Bergstraße

Versorgung Regierungspräsidium legt Zahlen für 2019 vor / Pendler entlasten die Bilanz am Heimatort

An der Bergstraße wird wenig Wasser verbraucht

Bergstraße.Wer sich die gerade erst vom Regierungspräsidium Darmstadt veröffentlichte Wasserbilanz des Jahres 2019 anschaut, der könnte auf den Gedanken kommen, dass die Menschen in Bensheim oder Einhausen weniger duschen und Geschirr abspülen als jene in Frankfurt oder Darmstadt. Pro Kopf verbrauchten die Bergsträßer 116 Liter pro Tag. Zum Vergleich: In Darmstadt waren es im gleichen Zeitraum 150 Liter.

Besonders die Menschen in Hirschhorn scheinen eher wasserscheu zu sein: Sie konsumierten 2019 pro Tag gerade einmal 98 Liter von dem kostbaren Nass. Kaum höher lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Lautertal (100), Heppenheim (101) und Groß-Rohrheim (102), während Abtsteinach und Viernheim mit 133 beziehungsweise 132 Litern am anderen Ende der Skala rangieren.

Auf den zweiten Blick erklären sich die Unterschiede im Wasserverbrauch allerdings recht einfach: Der Kreis Bergstraße ist – wie viele andere Landkreise auch – eher ländlich strukturiert, wenn man Metropolen wie Frankfurt oder Großstädte wie Darmstadt und Wiesbaden zum Vergleich heranzieht. Und wo die Bevölkerungsdichte deutlich geringer, die Infrastruktur viel weitmaschiger ist, da ergeben sich zwangsläufig auch andere Werte zum Wasserverbrauch.

Pendler von der Bergstraße entlasten den Verbrauch in ihren Heimatorten, beispielsweise wenn sie am Arbeitsplatz – der oft in den kreisfreien Großstädten des Landes liegt – Kaffee kochen, sich die Hände waschen oder gar duschen. In der Statistik werden sie ihrem Wohnort und nicht ihrem Arbeitsplatz zugerechnet, obwohl sie viel Wasser nicht zuhause sondern anderswo verbrauchen.

Im Schnitt 127 Liter am Tag

Hinzu kommt: Denn Großeinrichtungen wie beispielsweise die Fußballstadien von Darmstadt 98 oder Eintracht Frankfurt, der Frankfurter Zoo und die Jahrhunderthalle in der Mainmetropole treiben den dortigen Verbrauch ebenfalls in die Höhe – und daran seien natürlich auch Besucher aus den ländlichen Gebieten beteiligt. Hinzu kommen Touristen aus aller Herren Länder.

Im Regierungsbezirk Darmstadt lag der Gesamt-Wasserverbrauch im Jahr 2019 bei rund 240,6 Millionen Kubikmetern gegenüber 245 Millionen Kubikmetern im extremen Trockenjahr 2018. Die Bürger verbrauchten 2019 im Schnitt jeweils rund 127 Liter Trinkwasser am Tag – zwei Liter weniger als 2018.

Im Vergleich der kreisfreien Städte mit den Landkreisen gibt es nach wie vor Unterschiede: Der durchschnittliche Verbrauch pro Einwohner und Tag lag in den zehn südhessischen Landkreisen mit 123 Litern deutlich unter dem mittleren Bedarf der kreisfreien Städte von 137 Litern.

2020 war wiederum ein Trockenjahr und hinsichtlich der Witterung mit 2019 vergleichbar. Die Situation wird aber vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt. Die Lockdowns und Kontaktbeschränkungen haben erheblichen Einfluss vor allem auf die Pendlerströme und das Freizeitverhalten, so dass vor allem in den Wohngebieten im Umland der großen Städte zeitweise ungewöhnlich hohe Verbrauchszahlen gemessen wurden. „Insofern werden die Daten für 2020 interessante Erkenntnisse bringen“, erklärt das Regierungspräsidium. Erfahrungsgemäß werden allerdings noch einige Monate ins Land gehen, bis die Werte für das gerade zu Ende gegangene Jahr vorgelegt werden.

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