Bensheim

Gesundheit im Dialog HNO-Arzt Erich Konietzke referierte zum Thema Allergien in der Apotheke am Hospital

Wenn die Augen tränen und die Nase läuft

Bensheim.Im Rahmen der „Initiative Gesundheit im Dialog“ (IGiD) referierte HNO-Arzt Erich Konietzke zum Thema „Allergie – voll im Gange“ in der Apotheke am Hospital in Bensheim.

Das Jahr 2018 hat für Allergiker keinen guten Start hingelegt: Ende Januar hatte bereits die Haselblüte begonnen. Das eiskalte und trockene Winterwetter hat die Grippewelle im Februar und März stark begünstigt. Bei viel Sonnenschein im März kamen zusätzlich Erlenpollen. Ende März begann der Birkenpollenflug.

Wird 2018 ein schlimmes Jahr für Allergiker?

Die Atemwegsschleimhäute vieler Patienten waren durch die beschriebenen Phänomene schon stark strapaziert. Durch die langen Kälteperioden und den plötzlich intensiven Sonnenschein werden laut HNO-Arzt Konietzke plötzlich und intensiv viele Pollen zur gleichen Zeit freigesetzt. Und: Im Mai treten bald zusätzlich die frühblühenden Gräser auf den Plan.

Welche Möglichkeiten der Allergiebehandlung bieten sich dem Patienten?

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Allergiebehandlung die Ursachen-Therapie von der Symptom-Therapie. Als einzige Ursachen-Therapie gilt nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Hyposensibilisierungsbehandlung. Diese wird, obwohl die Medikamentes sehr teuer sind, von den Krankenkassen bezahlt. Sie ist geeignet, die grundsätzliche Fehlreaktion des Immunsystems zu vermindern.

Welche Medikamente lindern die Symptome?

Tränende Augen, eine juckende und ständig laufende Nase oder körperliche Abgeschlagenheit sind Allergiesymptome. Die Medikamente zur Linderung der Symptome müssen vom Patienten selbst bezahlt werden. Es gibt antiallergisch wirkende Nasensprays mit verschiedenen Wirkstoffen. Einige wirken sofort, andere erst nach mehrtägiger Anwendung. Cortisonhaltige Nasensprays bauen ihre vollständige Wirkung erst nach sieben bis zehn Tagen regelmäßiger Anwendung auf. Ein Befeuchtungsspray oder Nasenspülungen helfen oft, indem die Pollen von der Nasenschleimhaut weggespült werden.

Machen die bei Allergien verordneten Medikamente müde?

Viele Pollenallergiker behaupten, die modernen Antihistaminika machten sie müde. Diese Medikamente bewirken in internationalen Studien aber nicht mehr Müdigkeit als eine Plazebo-Tablette. Dies ist statistisch bei etwa neun Prozent der Patienten üblich. Deshalb dürfen Flugzeugpiloten diese Tabletten auch einnehmen. Müde macht in Wirklichkeit aber die Allergiereaktion.

Was ist von Medizin-Apps und Informationen im Internet zu halten?

Von den etwa 3.500 deutschsprachigen Medizin-Apps im Internet gelten etwa 2.500 als nicht sinnvoll. Eine Zunahme des Angebots paramedizinischer Diagnostik- und Therapie-Maßnahmen und Mittel, die keinen Wirkungsnachweis bieten, ist zu beobachten. Das Maß an Fehlinformationen ist inzwischen beachtlich.

Was hat sich in Diagnostik und Ausprägung der Allergien in den vergangenen Jahren verändert?

Aufgrund neuer europäischer und deutscher Normen hat sich die von der Industrie bereitgestellte Vielfalt an Testsubstanzen stark reduziert. Somit ist die mögliche gezielte Diagnostik einzelner verdächtiger Allergien inzwischen eingeschränkt.

Ein wesentliches Problem in der Allergieentwicklung der Bevölkerung ist die Tatsache, dass immer mehr Menschen unter einer Poly-Sensibilisierung leiden. Das heißt, dass einzelne Menschen heute gleichzeitig gegen viele verschiedene Stoffe allergisch sind, was die Therapie erschwert. Feinstaub ist geeignet, sich insbesondere an Birkenpollen anzuheften und die allergiebildende Wirkung drastisch zu verstärken.

Warum sollte man eine Therapie nicht hinauszögern?

Eine Allergie ist im Grunde eine entzündungsähnliche Reaktion der Schleimhäute. Je öfter diese ungebremst abläuft, umso mehr wird die Atemwegsschleimhaut auf lange Sicht Probleme bereiten. Die Allergie kann sich auf die Bronchien, mit asthmatischer Reaktion, ausgebreiten. Ist dies bereits ausgeprägt, so ist eine Hyposensibilisierungsbehandlung laut Erich Konietzke nicht mehr möglich. Im Kindes- und Jugendalter habe die gezielte Therapie die besten Perspektiven. red

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