Bergstraße

Coronavirus Landrat Engelhardt über den geplanten Modellwechsel in Schulen / Änderungen der Maßnahmen auf Landes- und Kreisebene / Die aktuelle Corona-Lage

Ab Montag Hybridunterricht in der Schule

Archivartikel

Bergstraße.Die Schulen im Kreis Bergstraße sollen ab der kommenden Woche auf Hybridunterricht umsteigen. Das hat Landrat Christian Engelhardt in einer Video-Konferenz des Kreises angekündigt.

Die Pläne dazu stehen schon länger, ab einer Inzidenz von 150 die Klassen ab der Jahrgangsstufe acht in den Schulen aufzuteilen (wir haben berichtet). Nachdem es kurzzeitig hieß, dass das Land Hessen dafür zuständig sei, dass die Unterrichtsform in den Schulen wechselt, kann der Kreis jetzt doch selbst auf das Infektionsgeschehen vor Ort reagieren und handeln. Ab kommender Woche soll dann jeweils eine Gruppe vor Ort und eine von zu Hause aus unterrichtet werden, bis gewechselt wird. Dass der Hybridunterricht ab der achten Klasse durchgeführt werden soll, erklärt Engelhardt wie folgt: „Die Kinder können ab diesem Alter und für den Zeitraum, in dem der Unterricht stattfindet, auch ohne Betreuung zu Hause sein.“ Mit dieser Regelung sollen vor allem berufstätige und alleinstehende Eltern nicht zusätzlich belastet werden. Zusätzlich sei das Infektionsrisiko in den Schulen so geringer, dadurch, dass weniger Schüler gleichzeitig im Klassenraum sind. Dazu komme, dass auch der ÖPNV dadurch entlastet werde, so der Landrat. Trotz allem sei es wichtig, den Kindern nicht ihre sozialen Kontakte in der Schule zu nehmen. „Doch gerade auch gemeinsam mit dem Schulamt ist es uns wichtig, zu betonen, dass Ausnahmen vom geplanten Hybridunterricht in Absprache mit den Trägern möglich sind“, kommentiert der Landrat. Beispielsweise könnten sich wenn nötig auch ganze Klassen mit dem Unterricht vor Ort und zu Hause abwechseln.

PCs als Unterstützung für Schüler

Der Modellwechsel sei eine gute Lösung, das haben auch Gespräche mit Vertretern des Kreiseltern-, Kreisschüler- und Personalrates gezeigt. „Wir haben positives Feedback erhalten und sind optimistisch, dass es gut funktioniert“, ergänzt Engelhardt. Damit das ab kommender Woche auch gut klappt, müssen noch einige Vorkehrungen getroffen werden. „Wir bringen einerseits eine entsprechende Allgemeinverfügung auf den Weg. Andererseits werden beispielsweise den Kindern, die ansonsten keine Möglichkeit haben, von zu Hause aus am Unterricht teilzunehmen, Rechner zur Verfügung gestellt“, so Engelhardt.

Damit den Schülern gerade jetzt in den Herbst- und Wintermonaten durch das Stoß- und Querlüften in den Klassenräumen nicht zu kalt wird, werden die Heizungen auch nachts nicht – wie sonst üblich – abgestellt. „So kühlen die Klassenräume bei den kurzen Lüftungszeiten auch nicht so schnell aus“, erklärt Engelhardt. Außerdem würden Hilfsmittel des Landes für hochwertige und geräuscharme Lüfter in Schulen dort eingesetzt, wo gängiges Lüften durch Fenster oder bestehende, umgestellte Lüftungseinrichtungen nicht möglich ist.

Engelhardt ging außerdem auf die Verordnung des Landes und Veränderungen ein, die seit gestern gelten. „Erst waren Personaltraining im Studio, Tennis- oder Tischtennis in Hallen alleine, zu zweit oder mit Personen aus dem gleichen Haushalt noch zugelassen. Jetzt gilt, dass alle privaten und öffentlichen Sportanlagen In- und Outdoor schließen müssen“, so der Landrat. Ausgenommen ist nur noch Sport alleine, zu zweit oder mit Personen des eigenen Haushaltes in Wald und Flur. „Das heißt, im Park, im Wald, auf der Wiese oder daheim darf man noch unter diesen Voraussetzungen Sport betreiben. Ausgenommen von der Regelung sind Schul-, Spitzen- und Profisport. Hier wird unter verschärften Hygienemaßnahmen trainiert.“

Dazu komme, dass inzwischen Plastikvisiere nicht mehr als zugelassener Mund-Nasen-Schutz gelten, da diese eng am Gesicht anliegen müssen und Mund und Nase bedecken müssen. „Wenn man ein positives Testergebnis erhält, muss man sich selbst und auch Personen des eigenen Haushaltes direkt in häusliche Quarantäne begeben“, betont der Landrat. Um dennoch wichtige Informationen des Gesundheitsamtes zu erhalten, gebe es jetzt entsprechende Buttons auf der Homepage des Kreises.

In einer kommenden Allgemeinverfügung sollen in Bezug auf die Maskenpflicht die Listen von Straßen und Plätzen aufgehoben werden, die inzwischen durch die Landesverordnung überholt seien. Jetzt gelte, dass überall da Maske getragen werden muss, wo die notwendigen Abstände nicht eingehalten werden können. „Uns ist es wichtig, beispielsweise das Betretungsverbot in Bezug auf Gemeinschaftunterkünfte zu verlängern“, so der Landrat. Denn noch immer seien zehn Gemeinschaftsunterkünfte im Kreis betroffen, genauso wie zehn Pflegeheime, 17 Schulen und fünf Kitas, wie die Gesundheitsdezernentin Diana Stolz berichtet. „Wir befinden uns in einer echten Krise. Inzwischen leite ich quasi nur noch Krisenstrukturen“, betont sie den Ernst der Lage. „Wir haben ganz andere Zahlen und Auswirkungen als noch zu Beginn der Pandemie und müssen jetzt auch vermehrt Todeszahlen verzeichnen.

Bunte Bilder als Dankeschön

„Wir haben das Personal im Gesundheitsamt inzwischen deutlich aufgestockt und sind sehr dankbar für die 16 Bundeswehrsoldaten, die uns bei der Nachverfolgung und bei Testungen unterstützen“, so Stolz. Auch die Rückmeldung aus der Bevölkerung sei weitgehend positiv: „Kleine Kinder haben den Soldaten zum Beispiel schon Bilder gemalt“, freut sich Stolz über die Geste der Kleinsten. Im Gesundheitsamt selbst seien jetzt 172 Personen im Einsatz, darunter auch eine neue Kraft, die sich fortan um die organisatorische Leitung kümmert. Die Inzidenz lag gestern bei einem Wert von 142,70. Das Durchschnittsalter der Infizierten lag bei 41 Jahren, das Durchschnittsalter der stationären Corona-Patienten bei 65 Jahren. Zudem sei bei der Hälfte der Infizierten zu Beginn inzwischen nicht mehr klar, wo sie sich angesteckt haben.

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