Bergstraße

Gesellschaft Der Verein „Wir dabei“ besteht seit elf Jahren und engagiert sich für die Belange von Menschen mit Handicap im Kreis Bergstraße

Behinderte individuell beraten

Archivartikel

Bergstraße.Der Verein „Wir dabei“ ließ und lässt nicht locker. Er besteht seit elf Jahren mit engagierten Eltern und setzt sich für die Belange von Behinderten aller Altersgruppen ein. „Dabei“ steht dabei für „Durch Akzeptanz Behinderung Erfolgreich Integrieren“. Die Vereinsmitglieder haben sich bisher in der Arbeit für Betroffene, in der Mitarbeit in politischen Arbeitskreisen und Ausschüssen, in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Ausrichtung von Veranstaltungen, Vorträgen, Seminaren und Festen erfolgreich eingebracht und sind jetzt auch von dem neu verabschiedeten „Bundesteilhabegesetz“ berücksichtigt worden.

Vier Teilzeitstellen geschaffen

Die Geschäftsstelle ist im Egerring 25 in Nieder-Liebersbach/Birkenau untergebracht. Das heißt: Der Verein „Wir dabei“ ist nach einem aufwendigen Bewerbungsverfahren nun anerkannter Träger der „Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung“ (EUTB) im Bereich des Kreises Bergstraße mit seinen 22 Kommunen.

Dabei können, so ergänzt das Vereinsmitglied Petra Doering, die Angebote auch von Betroffenen aus dem benachbarten Rhein-Neckar-Kreis in Anspruch genommen werden. Bewilligt wurden der EUTB Bergstraße 1,87 Mitarbeiterkapazitäten, die auf vier Teilzeitstellen verteilt werden.

Das Team der EUTB besteht in seiner hauptamtlichen Struktur aus der Projektleitung mit den Fachfrauen Petra Thaidigsmann und Christina Luhn sowie aus den sogenannten Peer-Beraterinnen Frauke Veigel und Vanessa Neher.

Peer heißt von seiner Wortbedeutung her „gleichrangig“ und bezeichnet die Beratung durch Menschen mit denselben Merkmalen beziehungsweise in derselben Lebenssituation wie der Beratene. Weiterhin fungieren Petra Doering und Katja Müller-Berghoff als erfahrene Eltern mit Zusatzqualifikationen und Peer-Ausbildungen als ehrenamtliche Beraterinnen.

Zehn Prozent sind betroffen

In einem Pressegespräch wollten die Vereinsmitglieder und die Hauptamtlichen auf die Notwendigkeit einer unabhängigen Beratung hinweisen und ihren Bekanntheitsgrad verbessern. In allen Kommunen und den Multiplikatoren bei den Ämtern und Einrichtungen haben sie schon vorgesprochen, wie Thaidigsmann erklärt.

In einer Grob-Rechnung, so fahren die Gesprächsteilnehmer fort, sind zehn Prozent der Bevölkerung und damit auch ihre Angehörigen von Behinderung betroffen – vom Babyalter bis zu den Senioren. Das reiche von geistiger, körperlicher, seelischer Behinderung bis hin zur Demenz im Alter: „Jeden kann es treffen, nach einem Motorradunfall oder nach der Übertragung einer gefährlichen Krankheit durch einen Mücken- oder Zeckenstich.“

Als Merkmal ihrer neu eingerichteten Stelle erachten die Vereinsmitglieder und Hauptamtlichen die „unabhängige Beratung auf Augenhöhe“, die auf die individuellen Bedürfnisse der Beratenden eingeht. Sie soll ihnen selbstbestimmte Entscheidungen ermöglichen – bei der Beantragung von Leistungen, bei der Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben, unabhängig von Trägern, die Leistungen erbringen, und ergänzend zur Beratung anderer Stellen. Ein Hauptsatz dazu lautet: „Wir beraten im Sinne der Betroffenen und nicht im Sinne von Sparzwängen oder anderen Zielen, die wir erreichen müssen.“ Im Umkehrschluss heißt dies, dass noch immer fünf Prozent aus Eigenmitteln des Trägervereins „Wir dabei“ erbracht werden müssen, von dem Verein, der sich durch Spenden und die ohnehin engagierten Mitglieder finanziert.

Zusammenfassend erklären sie: „Menschen mit Behinderung brauchen Barrierefreiheit. Nur wenn die Barrieren abgebaut werden, können Menschen mit Behinderung auch überall teilhaben. Wenn das gelingt, sagt man dazu Inklusion. Hierzu beraten wir, alle Bereiche des Lebens betreffend, im Sinne einer Lotsenfunktion.“ mk/ü

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