Bensheim

Stadtteildokumentation Hochstädten Veit Held spricht am 31. Oktober und am 11. Dezember über die Geschichte des Marmoritwerks

Vortrag über die „Schätze im Berg“

Bensheim.Die Stadtteil-Dokumentationen Bensheims haben anstelle der traditionellen Ausstellungen in diesem Jahr ein spannendes Alternativprogramm zusammengestellt. Den Anfang macht der Arbeitskreis Hochstädten mit dem Gastbeitrag von Veit Held. Unter dem Titel „Schätze im Berg – Vom Marmor zum Kreiselinstrument“ findet der Vortrag am 31. Oktober um 19 Uhr im Hochstädter Haus statt. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft, ein zweiter Termin ist für den 11. Dezember um 19 Uhr geplant.

Held hat sich intensiv mit dem Stollensystem und der wechselhaften Geschichte des ehemaligen Marmoritwerks beschäftigt. In seinem Beitrag wird er über den Abbau und die Nutzung von Marmor referieren und eine 3D-Rekonstruktion des Bergwerks vorstellen. Die Geschichte des gewerbsmäßigen Marmorabbaus begann 1842 mit einem ersten Stollen hinter dem Forsthaus in Richtung des Fürstenlagers. Später wurde diese Grube aufgegeben und man erschloss die Vorkommen nun von Nordosten aus. Der Eingang in den Tagebau und der Stollenmund der ersten Sohle befanden sich hinter dem heutigen Tennisplatz am Weiherweg. Der Stollen erstreckte sich in Richtung des Hochstädter Hauses und erreichte eine Länge von 125 Metern, eine Breite von bis zu 50 Metern und eine Höhe von zwölf Metern. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der heute hinter dem Hochstädter Haus sichtbare Stollen angelegt. Der Zweite Weltkrieg unterbrach den Marmorabbau, erst in den Jahren 1949 bis 1952 wurde der Bergbau wieder aufgenommen und der „Karl-Schacht“ angelegt. Bis zur Stilllegung des Stollens im Jahr 1974 entstanden nach und nach sechs Sohlen.

Im zweiten Teil des Vortrags wird Held insbesondere auf die Hintergründe und die Vorgänge gegen Ende des Kriegs eingehen. Das Unternehmen Linck wurde stillgelegt und die Stollen wurden beschlagnahmt. Der Darmstädter Fabrikant Dr. Ing. Hans Heymann nutzte nun den geräumigen Hohlraum, den sogenannten „Heymann-Saal“, auf der ersten Sohle zur Fertigung von präzisen Kreiseln für die Flugzeugnavigation, Torpedo- und Raketensteuerung. Nach der Bombennacht von Darmstadt am 11. und 12. September 1944 musste die Verlagerung des Rüstungsbetriebs von Hans Heymann in die unterirdischen Stollen des Marmoritwerkes sehr schnell gehen. Am Standort Bensheim-Auerbach entstand ein Außenlager des KZs Natzweiler-Struthof / Elsaß. Circa 130 verschleppte Griechen aus Athen und durchschnittlich 60 KZ-Häftlinge mussten in den unterirdischen Stollen und in der Produktion unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Über das Schicksal einzelner Häftlinge wird in einer der nächsten Ausstellungen berichtet.

Veit Held beschäftigt sich auch mit der Person, dem Geschäftsmann und dem Täter Hans Heymann. Heymanns unternehmerischer Erfolg begründete sich auf der engen Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten. Er schaffte es durch seine Beziehungen, dass allen Unternehmen bei der Kreiselproduktion die Verwendung seiner Auswuchtmaschine vorgeschrieben wurde.

Heymann wurde am 25. Juni 1948 in erster Instanz in die Kategorie I der Hauptschuldigen eingestuft und zu sechs Jahren Arbeitslager verurteilt. Im Berufungsverfahren wurde die Einstufung auf die Kategorie II der Belasteten reduziert, mit der Begründung, dass etliche entlastende Zeugenaussagen in der ersten Verhandlung nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

Eine Anmeldung für den 11. Dezember muss über den Veranstaltungskalender des Hochstädter Hauses (www.hochstädter-haus.de) vorgenommen werden. Aufgrund der corona-bedingten Hygiene- und Abstandsregeln ist nur eine begrenzte Besucherzahl zulässig, daher ist eine Anmeldung erforderlich. red

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