Bensheim

Fehlheim Christen pilgerten zu Fuß nach Maria Einsiedel bei Gernsheim / Musikalische Begleitung

Wallfahrt in aller Herrgottsfrühe

Fehlheim.Um 6 Uhr früh klingelte der Wecker. Nicht etwa, um einen pünktlichen Arbeitsbeginn zu garantieren, sondern um den Abmarsch der Fehlheimer Pilgergruppe nicht zu verpassen. Seit Jahrzehnten ist es guter Brauch, dass am ersten Sonntag im Juli Christen aus dem Bensheimer Stadtteil zu Fuß zur Wallfahrtsstätte Maria Einsiedel nahe Gernsheim pilgern.

Die 40-köpfige Pilgergruppe – darunter auch Musiker des Kirchenmusikvereins Fehlheim, die für die musikalische Gestaltung sorgten – traf sich um 6.30 Uhr an der Mariengrotte neben der Kirche zu einer kurzen Statio, um anschließend den rund zehn Kilometer langen Fußmarsch anzutreten.

Angeführt von Fahnen und Kreuz zogen die Christen betend und singend durch Wald und Flur. In Langwaden versäumten es die Fehlheimer nicht, kurz Einkehr in der dortigen evangelischen Kirche zu halten.

Während der Wanderung kommen – das bestätigen die Pilger unisono – die Christen zur Besinnung. Die Wallfahrt gleicht einer Art von Meditation und wird als „Entschleunigung“ wahrgenommen. Beim Gebet in freier Natur fühlen sich die Wallfahrer eins mit Gott und der Welt. Der Fußweg in aller Herrgottsfrühe wird als Genuss für Leib und Seele empfunden.

In Gernsheim führte der Weg der Gruppe direkt zur Kapelle, um die Muttergottes zu grüßen. Es schlossen sich weitere Wallfahrer aus Fehlheim an, die mit dem Fahrrad oder dem Auto gekommen waren. Bei Kaffee und Kuchen wurde über Gott und die Welt geredet, ehe die Glocken zum Gottesdienst riefen.

Der Katholische Kirchenmusikverein gestaltete die Messe mit sakralen Stücken und Chorälen. Regen machte leider einen Freiluftgottesdienst unmöglich. Die meisten der Fußwallfahrer machten sich auf Schusters Rappen zurück nach Fehlheim. Gegen 18 Uhr wurden sie mit Glockengeläut begrüßt.

Leider ist auch bei der Wallfahrt in Maria Einsiedel der Trend der Zeit feststellbar: Die Zahl der Christen, die sich auf den Weg vor die Tore Gernsheims machen, wird immer kleiner. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass die Fehlheimer an der Tradition festhalten und damit ein Zeichen setzen. red

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