Bergstraße

Kreis Bergstraße Modellprojekt soll für das Arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus bessere Rahmenbedingungen schaffen / Infoveranstaltung am 9. Mai in Mörlenbach / 20 Unternehmen werden gefördert

Arbeiten vom Homeoffice aus – für viele ein Traum

Archivartikel

Bergstraße.Während sich die Regierungskoalition in Berlin uneins ist – Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lehnt die Pläne von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) für ein Recht auf Homeoffice ab – werden im Kreis Bergstraße Nägel mit Köpfen gemacht. Just am Weltfrauentag informierte die Wirtschaftsförderung Bergstraße über den Start eines Verbundprojekts zur Förderung von Telearbeitsplätzen in der Region.

Sicher bietet die Arbeit von zu Hause aus Vorteile. So gewinnen Pendler durch den Wegfall von langen Anfahrtszeiten Lebensqualität, wie Landrat Christian Engelhardt feststellte. Und letztlich kann sie auch dazu beitragen, dass der ländliche Raum sowohl als Unternehmensstandort als auch als Wohnort für Arbeitnehmer attraktiver wird. Darauf will das Verbundprojekt „Home-Office Odenwald“ aufmerksam machen und Unternehmen bei der Bereitstellung von Homeoffice-Arbeitsplätzen unterstützen.

„Es ist ein modellhaftes, gemeinsames Projekt der WFB, der Odenwald-Regional-Gesellschaft und der Entega Medianet“, wie Engelhardt im Landratsamt ausführte. Unterstützt wird dieses vom Programm „Land.Digital“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das für das zwei Jahre laufende Vorhaben knapp 200 000 Euro zur Verfügung stellt.

Das macht deutlich, dass der häusliche Arbeitsplatz als weitere Alternative zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Berlin zwar grundsätzlich positiv gesehen wird und der Dissens nur in der Festschreibung als Rechtsanspruch besteht. In der aktuellen öffentlichen Diskussion über die neue SPD-Initiative fehlt aber auch nicht der Hinweis auf mögliche negative Auswirkungen. Denn gerade für Frauen könne das Home-Office auch zur Haushaltsfalle werden, wie etwa Anfang des Monats auf der Internetseite des Stern zu lesen.

Die Genderdiskussion ist aber nicht das Thema im Kreis Bergstraße – hier geht es vor allem um die Förderung des ländlichen Raums, worauf Marius Schwabe, Geschäftsführer der Odenwald-Regional-Gesellschaft, aufmerksam machte. Er verwies auf eine Studie der Stanford University, wonach 35 Prozent der Fachkräfte ihrer aktuellen Stelle zugunsten einer Homeoffice-Lösung den Rücken kehren würden.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2016 spricht von 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die von zu Hause aus arbeiten könnten. Derzeit würden aber nur zwölf Prozent diese Möglichkeit wahrnehmen. Im Kreis Bergstraße wurden die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür bereits geschaffen, verwiesen Landrat Engelhardt und WFB-Geschäftsführer Matthias Zürker auf den flächendeckenden Breitbandausbau.

Eine deutschlandweit führende Rolle unter den ländlichen Regionen nehme dabei der Odenwaldkreis ein, wo die Versorgung der Haushalte mit 50 Mbit/s abgeschlossen und der Ausbau auf 100 Mbit/s im Nahbereich seit Ende 2018 erfolgt sei, sowie zukünftig eine Versorgung mit bis zu 250 Mbit/s möglich werden soll.

Komplettiert wird das Verbundprojekt „Home-Office Odenwald“ durch die Entega, die neben ihrem technischen Know-how auch ein e-Carsharing-Modell anbietet. Die positiven Effekte von Homeoffice bestätigte Geschäftsführer Frank Gey von der Entega Medianet aus eigenen Erfahrungen: Über 20 Prozent der Entega-Mitarbeiter in Darmstadt, von denen viele auch von der Bergstraße und aus dem Odenwald kämen, hätten sich seit der Einführung im vergangenen Jahr für eine temporäre Homeoffice-Lösung an zwei bis drei Tagen entschieden.

Technische und rechtliche Fragen

Die Fördermittel sollen vor allem in Personalkosten fließen – denn die Unterstützung der Unternehmen hat ihren Schwerpunkt in der Beratung bei einer ganzen Reihe technischer und rechtlicher Fragen. „Auch ein häuslicher Arbeitsplatz muss den Anforderungen an Arbeitssicherheit gerecht werden“, so Zürker.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen hätten oft nicht die personellen und fachlichen Kapazitäten, um Homeoffice-Plätze anzubieten. Hier soll das Projekt helfen. Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung am 9. Mai ab 18 Uhr im Bürgerhaus Mörlenbach können sich interessierte Unternehmen informieren. Insgesamt können dann 20 Unternehmen ausgewählt werden, die bei der Realisierung von Homeoffice-Arbeitsplätzen begleitet werden, wobei zwei davon intensiv betreut werden.

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