Bergstraße

107 Zeilen

über die turbulente Fußballsaison des Zweitligisten SV Darmstadt 98

Es ist geschafft! Der SV Darmstadt 98 hat sich auf den letzten Metern einer turbulenten Zweitliga-Saison den Klassenerhalt gesichert. Die Lilien und ihre Anhänger haben eine Spielzeit überstanden, die alle Höhen und Tiefen des Fußballs komprimiert zu bieten hatte. Und in der am Ende – dank eines überragenden Endspurts von elf ungeschlagenen Spielen in Folge – sogar noch ein respektabler zehnter Tabellenplatz heraussprang.

Als Bundesliga-Absteiger war der SV 98 im vergangenen Sommer von den meisten Experten als Kandidat für die obere Tabellenhälfte gesehen worden. Einige Optimisten nahmen damals gar das Wort Wiederaufstieg in den Mund. Und die ersten Partien schienen ihnen sogar Recht zu geben. Vom vierten bis zum sechsten Spieltag belegten die 98er den zweiten Tabellenplatz.

Einen Doppelfehler korrigiert

Dann aber ging es abwärts – erst langsam, dann mit zunehmender Dynamik. Blutleere Auftritte gegen Sandhausen und Regensburg mündeten in Heimniederlagen. Die Trennung von Trainer Torsten Frings kam zu spät, aber immerhin: Sie kam. Und damit die Wende zurück zu Dirk Schuster. Der Mann, der die Lilien einst vom tabellarischen Drittliga-Abstieg bis in die Bundesliga und dort sensationell zum Klassenerhalt geführt hatte, sollte den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Es ist ihm gelungen.

Mit der Trennung von Frings hatte das Darmstädter Präsidium im Dezember einen Doppelfehler korrigiert, den es im Sommer begangen hatte. Denn die Vielzahl verschiedenster Aufgaben von der Kaderplanung bis zum Scouting, die in Darmstadt zum Traineramt gehören oder zumindest eng damit verknüpft sind, musste einen Trainer-Neuling wie den früheren Nationalspieler überfordern. Letztlich hatte Frings kaum eine Chance.

Doch auch wenn sich Schwächen in der Zusammenstellung des Kaders – besonders auf den offensiven Außenbahnen – schon früh abzeichneten, verlängerte die Vereinsführung ohne Not den Vertrag. Ironie für Frings: Eine seiner besten Verpflichtungen neben Tobias Kempe war Linksaußen Joevin Jones. Da der Mann aus Trinidad und Tobago aber bis Jahresende in Seattle gebunden war, kam er erst am Böllenfalltor an, als Frings schon seinen Hut hatte nehmen müssen.

Professionellere Struktur nötig

Während die Vertragsverlängerung mit Frings letztlich „nur“ eine finanzielle Belastung für die 98er zur Folge hatte, drohten die Folgen der ihm übertragenen zu großen Verantwortung den Verein schwer zu belasten. Ein Abstieg in Liga drei wäre angesichts der Ausbaupläne fürs Böllenfalltor zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt gekommen.

Gegen die Veilchen aus Aue kamen die Lilien am Sonntag mit zwei blauen Augen davon, gewannen gar glücklich und schafften so die Versetzung in die neue Zweitliga-Saison – eine Spielzeit, die gleich in mehrfacher Hinsicht vom Umbruch geprägt sein wird: Da ist die Erneuerung des Stadions, die mit dem Abriss der Gegengerade in die erste entscheidende Phase tritt. Da ist die Erneuerung der Mannschaft als neuerliche Herkulesaufgabe für Trainer Dirk Schuster und sein Team. Und da ist noch ein dritter Punkt: Der Verein muss sich professionellere Strukturen geben. Der Vertrag mit dem Trainer läuft noch zwei Jahre. Damit ist Zeit, um zusammen mit Schuster eine sportliche Entscheidungsebene aufzubauen – wenn man denn früh und ernsthaft genug damit anfängt. Kai Segelken

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