Bergstraße

Freizeitsport Mountainbiker halten Förster am Melibokus auf Trab

Baumstämme gegen illegale Wald-Strecken

Archivartikel

Bergstraße.Kaum hat der junge Radfahrer den Erdhügel überwunden, geht es auch schon wieder runter und nach ein paar Metern die nächste Erhebung hinauf. Stück für Stück arbeitet sich der Mann auf seinem Mountainbike auf dem Waldpfad voran, der so eng ist, dass keine zwei Personen nebeneinander laufen können.

Doch plötzlich, zwischen der Not-Gottes-Kapelle und der Weiterführung der Ernst-Ludwig-Promenade, ist die sportliche Tour vorbei. Revierförster Dirk Ruis-Eckhardt kommt dem Radfahrer entgegen und spricht ihn an. „Sie wissen, dass es illegal ist, auf diesem Weg Fahrrad zu fahren?“, fragt er. Der Mountainbiker verneint, ist aber einsichtig und verspricht, den Weg künftig nicht mehr zu nutzen. Der Förster belässt es bei der mündlichen Verwarnung, sieht von einer Anzeige ab, erlaubt dem Radfahrer gar, die restlichen 20 Meter bis zur geteerten Straße weiterzufahren, die bis runter zur B 3 führt.

Sprungschanzen angelegt

Mountainbiker, die mit ihren rollenden Sportgeräten auf Wegen unterwegs sind, die nicht dafür vorgesehen sind, halten den für Bensheim und Zwingenberg zuständigen Revierförster und seine Mitarbeiter auf Trab. Vielen geht es nicht nur darum, von A nach B zu kommen, sondern halsbrecherische Fahrmanöver und Sprünge zu vollführen. Zu diesem Zweck legen sie teilweise selbst Wege an, oft mit Sprungschanzen und Steilkurven – was nach dem Waldgesetz verboten ist, ebenso wie das Fahren auf solchen Pfaden.

„Ich habe überhaupt nichts gegen Mountainbiker“, betont Ruis-Eckhardt ausdrücklich. Eigentlich freue er sich sogar, wenn junge Menschen die Nähe zur Natur suchen, anstatt zuhause Computerspiele zu zocken. Radfahren sei am Melibokus auf Forstwegen oder auf vom Geopark ausgewiesenen Strecken möglich. Die selbst angelegten Pfade nähmen auf Rückzugsräume von Wildtieren aber keine Rücksicht und würden daher nicht geduldet.

Ein Teil des Melibokuswalds gehört zu den zehn Prozent des hessischen Forsts, der nicht wirtschaftlich genutzt werden darf, in dem die Natur möglichst ungestört gedeihen soll. Es ist außerdem ein Schutzgebiet für Flora und Fauna. „Mountainbiker stören die Tierwelt empfindlich, wenn sie abseits der Wege fahren“, sagt der Förster. Auch die Bäume nähmen Schaden. Ruis-Eckhardt zeigt am Rande eines von Radspuren gezeichneten Pfads auf die Wurzeln eines Baumes, die – von der Sommerhitze des vergangenen Jahres geschwächt – den Reifen nicht mehr standgehalten haben.

Hindernisse aus dem Weg geräumt

Um den Radfahrern den Spaß zu verderben, machen die Mitarbeiter des Forstamts immer wieder Fahrstrecken unpassierbar. Einige Sprungschanzen seien mit einem Kleinbagger eingeebnet worden, sagt Ruis-Eckhardt. „An anderer Stelle werden kleine Bäume gefällt und so platziert, dass die Trails unbefahrbar werden“, sagt er. Es solle auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass die illegalen Fahrradstrecken geduldet werden. Einen Teil der gefällten Bäume haben Unbekannte allerdings schon wieder entfernt. Der Elan der Radfahrer nötigt dem Förster durchaus Respekt ab.

Die wiederum haben wenig Verständnis für die Bäume auf ihrer Strecke. Ein Teil des Problems scheint auch Unkenntnis über die Rechtslage zu sein. Nicht nur der Radfahrer, den Ruis-Eckhardt anhielt, will nicht gewusst haben, dass die Drahtesel nur auf befestigten oder ausgewiesenen Wegen erlaubt sind. Ein Mountainbiker aus Winterkasten beklagt schlechte Kommunikation seitens der Revierförsterei über die Rechtslage. Auch, dass die Forstmitarbeiter teilweise nicht nur Totholz, sondern auch junge Bäume als Material für Barrieren benutzen, kann er schwer nachvollziehen. „Ein Dialog wäre wohl der bessere Weg, als der Natur massiv zu schaden und weiteres Öl ins Feuer zu gießen“, kritisiert er.

Was die Information angeht, gibt Ruis-Eckhardt dem Mountainbiker teilweise recht. „Wir machen schon viel, hatten zum Beispiel auch einen Pressetermin dazu“, erinnert er. Anderseits mache es Sinn, deutlicher auf die Problematik und das Verbot hinzuweisen. Auf den Tafeln, die über das FFH-Gebiet informieren, wird zwar allgemein darum gebeten, dass Besucher auf den Wegen bleiben sollen. Dies sollte aber intensiviert werden, räumt der Förster ein.

Unterschiedliche Interessen

Entscheidend sei, dass im Wald verschiedene Interessen aufeinanderstoßen – auch unter den Menschen. Jäger fürchteten ebenfalls, dass die Radfahrer das Wild verscheuchen. Fußgänger hätten ihn angesprochen, weil sie ständig zusammenzuckten, wenn ein Biker in rasender Geschwindigkeit an ihnen vorbeiflitze, berichtet der Förster. Dieser Konflikt ist im vergangenen Spätsommer sogar so weit ausgeartet, dass jemand angespitzte Schrauben in Wurzeln drehte und so ernste Verletzungen unter den Fahrradfahrern in Kauf nahm.

Eine Möglichkeit, die vielen Interessen in Einklang zu bringen, bietet der Fuchstrail, ein Bereich im Hochstädter Wald, oberhalb des Auerbacher Fürstenlagers, den Mountainbiker gepachtet haben, um legal ihrem Hobby nachzugehen. „Die Mountainbiker dort verhalten sich vorbildlich“, lobt Ruis-Eckhardt. Früher war auch dort eine illegale Strecke. Am Melibokus seien aber keine zusätzlichen Pfade für Radfahrer möglich, sagt Ruis-Eckhardt.

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