Bergstraße

Weinbauverband Organisatoren hoffen auf einen Erfolg der Großveranstaltung und ein Funktionieren des neuen Sicherheitskonzepts

Alle Augen richten sich auf den 1. Mai

Heppenheim/Bergstraße.Die 30. Bergsträßer Weinlagenwanderung markierte im vergangenen Jahr einen Wendepunkt in der Biografie der Großveranstaltung. Nicht wegen des schlechten Wetters – da hatte die Maitour zwischen Zwingenberg und Heppenheim schon Schlimmeres erlebt. Es waren vor allem geplant besoffene Jugendliche, ungezogene Wildpinkler und jede Menge Müll in Weinbergen und Privatgärten, die der Veranstaltung im vergangenen und dem Jahr davor tiefere Kratzer zugefügt hatten.

Mit einem neuen Sicherheitskonzept wollen der Weinbauverband Hessische Bergstraße und seine kommunalen Partner entlang der Strecke den Termin wieder attraktiver machen (wir haben berichtet). Jetzt hoffen alle Beteiligten, dass die Maßnahmen greifen und die Weinlagenwanderung wieder für positive Schlagzeilen sorgt. Denn auch finanziell ist die Veranstaltung der mit Abstand wichtigste Posten des Verbands, wie Vorsitzender Otto Guthier bei der Mitgliederversammlung im Zwingenberger Adlersaal betonte. 2017 verursachte die Wanderung ein leichtes Defizit und sorgte damit für eine prägnante Delle in der Statistik der vergangenen Jahre, so Geschäftsführerin Stefanie Oberhauser in ihrer Zahlenbilanz.

Der komplette Erlös kommt dem Weinbauverband zugute. Er setzt die Mittel ein, um für das Anbaugebiet und den regionalen Wein zu werben. „Die Weinlagenwanderung ist verantwortlich dafür, dass der Verband schwarze Zahlen schreibt“, sagte Guthier in Zwingenberg. Um wirtschaftlich weiterhin gut aufgestellt zu sein, was trotz der jüngsten Verluste der Fall ist, muss das Zugpferd galoppieren. „Wenn das neue Konzept nicht funktioniert, wird es eng“, meinte ein Mitglied am Rande der Versammlung.

In seinem Vorstandsbericht hatte Otto Guthier aber auch Erfreuliches zu vermelden. Mit Charlotte Freiberger aus Heppenheim hat es erneut eine Bergsträßer Weinkönigin zur Deutschen Weinprinzessin gebracht. Und das kurz nach Caroline Guthier, die das Amt 2015/16 bekleidet hat – nach zwölf Jahren Abstinenz an der Spitze der deutschen Weinrepräsentanz. Mit der 69. Weinprämierung, dem siebten Weinbautag und vielfältigen kleineren Unterstützungsleistungen blickt der Verband auf ein aktives Jahr zurück, das auch von weinrechtlichen Neuerungen geprägt war.

Weinrechtliche Neuregelung

Durch die Anerkennung sogenannter Schutzgemeinschaften durch das Weinbauministerium kann die Weinbranche zukünftig besser über Anforderungen an hiesige Qualitäts- und Landweine mitbestimmen. Guthier kommentierte das als Chance für mehr Autonomie. Als Schutzgemeinschaft gilt eine aus Erzeugern zusammengesetzte Organisation, die die Parameter einer geschützten Herkunftsbezeichnung verwaltet und eigenständig gestaltet. Mindestens zwei Drittel der Rebfläche müssen durch sie repräsentiert sein. Der Weinbauverband umfasst rund 80 Prozent des Anbaugebiets. Die Vorgabe ist also erfüllt.

Die Regelung ist eine Folge der Reform des EU-Weinrechts aus dem Jahr 2009, die auch in Deutschland ihre Spuren hinterlassen hat. Die Herkunft rückte in den Mittelpunkt. Aus dem Anbaugebiet wurde die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.). Grundlage für die neue Gestaltungsmöglichkeit durch die Branche ist die neue Landesverordnung zur Änderung weinrechtlicher Vorschriften, die im Januar in Kraft getreten ist.

Früher wurden Kriterien wie Mindestmostgewicht, Abgrenzung des Gebietes, zugelassene Rebsorten oder Hektarhöchstertrag in Verordnungen durch Landesbehörden geregelt. Nunmehr sind diese in einem sogenannten Lastenheft festgelegt. Die Erzeuger können nun innerhalb der gesetzlichen Grenzen selbst festlegen, welche Anforderungen ihre Weine erfüllen müssen. Damit kann die Herkunft als Qualitätskriterium weiter entwickelt werden. Ein erster Schritt hin zu mehr Selbstverwaltung und Mitbestimmungsrecht der Weinwirtschaft.

Über Einzelheiten der neuen Düngeverordnung informierte in Zwingenberg der Fachberater Benjamin Foerg von der Raiffeisen-Waren-Zentrale Rhein-Main in Worms.

Guthier noch zwei Jahre im Amt

Wahlen standen am Donnerstag nicht auf der Tagesordnung. Die Amtszeit von Otto Guthier läuft in zwei Jahren aus. Der Vorsitzende hatte angekündigt, die Arbeit in jüngere Hände abgeben zu wollen. Zweite Vorsitzende ist derzeit Christa Guth, die Kasse verwaltet Schatzmeister Helmut Antes. tr

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