Bergstraße

Landtagskandidaten Die Zwingenbergerin Birgit Heitland (CDU) will den Wahlkreis Ost gewinnen / Moderne Kunst als Hobby

Abschalten in der „Kunstpause“

Bergstraße.Ein Freitagvormittag in der Mannheimer Kunsthalle. Das Museum ist gut besucht. Es ist einer der letzten Tage der vielbeachteten Ausstellung „Appearance“ mit Werken von Jeff Wall – die erste große Sonderausstellung in dem im Juni eröffneten Neubau. Eine Gruppe Schüler steht vor einer der großformatigen Fotografien und lauscht interessiert den Ausführungen eines Kunst-Experten.

Auch Birgit Heitland fesseln die monumentalen Leuchtkästen, deren Bilder so real und dreidimensional wirken, als würde man die Szenerie gerade beim Blick aus dem Fenster beobachten. Was oft aussieht wie eine zufällige Straßen- oder Alltagsszene, wurde von dem kanadischen Fotografen im Vorfeld bis ins Detail geplant. Rätselhaft wirken viele der Motive, regen zum Nachdenken an.

Oftmals bezieht sich Wall auf berühmte Werke der Malerei – Manets Akt „Olympia“ hat er beispielsweise aufgegriffen. Oder Vermeers „Astronom“ – das Gemälde könnte dem Betrachter beim Porträt von Adrian Walker in den Sinn kommen. Ein Bild, das es Heitland besonders angetan hat. Die Fotografie zeigt den Künstler tief versunken an einem Schreibtisch beim Zeichnen einer anatomischen Studie.

16-Stunden-Tage keine Seltenheit

Die hessische Landtagsabgeordnete und CDU-Direktkandidatin für den Wahlkreis Bergstraße Ost genießt die kurze „Kunstpause“. In diesen vom Wahlkampf geprägten Wochen bleibt für solche Aktivitäten eigentlich keine Zeit. Zu den Sitzungsrunden in Wiesbaden kommen zahlreiche weitere Termine hinzu. 16- bis 17-Stunden-Tage sind für Heitland keine Seltenheit, auch am Wochenende. An diesem Freitag steht am Nachmittag noch ein Treffen mit den CDU-Vorstandsmitgliedern in Zwingenberg im Kalender. Doch daran denkt Heitland momentan gar nicht. „Wenn ich im Museum bin, kann ich wunderbar abschalten.“

Zur Kunst ist Birgit Heitland durch ihren Mann gekommen, mit dem sie seit 32 Jahren verheiratet ist. „Er ist der Ideengeber“, sagt die Zwingenbergerin, die das Hobby ihres Mannes zu ihrem eigenen gemacht hat. „Ich genieße das auch. Die Ruhe in den Kunsthallen. Man kann die Werke einfach auf sich wirken lassen, das öffnet neue Horizonte.“ Eine Kunstexpertin sei sie aber nicht, sagt Heitland ganz bescheiden. Dass sie sich aber dennoch sehr gut auskennt, wird beim Besuch der Kunsthalle in Mannheim durchaus deutlich.

Von neuer Kunsthalle begeistert

Den Neubau hat sie mit ihrem Mann bereits einmal kurz besichtigt. Mehr als zwei Stunden seien aber nicht drin gewesen. Nach der Hessen-Wahl will sich das Ehepaar aber unbedingt länger Zeit nehmen, um die Sammlung ganz in Ruhe zu besichtigen – und das neue Museum nochmals intensiv auf sich wirken zu lassen. Das offen gestaltete Gebäude mit den großen Fensterflächen begeistert die Zwingenbergerin. Immer wieder öffnen sich dem Besucher Blickachsen nach draußen: auf den Wasserturm oder den Rosengarten. „Das zeigt die Identifikation Mannheims mit der Kunsthalle“, findet die Politikerin.

Auch beim Reisen – gerne im Alfa-Spider-Cabrio – spielt die Beschäftigung mit Kunst für die Heitlands immer eine große Rolle. Im Sommer waren sie an der Ostsee unterwegs, die Barlachstadt Güstrow stand dabei ebenso auf dem Besichtigungs-Programm wie die Künstlerkolonie Schwaan. „Die Kunst begleitet uns“, sagt Heitland – insbesondere die moderne. Das Bauhaus und die (Neue) Leipziger Schule haben es dem Ehepaar angetan, einmal im Jahr ist deshalb der Besuch der Grafik-Stiftung Aschersleben des Künstlers Neo Rauch fest eingeplant. „Ein sehr schönes Event, das wir uns nicht nehmen lassen“, betont sie.

Doch nicht immer steht die Kunst im Mittelpunkt. „Wir diskutieren auch viel über Politik“ – selbst wenn diese nicht zum Hobby ihres Mannes geworden sei, sagt die 54-Jährige lachend. Sie selbst engagiert sich seit 1999 ehrenamtlich in der Zwingenberger CDU und war Gründungsmitglied der Frauenunion. Die Möglichkeit, etwas bewirken zu können, habe sie dazu bewegt, in der Kommunalpolitik aktiv zu sein.

Weiter um Zwingenberg kümmern

Seither hat sie viele Ämter ausgefüllt und ist trotz ihres Mandats im Landtag, das sie im Mai 2017 als Nachrückerin von Peter Stephan übernommen hat, CDU-Vorsitzende und Stadtverordnetenvorsteherin in Zwingenberg geblieben.

Zur Wahl steht sie nun am 28. Oktober zum ersten Mal und hofft, den Wahlkreis Bergstraße Ost zu gewinnen und als Direktkandidatin ins Parlament einzuziehen. In Zwingenberg würde sie dann an der einen oder anderen Stelle wohl „in die zweite Reihe rücken“, erzählt sie bei einer Tasse Cappuccino im Kunsthallen-Café. Trotzdem wolle sie sich nach wie vor weiter um ihre Heimatstadt kümmern – aus dem Amt der Landtagsabgeordneten heraus lasse sich viel bewirken, ist Heitland überzeugt. Am Herzen liegen ihr vor allem Bildungs- und Sozialpolitik.

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