Bergstraße

Geldanlage Analysten bescheinigen Jungheinrich gute Wettbewerbsqualitäten / Brain arbeitet sich wieder hoch

Aktien aus der Region halten sich in unsicheren Zeiten richtig gut

Bergstraße.Krise? Welche Krise? Geht es nach den Aktienkursen, ist trotz der weltweiten Unsicherheiten mit Brexit-Chaos, internationalen Handelsstreitigkeiten und einem drohenden wirtschaftlichen Abschwung auf dem Heimatmarkt derzeit weit und breit nichts zu sehen von einer Krise.

Im Gegenteil. Sowohl der Deutsche Aktienindex Dax als auch die Papiere großer Unternehmen der Region haben sich von ihrer Augustschwäche erholt und näheren sich fast schon ihren bisherigen Jahreshöchstständen aus dem Monat April. Das kräftigste Plus verzeichneten in den vergangenen vier Wochen die Aktien aus dem Depot Rhein-Main, gefolgt von Rhein-Neckar und Bergstraße-Südhessen.

Auf dem Jahreshoch gehalten

Einen großen Sprung nach vorne machte der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich mit zuletzt gut laufenden Geschäften auch am Standort Bensheim. Der Konzern habe im jüngsten Quartal besser als befürchtet abgeschnitten, meint Analyst Cansu Tatar vom Analysehaus Warburg Research. Die Wettbewerbsqualitäten von Jungheinrich seien außerordentlich.

Der Elektrotechnikhersteller TE Connectivity hat sich sogar auf dem Jahreshoch vom August gehalten. Da das Unternehmen Teile für Autos mit Verbrennungsmotoren als auch für Elektroautos liefert, ist von der Flaute der Kundschaft in der Automobilindustrie nichts zu spüren.

Wieder über dem Emissionskurs

Von „starken Neunmonatszahlen“ berichtete zuletzt Brain. Das Zwingenberger Biotechnologie-Unternehmen meldete ein Umsatzplus von 54 Prozent. Zudem sei es gelungen, die Kosten zu kontrollieren, was unterm Strich zu mehr als halbierten Verlusten im Vorjahresvergleich geführt habe. Das machte sich auch an der Börse bemerkbar, der Aktienkurs lag nicht nur wieder über dem Emissionskurs aus dem Jahr 2016, sondern knackte zuletzt auch wieder die wichtige Marke von zehn Euro.

Bei Merck trieb zuletzt die Zulassung neuer Medikamente mit hohen Margen (etwa Mavenclad gegen Multiple Sklerose) den Aktienkurs, meint Finanzanalyst Trung Huynh von der Schweizer Großbank Credit Suisse.

Außerdem werde das Wachstum durch die Laborsparte getragen. Der Bereich Spezialmaterialien dürfte seinen Tiefpunkt in diesem Jahr erreichen und ab 2020 von der Übernahme des US-Anbieters Versum profitieren. Gute Aussichten für den Darmstädter Konzern also.

Standort Bensheim als Zugpferd

Die Aktie von Dentsply Sirona konnte im Vergleich zu der Aufwärtsentwicklung der anderen Papiere des Aktienrankings nicht mithalten und blieb auf dem Augustniveau stabil. „Eine ganze Menge Arbeit“ liegt noch vor dem Unternehmen, sagte Konzernchef Don Casey zuletzt bei der Vorlage von Quartalszahlen. Die dürfte vor allem die Sparte Verbrauchsmaterialien (früher nur Dentsply) treffen, die Umsatzrückgänge verbuchte. Im Gegensatz dazu legte das Geschäft mit der Ausrüstung für Zahnarztpraxen (früher nur Sirona) mit seinem großen Standort Bensheim, zu.

Im Depot Rhein-Neckar machten vor allem die Schwergewichte BASF und SAP an der Börse Sprünge nach oben. Wenngleich das Analysehaus Independent Research das Kursziel für BASF Euro gesenkt hat. Dem Fortschritt beim Umbau des Chemiekonzerns stehe die Konjunktureintrübung gegenüber, meint Analyst Sven Diermeier. Und die konjunkturellen Aspekte stünden für die Kursentwicklung nunmal im Vordergrund.

Bei SAP ist Analyst Mark Moerdler von Bernstein Research erfreut zu sehen, dass sich der Konzern verstärkt auf eine Verbesserung der Margen konzentriere, wie er in einem Report schreibt. Übrigens raten 16 von 23 Finanzanalysten, die SAP regelmäßig beobachten, derzeit zum Kauf der Aktie.

Banken etwas erholt

Fuchs Petrolub spürt nach wie vor die Schwäche seiner Kunden aus der Autoindustrie und Südzucker dürfte nach dem Wegfall der EU-Zuckermarktordnung vorerst weiter mit Verlusten im Kerngeschäft kämpfen, zumal Konkurrenten weltweit subventioniert werden.

Im Depot Rhein-Main haben sich die Deutsche und die Commerzbank auf niedrigem Niveau immerhin etwas erholt, wenngleich sich an den grundsätzlichen Problemen der Geldhäuser nichts geändert hat. Niedrige Zinsen machen weiterhin zu schaffen.

Aber auch intern knirscht es. Kein richtig einleuchtendes Geschäftsmodell, heißt es vielfach. Die Kapitalausstattung der Deutschen Bank lasse zudem nicht viel Spielraum für Wachstum im Kerngeschäft, um dem Margendruck entgegenzuwirken, meint Analyst Andrew Stimpson von der Bank of America.

Bei der Lufthansa warten die Aktienanalysten gespannt auf die Verkehrszahlen der wichtigen Sommermonate, die demnächst veröffentlicht werden. Die Aktie hat sich in den letzten vier Wochen stabil entwickelt.

Der Flughafenbetreiber Fraport könnte ebenfalls unter einem nachlassenden Verkehrswachstum leiden.

Kostensenkungen

Einen großen Sprung machte in den letzten Wochen die Aktie der Opel-Mutter PSA (Peugeot). Analyst Jose Asumendi von der US-Investmentbank JPMorgen verweist unter anderem auf Kostensenkungen und die Lohnpolitik des französischen Autobauers, eine größer werdende Preismacht sowie die Einbeziehung der Marke Opel in das Plattformsystem des Mutterkonzerns.

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