Bergstraße

Erich Kästner-Schule Angelika Schwetz berichtet aus dem Arbeitsalltag beim hessischen Landeskriminalamt

Auf der Suche nach Fasern, die zum Täter führen

Bergstraße.„Wer sich nicht gruseln will, sollte jetzt nicht hinschauen“, warnte Angelika Schwetz noch. Dann warf die Mitarbeiterin des hessischen Landeskriminalamtes mittels Projektor ein Bild auf die Wand, auf dem eine wild zugewachsene Grünfläche zu sehen war. Dass darin eine Leiche lag, war für die Neunt- und Zehntklässler der Bürstädter Erich Kästner-Schule auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Das änderte sich, als Schwetz das nächste Bild zeigte. Darauf war das Dickicht ein Stück weit entfernt worden, der leblose menschliche Körper war nun deutlich zu erkennen. Der Weg für die Spurensucher war frei.

Bei der Aufklärung von Verbrechen spielen Fasern eine wichtige Rolle. Das erfuhren die Schüler während der eindrucksvollen Präsentation von Angelika Schwetz, die aus Wiesbaden in die Bürstädter Gesamtschule gekommen war, um ihre Tätigkeit als Sachverständige beim hessischen Landeskriminalamt vorzustellen. Schwetz arbeitet dort im Fachbereich Textilkunde. Seit 25 Jahren beschäftigt sich die Textilingenieurin mit der Untersuchung von Fasern, die im Zusammenhang mit Verbrechen aufgefunden werden. Um solche Spuren zu sichern, werden Klebefolien eingesetzt, an denen auch winzig kleine Fusseln hängen bleiben. Auch beim Leichenfund im grünen Dickicht kam die Klebefolie zum Einsatz.

„Oft sind textile Spuren mit bloßem Auge nicht sichtbar“, sagte Schwetz. Aber unter dem Mikroskop können die Fachleute durchaus aufschlussreiche Details entdecken. So zum Beispiel bei einem Raubüberfall, bei dem eine alte Dame mit Kabelbinder gefesselt worden war. „Der Täter trug Handschuhe“, berichtete Schwetz. Am Kabelbinder waren Fasern eingeklemmt, die mit Stoffhandschuhen des mutmaßlichen Täters übereinstimmten. „Sie konnten der Tat zugeordnet werden.“

„Was ist das?“, fragte Schwetz die Schüler bei einem weiteren an die Wand projizierten Bild. „Eine Briefmarke“, kam schnell die Antwort. Auf der Klebeseite der Marke waren zudem mehrere dunkle Fasern zu sehen. Auch sie stammten von Handschuhen. Ein Täter hatte sieben Erpresserschreiben verfasst, in denen er drohte, Lebensmittel in einem Supermarkt zu vergiften. Als er die Briefmarke auf die Schreiben klebte, trug er jedes Mal diese Handschuhe, die ihre Fasern auf dem Brief hinterließen.

„Überall sind Fasern“, stellte Schwetz fest. Ob auf der Couch, im Bett oder im Auto, überall seien Stoffe vorhanden, von den sich Faden oder kleine Faserteile lösen. Deshalb müssen die Mitarbeiter des Landeskriminalamts strengstens auf Schutzkleidung achten, wenn sie Gegenstände auf Fasern untersuchen und diese dann unters Mikroskop legen. Schließlich dürfen keine Fasern vermischt werden.

Haarverdichtungsmittel benutzt

Doch nicht nur Kleidung, Decken und Teppiche können dabei helfen, Täter zu überführen. Vor einigen Jahren beschäftigte ein Mord im Saukopftunnel bei Birkenau die Polizei und Staatsanwaltschaft.

„Ein Beschuldigter benutzte Haarverdichtungsmittel“, sagte Schwetz. Der Mord ereignete sich in einem Auto während der Fahrt durch den Saukopftunnel. Dem Beschuldigten wurde nachgewiesen, dass er auf dem Rücksitz gesessen und den Mann vor ihm erschossen habe. Das Gutachten des Landeskriminalamts Wiesbaden untermauerte diesen Vorwurf mit Faserfunden. Die Fachleute hatten Fasern eines Haarverdichtungsmittels, das der Beschuldigte benutzte, auf dem Rücksitz entdeckt. Und laut Schwetz enthüllten die Faserspuren auch, dass der Täter nach den tödlichen Schüssen die Projektile eingesammelt habe und dabei mit dem Kopf an der Rückseite des Beifahrersitzes entlang gestreift sei. Der Mörder erhielt eine lebenslange Haftstrafe.

Für die Schüler hatte Schwetz einige mikroskopische Bilder von Fasern sowie die dazugehörigen Kleidungsstücke mitgebracht. Dann konnten die Schüler testen, ob sie Übereinstimmungen finden. ps/sm

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