Bensheim

Parktheater Comedian Alain Frei präsentierte sein Programm „Mach dich frei“ vor 200 Zuschauern

Zu viel „Blabla“, zu wenig Schliff und Tiefe

Bensheim.Ist die pausenlose Interaktion mit dem Publikum ein Comedy-Programm? Wenn ja, dann hat Alain Frei mit „Mach dich frei“ eine veritable Show präsentiert. Wer das anders sieht, der musste sich am Freitagabend im Parktheater ziemlich gelangweilt haben.

Der Dialog mit Zuschauern wird in der Szene nicht selten als abendfüllende Unterhaltung verkauft. Der Schweizer Komiker macht da keine Ausnahme. Das Aneinanderreihen von nationalen Klischees, bemühten Gags und angekündigten Pointen wirkte so, als ob ein fröhlicher Lausbub erstmals öffentlich Gelegenheit hat, seine sorgfältig komponierten Storys zum Besten zu geben.

Schlagfertig und selbstironisch

Frei ist sympathisch, selbstironisch, schlagfertig und tiefenentspannt. Der 34-jährige Wahl-Kölner spielte in Bensheim vor einem überwiegend jungen Publikum, das die kommunikative Ader des Comedians gerne und ausführlich in Anspruch nahm. Aber nicht jedem erschloss sich, was bei einer – zudem oft von Zuschauerseite her unverständlichen – ununterbrochenen Interaktion mit dem Künstler lustig sein soll. Ein Adjektiv, das Alain Frei übrigens als elementaren Auftrag eines Bühnenprogramms versteht. Originalität, Schliff, Inhalt und Tiefe scheinen nicht dazuzugehören.

Kuss heißt Schmötzli

Die rund 200 Zuschauer hatten wohl mehrheitlich ihre Freude an den Storys über die vermeintlichen Eigenheiten von Schweizern und Deutschen. So erfährt man, dass die Deutschen aus reiner Liebe zu Bier und Schwein wohl den Bierschinken erfunden haben, ein inniger Kuss in der Schweiz Schmötzli heißt (was auch irgendwie feuchter klingt) und seine Landsleute niemals verstehen würden, was eine Doppelhaushälfte sei – also die Hälfte von etwas Doppeltem: „Bei uns nennt man das einfach nur Haus.“

Der Verzicht auf einen roten Faden ist keineswegs zu tadeln. Nicht alles muss in einen dramaturgisch durchgestylten Bauplan passen, der bei der geringfügigsten Abweichung oder jeder spontanen Einlage in sich zusammenbricht.

Doch leider rutscht dieser legere Talk mit dem Bensheimer Publikum allzu oft in ideenloses, zähes Geplauder ab, aus dem Frei sich nur mühsam wieder in seine künstlerische Präsenz befreien kann. „Blablabla“, meint eine Zuschauerin zwischendurch. Wie sie das gemeint hat, weiß nur sie.

Auch das ständige Kokettieren mit einer durch Zwischenrufe von Publikumsangehörigen verursachten Sprachlosigkeit wirkt auf Dauer etwas einschläfernd. Und gerade in dem Moment, in dem man sich erhofft, dass der Spaßmacher seine Botschaften gegen Homophobie, Rassismus und tumbes Social-Media-Gehetze ein bisschen schärfer feilt, präsentiert er eine Liste von „neuen Gags“, die er sich für sein nächstes Programm zurechtgelegt hat und die er nun live vortesten wolle.

Nach einer erholsamen Pause erfährt man noch, wie Stand-up-Comedy funktioniert, warum er doch nicht Schauspieler wurde und dass man eine gewisse negative Aufmerksamkeit erregt, wenn man seinen Hund nach einem schlimmen Diktator nennt: „Hitler, komm zurück!“ Und man lernte endlich, was der eigentliche kleine Unterschied zwischen Schweizern und Deutschen ist: Schweizer sind wie Deutsche, nur mit Geld.

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