Bergstraße

Sozialprojekt In Einhausen funktioniert das „Sozialraumorientierte Netzwerke in der Altenhilfe“ vorbildlich / SPD informiert sich bei einem Besuch im Caritaszentrum

Alt werden inmitten der Gesellschaft

Archivartikel

Bergstraße/Einhausen.Ralf Stegner kam nicht. Der SPD-Vize musste spontan zum parteiinternen Krisengipfel nach Berlin und dafür seine Wahlkampftour durch Hessen unterbrechen. Nach der Vereinbarung für den Wechsel des bisherigen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen ins Bundesinnenministerium hatte Stegner die Große Koalition erneut in Frage gestellt. Das Bündnis hängt am seidenen Faden. In Einhausen haben sie deshalb vergebens gewartet.

Nachdem der Bergsträßer Landtagskandidat Marius Schmidt (Lampertheim) den stellvertretenden Bundesvorsitzenden also an den Mannheimer Hauptbahnhof chauffiert hatte, fand der Termin im Caritaszentrum St. Vinzenz in etwas kleinerer Runde statt. Gemeinsam mit dem Einhäuser Ortsvereinsvorsitzenden Reimund Strauch informierte sich Schmidt über das dort angekoppelte Projekt „Sozialraumorientierte Netzwerke in der Altenhilfe“, kurz „SoNAh“. Als Initiative zur Bewältigung des demografischen Wandels und der damit verbundenen Weiterentwicklung in der Altenhilfe hat der Caritasverband das Quartiersprojekt für die Diözese Mainz ins Leben gerufen.

„Es geht darum, den Bedürfnissen älterer Menschen nach einem möglichst langen und selbstbestimmten Leben im gewohnten Umfeld Rechnung zu tragen und gemeinsam mit Kooperationspartnern vor Ort Versorgungslücken zu identifizieren“, so Projektkoordinatorin Claudia Ebner. Erreicht wird das durch die Entwicklung und Vernetzung von teilhabefördernden Infrastrukturen und Unterstützungsleistungen.

Gutes Leben im Alter

Dadurch will man in Einhausen gemeinsam mit Bürgern, Initiativen und Ehrenamtlichen Strukturen aufbauen, die ein gutes Leben im Alter ermöglichen, so Ebner, die die Leitung des „SoNAh“-Stützpunktes „Älter werden in Einhausen“ im April 2017 übernommen hat. Ihre Vorgängerin Cornelia Tigges-Schwering hat neue Aufgaben beim Caritasverband Darmstadt übernommen. Seither ist die Sozialpädagogin im Caritaszentrum St. Vinzenz im Erdgeschoss direkt neben der Begegnungsstätte anzutreffen.

Neben einer engen Vernetzung der lokalen Angebote geht es ihr um eine generationsübergreifende aktive Mitgestaltung und Beteiligung im Wohnviertel, was durch die Öffnung der Begegnungsstätte St. Vinzenz forciert werden soll. Dazu kommen Ziele wie eine wohnortnahe Versorgung und der Erhalt und die Förderung von Mobilität. Besonders wichtig ist der Caritasmitarbeiterin auch die Nachbarschaftshilfe und das fürsorgliche Miteinander der Generationen.

Marius Schmidt lobte die Vernetzung der Akteure im Quartier als „Überwindung des Inseldenkens“, das in seniorenspezifischen Projekten und generell in sozialen Belangen noch immer zu dominant sei. Das Einhäuser Caritaszentrum, das 2014 eröffnet wurde, gehe hier beispielhaft voran. „Wir haben einen etwas anderen Weg eingeschlagen“, so der Leiter des Hauses, Günter Schwering. Konzeptuell fördert die Einrichtung ein selbstbestimmtes Leben in einer Atmosphäre, die mit traditionellen Seniorenheimen wenig gemein hat.

Die 40 Bewohner leben in vier Hausgemeinschaften zu je zehn Personen zusammen und werden von Alltagsbegleitern und Pflegekräften betreut und gepflegt. Eine Großküche gibt es nicht, die Senioren kochen selbst. Für sich und andere, die das Angebot nutzen möchten. In acht barrierefreien Wohnungen ermöglicht das Haus ein autarkes Leben mit angeschlossenem Service und allen Vorzügen des zentrumsnahen Wohnens. Eine Hausgemeinschaft ist speziell für Menschen mit Demenz eingerichtet.

Die im Haus integrierte Tagesbegegnungsstätte ist die Brücke zur Gemeinde und den Bewohnern des Zentrums. Gruppen und Vereine sind eingeladen, den Hausbewohnern zu begegnen und lokale Angebote zu entwickeln. Unter anderem findet jeden Donnerstag ein gemeinsamer Mittagstisch statt.

„Das funktioniert hervorragend“, so Schwering, der auf die Ursprünge des Zentrums verweist: An der Rheinstraße sei in enger Abstimmung mit der Kommune ein Projekt entstanden, das bewusst im Ortskern angesiedelt worden sei. „Das Konzept ragt tief in die Gemeinde hinein“, so der Leiter bei einem kurzen Rundgang. Ein Modell, das demnächst auch im Caritas-Altenpflegeheim St. Elisabeth in Bürstadt und – etwas später – auch in der Lampertheimer Einrichtung Mariä Verkündigung initiiert werden soll, wie Günter Schwering mitteilt.

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