Bensheim

KSC Bensheim Boxclub hat einem Obdachlosen eine Bleibe verschafft / Im Gegenzug hat Ronny Aufgaben für den Verein übernommen

Wohnwagen wird zum neuen Zuhause

Bensheim.Seit einigen Wochen steht der ältere Wohnwagen in Bensheim. Der Anhänger ist das neue Zuhause von Ronny. „Für mich ist das wie ein Jackpot“, sagt der 50-Jährige. Mit dem Einzug in das Wohnmobil endeten für Ronny drei Jahre Leben ohne feste Unterkunft.

Reginald Schulze, Vorsitzender des Boxclubs KSC Bensheim, war zunächst skeptisch, als ein Bekannter ihm die Frage stellte, ob er beziehungsweise der KSC Bensheim sich vorstellen könnten, etwas für einen Obdachlosen zu tun. „Sportvereine haben eine soziale Verantwortung, aber das war eine ungewöhnliche Anfrage“, sagt Schulze.

Gutes Bauchgefühl gehabt

Darum machte er sich selbst ein Bild von dem Menschen, der auf der Suche nach einem sicheren Schlafplatz war, und traf sich mit Ronny. Das Gespräch überzeugte ihn. Vor allem die Tatsache, dass Ronny bei der Bewältigung seines Alltags ganz bewusst auf jegliche staatliche finanzielle Unterstützung verzichtet, beeindruckte Schulze. Diese Einstellung, kombiniert mit einem „guten Bauchgefühl“, führten beim KSC-Chef zu dem Entschluss: Da tun wir was und helfen. Ein Wohnwagen wurde gekauft und auf einem passenden Areal platziert. So hat Ronny nun wieder ein Zuhause, einen Rückzugsort, der ihn wieder Mensch sein lassen kann.

Ronny führte vor der Obdachlosigkeit, bis September 2015, ein „ganz normales Leben“, wie er sagt. Geboren und aufgewachsen in Lampertheim, absolvierte er eine Lehre zum Schreiner, spielte bei einem der örtlichen Fußballvereine, hatte Freunde, eine Partnerin.

Nach dem Ende seiner Ausbildung sattelte er beruflich um, ergriff seinen Traumjob als Brummifahrer und erfüllte sich damit den Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit. „Es hat mir Spaß gemacht, und ich war ein guter Fahrer“, sprudelt es aus ihm heraus und er erzählt weiter: Im Laufe der Zeit lief einiges schief bei der Tourenplanung: Leerfahrten, lange Wartezeiten, falsche Fahrziele. Bei Ronny machte sich der Stress psychisch und physisch bemerkbar. „Irgendwann kam der Punkt, da ging nichts mehr“, schildert er.

Seine Beschwerden, die es ihm unmöglich machten, den Job weiter auszuüben, hatten einen Entschluss in ihm reifen lassen, den er dann Realität werden ließ: Er zog einen Schlussstrich, ließ sein früheres Leben, den Beruf und jegliche soziale Absicherung hinter sich – im Wissen um die Konsequenzen. Ronny ging auf die Straße.

Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit dem Sammeln von Leergut. Früh morgens beginnt die Route durch Bensheim. Täglich 10 bis 15 Kilometer läuft er ab und sammelt dabei genug Flaschen- und Dosenpfand ein, um sich das Nötigste leisten zu können. „Das reicht mir, ich komme über die Runden.“

Als vor kurzem die Firma, auf deren Gelände er mit Erlaubnis seinen nächtlichen Schlafplatz im Freien hatte, dicht machte, hatte Ronny ein Problem. „Ich hätte irgendwo eine andere Platte suchen müssen, das wäre schwierig geworden.“

Die Bedeutung eines sicheren nächtlichen Rückzugsortes für Obdachlose unterstreicht Bensheims Streetworkerin Kathrin Kalbhenn. „Dieses kleine Stück Privatsphäre ist ganz wichtig“, sagt Kalbhenn, die innerhalb der Diakonie Bergstraße für den Bereich „Straße“ zuständig ist. Die Streetworkerin kümmert sich um Ronny und steht außerdem im Kontakt mit Reginald Schulze. Sie findet es „ganz toll“, in welcher Form der 50-Jährige vom KSC Bensheim unterstützt wird.

Ronny fühlt sich wohl in seinem neuen Domizil. Er hat eine Kochgelegenheit, kann die sanitären Anlagen im Club-Gym benutzen. Reginald Schulze hat dem „Mitbewohner“ bestimmte Aufgaben im KSC-Betriebsablauf übertragen. Bei der Vorbereitung des Vereins für den Winzerfest-Umzug hat er bereits tatkräftig geholfen und auch Hausmeistertätigkeiten übernommen. Dass Ronny mit anpackt beim Bensheimer Box-Club, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. „Ich bin dem KSC sehr dankbar“.

„Nicht reden, einfach mal tun“

Für den Boxclub, der noch ein kleiner Verein ist und sich im Wachstum befindet, war es nicht einfach, den Kauf eines Wohnwagens zum Preis von 2500 Euro zu stemmen, doch „wir helfen gerne, wenn wir können“, so Schulze.

Freuen würden wir uns sehr, wenn sich der eine oder andere Bensheimer Bürger durch Spenden am Kaufpreis beteiligen würde. „Nicht reden, nicht schwätzen, einfach mal tun – das ist unser Beitrag zu mehr Menschlichkeit“, sagt der KSC-Vorsitzende. red

Info: Informationen unter info@ksc-bensheim.de

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