Bergstraße

BA Natürlich Alles drehte sich an der Erlache bei herrlichem Frühlingswetter um die Honigbienen und ihre Verwandten / Vielfältige spannende Angebote für die ganze Familie

Beim Bienenfest brummte es im Naturschutzzentrum

Archivartikel

Bergstraße.Die kleinen Brummer sorgen landauf, landab für Schlagzeilen. Bürgerinitiativen, Naturschützer und sogar Parlamente sorgen sich um den Fortbestand der bienenfleißigen Insekten und mahnen, nicht weiter an deren Lebensraum zu rütteln. Schon aus Eigennutz, versteht sich. Weil deren „Arbeit“ das Leben beziehungsweise Überleben auf der Erde wesentlich mitbestimmt.

Gemeint sind natürlich die mehr als 550 Arten von Bienen: Die „Wilden“, die zwar keinen süßen Brotaufstrich produzieren, dafür gemeinsam mit anderen Insekten wie der Märzfliege einen ungemein wichtigen Job bei der Bestäubung der Pflanzen verrichten, und ihre Verwandten, die Honigbienen. Vor allem Erstere sind vom Aussterben bedroht – durch die Zerstörung wichtiger Lebensräume, den Einsatz von Pestiziden und die industrielle Landwirtschaft. Die Hobby-Imkerei hingegen erlebt gerade einen steilen Aufschwung, „sogar auf dem Reichstagsdach stehen Bienenkörbe, und mittlerweile gibt es in der Stadt mehr Bienen als auf dem Land“, erklärt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU), im Naturschutzzentrum Bergstraße (NZB).

Mitmach- und Bastelangebote

Dorthin hatte das gesamte Mitarbeiterteam um die pädagogische Leiterin Veronika Lindmayer in Kooperation mit BUND, NABU und anderen bei herrlichem Frühlingswetter zum Bienensonntag eingeladen. Im Rahmen der Reihe BA Natürlich gab es auf dem Gelände an der Erlache nicht nur viele Produkte rund um die Biene – wie beispielsweise Akazienhonig des Imkerehepaars Heike und Roland Eberle oder Lippenbalsam zu kaufen.

Die Besucher konnten in Schutzanzügen auch bei drei Führungen die beiden Bienenvölker des NZB aus der Nähe in Augenschein nehmen. Roland Eberle, der die insgesamt rund 100 000 Bienen das Jahr über betreut, gab Wissenswertes unter anderem über Drohnen, die Königin und Brutbau preis. Und er beantwortete bereitwillig alle Fragen zur Bienenkunde.

Wieder einmal bot der Aktionstag einen bunten Mix aus Informationen und verschiedenen Mitmach- und Bastelangeboten für Kinder. Richtig spannend und aufschlussreich war dabei der Blick durch ein Binokular, einem Stereomikroskop für beide Augen. Naturpädagogin Stefanie Richter hatte Totfunde von männlichen und weiblichen Bienen, Hummeln und Hornissen mitgebracht. Unter den Vergrößerungsgläsern ließen sich deutlich deren Unterschiede, aber auch die feinen Härchen und Flügel, Rüssel und Fühler erkennen.

Bau von Wildbienenhotels

Nicht weniger aufregend und informativ war die Demonstration von Beate Löffelholz, Mitarbeiterin des NZB. An ihrem Stand konnten sich die kleinen Besucher in Bienen „verwandeln“ und selbst unter Zuhilfenahme von Erdfarben, Strohhalmen (Saugrüssel) und Apfelsaft (Nektar) ausprobieren, wie die Blütenbestäubung funktioniert.

Tatkräftige Unterstützung vom Nachwuchs erhielt auch Timo Jasker beim Bau und Feinschliff von Baumbusstöckchen für Wildbienenhotels. Er erklärte seinen Helfern, dass die „Eingänge“ für die Bienenwohnungen nicht rau, sondern möglichst glatt sein müssen, damit die zarten Flügel keinen Schaden nehmen.

Gerhard Eppler bohrte währenddessen im Alleingang – weil nicht ganz ungefährlich – verschieden große Einfluglöcher in tragbare Insektenhotels, die man im NZB für den heimischen Garten kaufen kann.

An etlichen Basteltischen herrschte den Nachmittag über ebenfalls Hochbetrieb. Aus Ahornsamen, Knete und dünnen Drähtchen, aus kleinen Pompoms oder aus Erlenzapfen und weiteren Naturmaterialien, mit Pappe und Kordel wurden im Handumdrehen niedliche Biene-Maja-Ebenbilder und „Bienensummer“ hergestellt. Eva-Maria Herzog-Reichwein und Christiane Schanz-Heinz hatten außerdem ein Entdeckungsspiel über Bienen und andere Insekten dabei, boten eine Rosenölsalbe aus Bienenwachs und vieles mehr an.

Engagierte Schüler

Auf dem Erlebnispfad der Wildbienen gab es wertvolle Hinweise auf Nisthilfen und -plätze, über Umsiedlungsmöglichkeiten von Wespen und Hornissen, über Nahrung und Flugeigenschaften. Fachfrau Brigitte Martin vom BUND in Darmstadt hatte außerdem beeindruckende Anschauungsobjekte von Bienen, Wald- und Feldwespennester mitgebracht, die eindrucksvoll aufzeigten, wie architektonisch akkurat und praktisch die fragilen Gebilde gebaut sind.

Auch die Schülerinitiative Plant-for-the-planet, die weltweit mit Baumpflanzungen gegen die Klimakrise kämpft, war beim Bienenfest mit einer Reihe jugendlicher Klimabotschafter vertreten. Die Jungs und Mädchen zwischen 9 und 12 Jahren informierten über die globale Organisation mit über 100 000 Mitstreitern und 70 000 Botschaftern für Klimagerechtigkeit, über die Bergsträßer Gruppe mit rund 70 Mitgliedern und die Möglichkeit, sich in Akademien zu Botschaftern ausbilden zu lassen. In Bensheim findet der nächste Workshop am 2. November in der Schillerschule in Auerbach statt. Unterstützt wird die Aktion von der Volksbank Darmstadt-Südhessen. Gesucht werden derzeit noch in Bensheim und Umgebung Flächen für Neuanpflanzungen von Bäumen. Interessenten können sich melden per E-Mail an: katjaknoch@gmx.de

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