Bensheim

Blues Band aus Hamburg beeindruckte vor kleiner Kulisse im Rex

WellBad wird ausgezeichnetem Ruf gerecht

Archivartikel

Bensheim.Die Szenerie könnte aus einem Drehbuch für einen Musik-Film stammen: Coole Location in der Provinz, nur mäßig besucht an einem regnerischen, frühherbstlichen Tag. Auf der Bühne eine Band, die sich einen Ast abspielt. Vor der Bühne Frauen, die tanzen und Männer, die Bier trinken. Ein Abend wie viele andere in einer Kleinstadt irgendwo in Hessen? Nicht ganz. Die bisweilen in Vergessenheit geratene Erkenntnis kehrt an diesem Donnerstagabend in Bensheim wieder zurück ins Bewusstsein. Es ist der Blues, der die (Musik-)Welt im Inneren zusammenhält. WellBad sei Dank.

Verdientes Lob

Die fünfköpfige Formation um Frontmann, Sänger und Band-Namensgeber Daniel Welbat gastiert am Donnerstag vor kleiner Kulisse im Musiktheater Rex. WellBad genießen einen ausgezeichneten Ruf in der Branche, ihre Alben werden ebenso hoch gelobt wie die Qualität ihre Live-Aufritte – völlig zu Recht, wie sich im Rex zeigt. Vor vier Jahren gewinnen WellBad die German Blues Challenge. „The Rotten“, ihr dritter Longplayer, wird 2017 vom Preis der Deutschen Schallplattenkritik auf die Bestenliste gesetzt. Die Band tritt bei internationalen Festivals auf in Memphis (USA), in Torrita di Siena (Italien) und in Kanada (Toronto und Montreal). Im Juni 2019 erscheint „Heartbeast“, das vierte Album der Crew aus Hamburg.

Exklusives Klangbild

Die Setliste in Bensheim wird dominiert von den Heartbeast-Stücken. Das Werk erzählt nach einer Idee von Daniel Welbat, der auch als Drehbuchautor unterwegs ist, das Leben eines gewissen E.L. Kruger nach. Insgesamt ist das Album etwas rockiger ausgelegt, als seine Vorgänger, bedient sich aber, im typischen Wellbad-Stil, Elementen aus anderen Richtungen (Jazz, Rap) und ergibt dadurch ein exklusives Klangbild wie etwa bei „Elephant Man“ oder „Overfeeding“. Die stärksten Momente kreiert WellBad, wenn sich die Musiker nahezu komplett auf ihre Blues-Wurzeln einlassen. Ob bei neueren Songs wie „Bad Days For The Blues“, dem grandiosen „The Void“ oder bei den älteren Nummern wie dem mitreißenden „The Mountain“ und dem treibenden „Don’t Go Back To The Coalmine“. Das Publikum in der alten Güterhalle ist begeistert.

Getragen wird die zweistündige Performance von der eindrucksvollen, rauen Blues-Stimme Welbats. Der Bandleader holt nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch alles aus sich raus, bespielt mit seinen Ausflügen die komplette Bühne sowie das Parkett, Platz ist ja ausreichend vorhanden. Er setzt seine Stimme pointiert ein, von kraftvoll klagend bis schmerzvoll wegbrechend deckt er alle Facetten ab.

Das brillante instrumentale Fundament, um Bandleader Daniel Welbats außergewöhnlichen Gesang auch wirken zu lassen, legt seine Band mit den Musikerkollegen Stefan Reich (Bass), Jonas von Orde (Drums), Joachim Refardt (Keyboard, Trompete) und Arne Vogeler (Gitarre).

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