Bensheim

Gemeinschaftsprojekt Resümee der Veranstaltungsreihe „Gemeinde und Landwirtschaft“ / Fortsetzung in Planung

Zukunft der Bauern im Meerbachtal offen

Gronau/Zell.Mit dem Erntedankgottesdienst in der Gronauer Kirche Sankt Anna und einem Informationsstand im Rahmen des Zeller Dorfmarkts endete am Sonntag der erste Durchgang der Veranstaltungsreihe „Gemeinde und Landwirtschaft – Perspektiven des ländlichen Lebens im Meerbachtal“, die seit dem Frühjahr 2018 von den Ortsbeiräten Zell und Gronau sowie der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde mit dem Dekanat Bergstraße durchgeführt wird.

Den Anlass der Reihe bildete der Umstand, dass in den letzten Jahren junge Menschen aus dem Tal wieder verstärkt Interesse an der landwirtschaftlichen Arbeit zeigen. Viele helfen in örtlichen Betrieben mit, betreiben neben Schule und Arbeit selbst Rinder- oder Hühnerhaltung oder haben gar den Ausbildungsberuf des Landwirts erlernt. Eine Situation, die im regionalen Vergleich außergewöhnlich sein dürfte. Schließlich gibt es am Westrand des Odenwaldes, wo aufgrund der Topographie ohnehin nur kleinflächige Bewirtschaftung möglich ist, nur Klein- und Nebenerwerbsbetriebe sowie Hobby-Landwirte.

Diskussion anstoßen

Die Veranstaltungsreihe will in der Bevölkerung eine Diskussion über die Frage anregen, welchen Stellenwert die Landwirtschaft zukünftig in den beiden Dörfern haben soll. Bereits im Frühjahr hatte die Agrar-Ingenieurin Maren Heincke vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in einem gut besuchten Fachvortrag über den Rückgang landwirtschaftlicher Flächen referiert.

Im Mai wanderte eine dreistellige Teilnehmerzahl zu Viehweiden und Anbauflächen auf dem Aberg an der Gronau-Zeller Grenze. Rinder- und Schafzüchter, Winzer sowie Hühnerhotel-Betreiber informierten über ihre Arbeit und ihre Produkte, sprachen aber auch Probleme wie zu schmale Feldwege, Preisdumping oder naturschutzrechtliche Einschränkungen an.

Der Erntedankgottesdienst und die Beteiligung am Zeller Dorfmarkt bildeten nun den diesjährigen Abschluss der Veranstaltungsreihe. Schautafeln mit Gegenüberstellungen aktueller Fotoaufnahmen und historischer Bilder aus dem Archiv der örtlichen Stadtteildokumentation wiesen auf Veränderungen der lokalen Kulturlandschaft hin. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft fielen in der Vergangenheit Grundstücke mit ungünstigen Standortfaktoren brach, vor allem in steiler Hanglage oder im Bereich der bewaldeten Odenwaldberge östlich von Gronau.

Sogenannte Sozialbrachen entstehen aber auch, wenn beispielsweise die Erben von Hobby-Bauern kein Interesse an der Pflege von Streuobstwiesen haben. Die Folge sind Verbuschungen, von denen sogar Hohlwege betroffen sein können.

Zudem ist in Zell und Gronau seit vielen Jahren ein Prozess der Vergrünlandung erkennbar. Durch den Rückgang von Feldfrüchte- und Getreideanbau haben die Gemarkungen einen Teil ihrer kulturlandschaftlichen Vielfalt eingebüßt.

Goldrute aufhalten

Einhergehend muss die Ausbreitung von sogenannten Neophyten wie der Kanadischen Goldrute verhindert werden. „Nachhaltige Kulturlandschaftsentwicklung und die Förderung einer zukunftsorientierten Landwirtschaft sind zentrale gesellschaftliche Themen, sowohl aus kommunalpolitischer als auch aus kirchlicher Sicht“, resümieren die beiden Projektverantwortlichen, Gronaus Ortvorsteher Stefan Hebenstreit und Sabine Allmenröder von der Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung des Dekanats.

Mit der Veranstaltungsreihe „Gemeinde und Landwirtschaft – Perspektiven des ländlichen Lebens im Meerbachtal“ wurde ein guter Anfang gemacht, diese wichtigen Zukunftsfragen mit den Menschen vor Ort anzugehen. Eine Fortsetzung der Reihe ist in Planung. red

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