Bergstraße

Landtagskandidaten Direktbewerberin Karin Hartmann (SPD) tritt im Wahlkreis Bergstraße-Ost an und erholt sich bei Fahrradtouren

Auf zwei Rädern durch den Odenwald

Grasellenbach.„Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.“ So heißt es im Volksmund. Karin Hartmann liebt ihr Fahrrad, doch sie schiebt es nie. Ich liebe mein Fahrrad auch – und ich schiebe recht viel. Zumindest bei dieser Radtour mit der SPD-Landtagsabgeordneten:

Gleich zum Start wickelt sich ein zu langer Schnürsenkel um ein Pedal und ich muss anhalten, absteigen und zum Abwickeln schieben. Wie peinlich! Und zum Schluss zwingt mich die letzte Steigung zum Hartmann’schen Haus hinauf zu erneutem Absteigen und neuerlichem Schieben. Wieder peinlich! Die Parlamentarierin hingegen, die sich am 28. Oktober im Wahlkreis Bergstraße-Ost wieder um ein Landtagsmandat bewirbt, sitzt stets fest im Sattel und spult in flottem Tempo bergab und bergauf Meter um Meter ab. Und das ohne E-Bike.

Der schöne Plan scheitert

Mit eben dem hat sie mich in ihre Heimat, den Odenwald, und dort in den Grasellenbacher Ortsteil Wahlen gelockt. Ich könne das Elektro-Fahrrad ihres Mannes benutzen, so lautet ihr großzügiges Angebot an mich – am Tag der Radtour ist davon jedoch keine Rede mehr. Ihr Mann Franz lacht, als er mir sein klassisches Tourenrad – also das ohne Elektro-Unterstützung – richtet: Er weiß aufgrund vieler Radtouren mit seiner Frau, worauf ich mich einlasse, aber er sagt nichts. Und los geht’s.

Nur wenige hundert Meter Luftlinie von Karin Hartmanns Haus entfernt verläuft der Nibelungensteig – bitte nicht dort hinauf. Und Glück gehabt: Auf der Brunhildstraße geht’s bergab zur Guntherstraße – und dann doch bergauf, nämlich hinauf nach Grasellenbach. Da komme ich gerade her, allerdings mit dem Auto…

Tröstlich: In der auf Touristen ausgerichteten Odenwaldkommune gibt’s sicher schöne Cafés zum Verweilen: Dort kehren wir ein, plaudern ein wenig, machen noch ein Bild für die Zeitung und das war’s. So mein Plan. Aber weit gefehlt: „Fake News“ lassen sich mit Frau Hartmann nicht machen – sie will weiter.

In Grasellenbach biegen wir ins Gaßbachtal ab, und angesichts eines Hinweisschildes auf die dort gelegene, fast schon legendäre Konditorei Bauer schöpfe ich neue Hoffnung und Kraft - doch die Politikerin hat ein anderes Ziel und fragt mich: „Interessieren Sie sich für Windkraft?“ „Ja!“ „Dann müssen wir hier rechts rauf!“ „Da hinauf?“ „Ja, da hinauf!“ „Wenn ich es mir so überlege: Ich interessiere mich doch nicht für Windkraft!“ Gerettet – der steile Anstieg zum Windpark Kahlberg bleibt mir erspart, es geht wieder bergab und zurück nach Grasellenbach. Und von dort aus geradewegs und unermüdlich weiter.

Unseren Startpunkt Wahlen lassen wir links liegen, genauso wie Affolterbach und Aschbach, unser Ziel ist Wald-Michelbach. Das leichte Gefälle des Weges am plätschernden Ulfenbach kommt mir an diesem heißen Septembertag entgegen, wenngleich klar ist: Die auf dem Rückweg dann leicht ansteigende Strecke will bewältigt werden. Jetzt ist aber erst einmal eine Rast angesagt: Unweit des Solardraisinen-Endbahnhofs in Wald-Michelbach kehren wir nun tatsächlich ein. Und plaudern. Zum Beispiel übers Radfahren, das Karin Hartmann ambitioniert und als Ausgleich zum Beruf betreibt.

Alpenüberquerung mit dem Rad

Nachdem sie im Radius von etwa 300 Kilometern mit Ehemann Franz und guten Freunden alle Flussläufe erradelt hat, folgt 2019 eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad. Tagesetappen von gut 100 Kilometern sind für die Politikerin kein Problem – Hartmann schmunzelnd: „Ich bin zäh!“. Die bislang längste Tagestour führte sie ins 190 Kilometer entfernte Kehl am Rhein. Allerdings: Im Alltag kommt das Radfahren meistens zu kurz – und das liegt am Zeitmangel und nicht an der hügeligen Umgebung von Hartmanns Lebensmittelpunkt Wahlen, der für sie nicht nur Wohnort ist, sondern der Ort, an dem sie lebt und sich engagiert.

Zum Beispiel an der Spitze der überparteilichen Initiative „Wir sind Wahlen“, die zurzeit den Bau einer Spielgolfanlage vorantreibt und die auch schon für Radfahrer aktiv war. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt Radler-Infostation verwirklicht. Mit staatlichen Fördermitteln und Geld aus der Hopp-Stiftung, aber vor allem durch den ehrenamtlichen Einsatz von „Wir sind Wahlen“ entstand dort ein Rastplatz mit E-Lade-Stationen, Grillanlage und barrierefreier WC-Anlage. Die Radler-Station nutzen auch wir für eine kurze Rast auf dem Rückweg. „Ich hatte jetzt meinen Kilometerzähler nicht eingeschaltet, aber ich schätze mal: Insgesamt 30 Kilometer werden das heute gewesen sein“, zieht Karin Hartmann frisch wie der junge Morgen (Zwischen-) Bilanz, steigt für die Schlussetappe aufs Rad und zieht davon. Bis ich schiebenderweise den kleinen Freisitz vor ihrer Haustür erreiche, hat sie ihr Rad bereits in der Garage geparkt und mir Odenwälder Quellwasser zur Erfrischung eingeschenkt. Ihr Mann fragt lachend: „Und, wie war’s?“ Als ob er das nicht wüsste…

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