn in der nächsten Runde erneut einzureichen.

Einen weiteren Alternativ-Vorschlag brachten die Grünen vor, der aber mit 27 Nein-Stimmen zu neun Ja-Stimmen abgelehnt wurde: Sie plädierten dafür, alle Anträge – auch den der CDU – in den nächsten Bauausschuss zu verweisen. Die Einführung einer Stadtbuslinie mit Anbindung an den Busbahnhof und den Auerbacher Bahnhof sei konsequent, so Christian Wüstner für die GLB. „Wir stimmen grundsätzlich zu.“ Allerdings seien weitere Haltestellen wünschenswert. Gleichzeitig könnte die Teilung der Linie 669 eine Alternative sein – jedoch nur, wenn der Halbstunden-Takt entlang der B3 aufrecht erhalten werde. Das gab auch Wolfram Fendler zu bedenken.

Die Linienteilung, so wie sie die CDU befürworte, bringe nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile – nämlich dann, wenn die Taktung auf der B3 sich künftig ändert. „Der Antrag geht auf Kosten der Nutzer, die an der B3 in den Bus steigen wollen.“

Die FDP kritisierte in ihren Redebeiträgen das herrschende „Antrags-Wirrwarr“ (Hausmann). Und für Holger Steinert war die Verknüpfung der beiden Themen – Linienführung 669 und Stadtbuslinie – unverständlich. Die Anbindung des Berliner Rings durch den ÖPNV sei grundsätzlich gut und wichtig, betonte Hausmann. Die Teilung der Linie 669 hält die FDP für eine sinnvolle Lösung, „die wir mittragen können“.

Für die AfD äußerte sich Rolf Kahnt. Mit dem Thema Stadtbuslinie müsse man sorgfältig umgehen, eine Verschiebung ins nächste Jahr sei daher sinnvoll. Zustimmung signalisierte er gleichzeitig auch für den Antrag der CDU.

Inwiefern der Berliner Ring künftig durch öffentliche Verkehrsmittel angefahren wird – ob durch einen Stadtbus oder die Linie 669 –, dürfte sich demnach im Laufe des nächsten Jahres entscheiden.

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