Bergstraße

Wald Bislang hat der Landesvertrieb Hessen Forst sich um die Vermarktung gekümmert, doch nachdem das Bundeskartellamt Bedenken geäußert hatte, ist das bald vorbei

Bergsträßer Kommunen wollen beim Holzverkauf gemeinsame Sache machen

Bergstraße.Städte und Gemeinden im Kreis Bergstraße wie in ganz Hessen werden künftig als Verkäufer auf dem Holzmarkt die Produkte aus ihren Wäldern feilbieten. Bisher übernahm der Landesbetrieb Hessen Forst für sie diese Aufgabe. Nach einer Entscheidung des hessischen Umweltministeriums geht das aber nicht mehr bei Kommunen, deren Wälder größer als 100 Hektar sind – so soll auf dem Holzmarkt mehr Wettbewerb geschaffen werden. Das Land reagiert damit auf Erwartungen des Bundeskartellamts. Zwar galt die neue Regelung eigentlich schon zu Beginn des Jahres. Panik machte sich in den Rathäusern der waldbesitzenden Städte und Gemeinden an der Bergstraße aber nicht breit.

Übergangsregelungen

Das hat zwei Gründe: Zum einen gelten bestimmte Übergangslösungen. Zum einen durften bestehende Verträge noch bis zum 30. September abgewickelt werden. Zum anderen führt ausgerechnet der schlechte Zustand vieler Wälder dazu, dass den Kommunen für die Umstellung etwas mehr Zeit bleibt.

Noch bis zum Ende des laufenden Jahres darf Hessen Forst auch aus großen Wäldern Holz von Nadelbäumen verkaufen, die unter hungrigen Borkenkäfern leiden, wie Ralf Schepp, Leiter des Forstamts in Lampertheim, erläutert. Es sei derzeit größtenteils solches Schadholz, das in den Wäldern an der Bergstraße und im Odenwald geschlagen wird – eine Waldschutzmaßnahme, mit der das Forstamt bereits im Frühjahr begonnen habe.

In den Revieren darf jedes Jahr nur eine bestimmte Menge an Holz geschlagen werden, das regeln sogenannte Hiebsätze, die in aufwendigen Zehn-Jahres-Planungen festgelegt werden. Besonders viel Raum für unbelastetes Verkaufsholz bleibt in dieser Rechnung nach den notgedrungenen Fällungen nicht übrig.

Zu dem käferbefallenen Nadelholz kommen Laubbäume, die nach den vergangenen Hitzesommern geschwächt sind und sich deshalb nicht gegen schädliche Pilze schützen konnten. „Davon sind vor allem Buchen betroffen“, führt Schepp aus.

Jede Menge Schadholz

Um zu verhindern, dass sie auf Straßen, Wege oder auch Häuser stürzen, müssten auch sie vielerorts gefällt werden. „Bei diesem Holz läuft die Vermarktung bereits über die Kommunen“, erklärt der Forstamtsleiter. Große Mengen kämen dabei nicht zusammen, vieles werde zu Brennholz. Die Folge ist, dass Hessen Forst noch bis zum Jahreswechsel den Großteil des Bergsträßer Holzes auf den Markt bringt. Auf die diesjährigen Waldwirtschaftspläne der Kommunen wird der teilweise Rückzug von Hessen Forst aus dem Geschäft nicht viele Auswirkungen haben, sagt Schepp.

Große Gewinne dürfte das Schadholz den Städten und Gemeinden indes nicht bringen. Wegen des Überangebots sind die Preise im Keller. Zur nächsten Saison wollen die Kommunen mit größeren Wäldern gemeinsam auf dem Holzmarkt in Erscheinung treten. Das hatte sich schon Ende 2018 abgezeichnet. Mit dabei sind Heppenheim, Bensheim, Lautertal, Lindenfels, Fürth, Rimbach, Birkenau, Mörlenbach, Lampertheim, Biblis und Groß-Rohrheim. Auch Gernsheim, das nicht im Gebiet des Lampertheimer Forstamts liegt, will mitmachen.

Interkommunale Zusammenarbeit

Geplant ist ein eher flexibles Arrangement, eine sogenannte interkommunale Zusammenarbeit. „Ein Zweckverband würde mehr Verpflichtungen mit sich bringen, es wäre kompliziert, da wieder auszutreten“, benennt der Amtsleiter den Vorteil. Für die anderen Kommunen ändere sich nichts, weil sie entweder zu kleine oder gar keine Waldgebiete haben.

Federführend ist dabei die Stadt Heppenheim, die zum 31. Dezember auch die Verträge mit Hessen Forst über die Bewirtschaftung des Waldes gekündigt und einen eigenen Förster eingestellt hat. Die Gründung der Holzverkaufs-Gemeinschaft geht Heppenheims Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU) mit Blick auf den noch laufenden Verkauf des Schadholzes durch die Forstbehörde gelassen an: „Wir sind im Moment noch entspannt“, sagt der Rathauschef. Derzeit werde an einer Satzung für die Zusammenarbeit gefeilt. „Wir haben die Hoffnung, dass sie bis Weihnachten fertig ist und ihr alle zugestimmt haben“, betont Schepp.

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