Bensheim

Ortsbeirat Fehlheim In einer weitgehend sachlichen Diskussion ging es erneut um Details des geplanten Neubaugebiets

„Wir möchten keine Trabantenstadt“

Archivartikel

Fehlheim.Seit gut zwei Jahren wird in Fehlheim das im Nordwesten des Stadtteils geplante Neubaugebiet diskutiert. Angesichts der Dimension von möglichen 500 Neubürgern verwundert es nicht, wenn die Einwohner diesem Projekt kritisch gegenüberstehen. Das hat sich zum einen in den im Vorfeld der Planungen veranstalteten drei Bürgerwerkstätten gezeigt und spiegelt sich ebenso in den Ortsbeiratssitzungen wider, die besonders gut besucht sind, wenn das Thema auf der Tagesordnung steht.

So auch am Mittwochabend im Bürgerraum der Alten Schule. Hatte man anfangs aufgrund entsprechender Kommentare aus dem Publikum noch befürchten können, es könnte wieder hitzig werden, entwickelte sich die Diskussion dagegen zu einer ausgesprochen sachlichen Auseinandersetzung, in der auf emotionale Pauschalisierungen verzichtet wurde.

Lediglich die eingangs von Baudezernent und Ersten Stadtrat Helmut Sachwitz geäußerte Feststellung, man sei dem Wunsch der Fehlheimer auf lockere Bebauung so weit wie möglich entgegengekommen, entlockte einem Bürger die Bemerkung: „Wollt Ihr uns verarschen?“ Das blieb aber auch die einzige verbale Entgleisung des Abends.

Jetzt doch drei Geschosse

Am Mittwochabend ging es um die erste Runde im Aufstellungsverfahren des Bebauungsplans „Langgewann“. Den Aufstellungsbeschluss hatte die Stadtverordnetenversammlung im Dezember 2017 gefasst, danach hatten Behörden und Öffentlichkeit vier Wochen im Januar und Februar die Möglichkeit, sich zu den Planvorstellungen zu äußern. Mit der Behandlung der eingegangenen Anregungen und Bedenken und den daraus folgenden Änderungen hatte sich nun der Ortsbeirat zu beschäftigen.

Der hatte, wie von Ortsvorsteher Rico Klos festgestellt wurde, eine Reihe von Abweichungen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf entdeckt, die sein Stellvertreter, Ortsbeirat Lothar Mundt, erläuterte. So seien bei fast allen vorgesehenen Mehrfamiliengebäuden bei der Geschossflächenzahl die Höchstwerte überschritten worden. Statt der ursprünglichen zwei Geschosse plus ausgebautes Dachgeschoss seien es jetzt drei Geschosse. Regelungen und Aussagen wurden außerdem bei den Dachaufbauten und bei den Stellplatzanlagen vermisst.

Mundt gab zu bedenken, dass die Regionalplanung bei einem Baugebiet ab einer Größe von fünf Hektar (in Fehlheim geht es um 5,27 Hektar) von einem eigenständigen Plangebiet mit eigenem Charakter ausgehe. Für Fehlheim sollte aber ein anderer Ansatz gewählt werden und der dörfliche Charakter des Stadtteils nicht außer Acht gelassen werden: „Wir möchten keine Trabantenstadt.“ Mit dem Neubaugebiet werde Fehlheim von aktuell rund 1700 Einwohnern um etwa 500 Neubürger auf 2200 Einwohner wachsen. Das wirke sich auch auf die Infrastruktur aus, verwies Mundt auf den Öffentlichen Personennahverkehr, dessen Angebot in den Schulferien auf ein Minimum schrumpfe.

„Kein innerstädtischer Bereich“

„Wir haben sehr wohl verstanden, dass es sich hier nicht um einen innerstädtischen Bereich handelt“, verwies Erster Stadtrat Sachwitz aber auch auf das Spannungsfeld, in dem man sich bewege. Auf der einen Seite stehe der sparsame Umgang mit der Fläche, auf der anderen Seite der Bedarf an Wohnraum.

Betroffen vom Neubaugebiet sind insbesondere die an der Nordseite der Falltorstraße lebenden Anwohner. Aktuell haben sie noch den freien Blick in die Feldgemarkung. Nach der Bebauung rücken sie aber von der ersten in die siebte Reihe vom Ortsrand zurück.

Der Abstand zwischen den vorhandenen und der dann neuen Bebauung soll aber – so die Beratung im Ortsbeirat – durch das Zurücksetzen der ersten Baureihe im Neubaugebiet noch etwas vergrößert werden. Außerdem sind hier auch nur Einzel- beziehungsweise Doppelhäuser vorgesehen.

Auf Anregung von Dr. Stefan Stötzel soll den Bauherren der Einfamilienhäuser aber die Möglichkeit eingeräumt werden, eventuell eine Einliegerwohnung vorzusehen. Letztlich ist das aber immer von dem Nachweis der erforderlichen Stellplätze abhängig. Hier möchte der Ortsbeirat aber ausschließen, dass mangels Platz der Stellplatz abgelöst wird, was laut Satzung möglich ist.

Bezüglich der Dachaufbauten favorisiert der Ortsbeirat eine Regelung wie im Bebauungsplan „Meerbach“. Hier muss die Größe der Gaube im bestimmten Verhältnis zur Dachfläche stehen.

Traufhöhe reduziert

Bezüglich der Geschossigkeit wurde von Sachwitz auf die aktuelle Rechtssprechung verwiesen, wonach zwei Geschosse plus Dachgeschoss nicht mehr genehmigt würden, da es de facto drei Geschosse seien. Hier erfolge die Regelung durch die Festsetzung der jeweiligen First- und Traufhöhe, die auf Wunsch des Ortsbeirats um 60 Zentimeter reduziert werden soll: bei der Firsthöhe von 11,10 Meter auf 10,50 Meter.

Bezüglich der dezentralen Energieversorgung möchte der Ortsbeirat, dass das GGEW-Konzept weiterverfolgt und die diesbezüglich ablehnende Begründung der Stadtverwaltung modifiziert wird.

In diesem Zusammenhang wurde auf eine Sitzung des Bauausschusses im November hingewiesen, in dem GGEW-Vertreter ihr Energiekonzept für das Neubaugebiet erläutern. Verhindern möchte der Ortsbeirat auch die Verschotterung von Frei- und Gartenflächen.

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