Bensheim

Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger Veranstaltung in der Synagoge am 28. März / Erinnerung an die Kirchbergmorde

Vortrag mit Musik: Vergessene Maler der NS-Zeit

Bensheim.Die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger erinnert in jedem Jahr im März an die Ermordung von zwölf Gestapo-Gefangenen am Bensheimer Kirchberg. Diesmal geht es am Donnerstag, 28. März, in der ehemaligen Synagoge in Auerbach um Maler, die in der NS-Zeit nur im Verborgenen arbeiten konnten. In ihrem Bild-Vortrag geht Veronika Drop der Frage nach, was mit den jungen Künstlern, die um 1900 geboren und noch nicht etabliert waren, im Nationalsozialismus geschah. Sie passten sich an oder gerieten ins Abseits.

Wie geht jemand damit um, dessen Kunst als „Ausgeburt des Wahnsinns“ verunglimpft wird? Bilder wurden als Frechheit bezeichnet, Künstler als Nichtskönner beschimpft oder als entartet verunglimpft. Sie wurden in ihrer künstlerischen und damit auch seelischen Entfaltung gehemmt.

Wie reagierten die damals jungen Künstler auf Arbeits- und Ausstellungsverbot? Konnten sie überhaupt ihre künstlerische Identität erhalten oder erst finden? Passten sie sich an? Versuchten sie, möglichst nicht aufzufallen? Wie sah ihr künstlerischer Widerstand aus?

Für Holzschnitte bekannt

In der Veranstaltung wird unter anderem Reinhard Schmidhagen (1914 – 1945) genannt, der heute noch durch seine Holzschnitte über die Gräuel des Krieges bekannt ist und dessen Werke vor allem im Kunstmuseum in Bochum zu finden sind und in jüngerer Zeit auch ausgestellt wurden. Auch war er befreundet mit berühmten Zeitgenossen wie der Bildhauerin und Malerin Käthe Kollwitz. Reinhard Schmidhagen hatte mehrfach Grund, bei den Nazis anzuecken: Seine Kunstrichtung war nicht erwünscht und er war homosexuell. Er half sogar verfolgten jüdischen Familien etwa mit Lebensmitteln und malte Bilder, die eigentlich antifaschistisch waren.

Trivial, aber akzeptiert

Künstler schufen zwangsläufig nach 1933 eine Kunst, die banal und trivial war, aber akzeptiert. Um einer Verhaftung zu entgehen, verschlüsselten manche Künstler ihre Werke, bedienten sich der Allegorie für ihre öffentlichen Bilder. Im Geheimen entstanden oft große Werke, die versteckt werden mussten und später noch oftmals den Bomben zum Opfer fielen.

Begleitet wird der Vortrag durch die Sängerin Bernadette Pack und den Musiker Alexander Peschko. Bernadette Pack singt und spielt Instrumente wie Shruti-Box und Organetto, Alexander Peschko Akkordeon.

Die Vortragenden wollen durch ihre Darbietung die Zuschauer mit vielen Sinnen, nicht nur intellektuell, sondern auch emotional ansprechen.

Der Vortrag findet am 28. März in der ehemaligen Synagoge in Auerbach, Bachgasse 28, statt. Beginn ist um 19.30 Uhr. red

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