Bergstraße

Altenpflege Die Teilnehmer an einem Caritas-Kurs mussten ein ohnehin anspruchsvolles Pensum unter durch Corona erschwerten Bedingungen absolvieren

Björn und Sairah sind vom Ehrgeiz gepackt

Bergstraße.Sairah Saleem kommt aus Pakistan und lebt seit 22 Jahren in Deutschland. „Die Altenpflege ist mein Traumberuf. Von meiner Fall-Managerin im Jobcenter habe ich die Chance bekommen, an einem Qualifizierungsprojekt des Caritasverbandes teilzunehmen, nachdem meine Tätigkeit am Flughafen beendet war“, berichtet sie. Die Pflegehelferin, die gemeinsam mit acht Frauen und drei Männern die erste Hürde für einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben erfolgreich genommen und die Prüfungen bestanden hat, vervollständigt ihr Wissen derzeit bei ihrem praktischen Einsatz im Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth in Bürstadt.

Ihr Zertifikat hat Sairah Saleem zwar in der Tasche, aber sie möchte sich fort- und weiterbilden und setzt die Maßnahme bis Ende des Jahres fort. Auch die Pflege demenzkranker Menschen in der stationären und ambulanten Altenhilfe gehört zu ihrem Aufgabengebiet. „In der Altenpflege kann ich viel lernen, was mich selbst betrifft und auch anderen zugutekommt“, begründet sie ihre Berufswahl.

Ein Job wäre ihnen sicher

Björn Willemsen hat ebenfalls der Ehrgeiz gepackt. Zwar war er schon vor einer gesundheitlichen Auszeit in der Altenpflege tätig, hatte aber weder eine Ausbildung noch eine Qualifizierung, bis er auf den Kurs mit dem sperrigen Namen „Aktivierung und Orientierung in Altenpflege/Betreuung/Hauswirtschaft“ des Caritasverbandes Darmstadt aufmerksam wurde und im Januar einstieg. Seine Urkunde wurde ihm bei einer internen Feier überreicht, aber auch Willemsen will sich vor dem Sprung ins Berufsleben noch zusätzliche praktische Fähigkeiten aneignen.

Sorgen um einen sicheren Arbeitsplatz müssen sich weder Saleem, Willemsen noch die übrigen neun Kursabsolventen machen, von denen eine vierfache Mutter mit italienischen Wurzeln bereits eine sozialversicherungspflichtige Festanstellung in einem Bensheimer Altenheim hat. Ein anderer Kollege ist als Pflegehelfer in einer Einrichtung in Heppenheim.

„Der Bedarf ist sehr groß“

„Der Bedarf an Altenpflegern ist nach wie vor sehr groß“, unterstreicht Annegret Feudtner-Romano vom Kooperationspartner „Neue Wege“. Projektkoordinatorin Dorothee Spieß ergänzt: „Der erfolgreiche Abschluss ist der ersten Schritt. Danach sind Vertiefung in der Praxis und die wohnortnahe Vermittlung angesagt, auch in Altenhilfeeinrichtungen anderer Träger.“

Dass selbst der theoretische Teil mit Themen wie Pflegetechniken, Recht, Patientenverfügung, Umgang mit Demenzkranken, Hygieneregeln und Kommunikation kein Pappenstiel ist, zeigt der Umfang des Lernprogramms. „Die Anforderungen sind hoch“, unterstreicht Spieß. Voraussetzung für eine Qualifizierung ist das Sprachniveau B1. Deshalb bietet Caritas seit mehr als einem Jahr einen fachspezifischen Deutsch- und Sprachunterricht an. Trotz positiver Prognose hat doch der Ausbruch von Corona den Teilnehmern ebenso wie Spieß, Projektleiterin Claudia Bock – die als Betriebsleiterin des Karolinger Hofes in Lorsch managt – und Jobcoach Nadine Spangenberg einige Sorgenfalten mehr auf die Stirn getrieben.

Der Erfolg stand auf der Kippe

Noch krasser ausgedrückt: Corona sorgte nicht nur dafür, dass sich die Gruppe für zwei Monate nicht mehr treffen konnte, keinen persönlichen Kontakt hatte und erstmals in der seit 16 Jahren bestehenden Maßnahme der Qualifizierung unfreiwillig ins Homeoffice geschickt wurde. Auch der Praxiseinsatz in den Altenheimen war nicht mehr möglich. Der Erfolg der Qualifizierung stand auf der Kippe – bis es letztendlich am 9. Juni doch weiter ging.

Dass es schließlich gelungen ist, den Kurs nach vorläufigem Abbruch Mitte März am Laufen zu halten und die elf Prüflinge mittlerweile ein helles Licht am Ende des Tunnels sehen, ist dem Team um Projektleitung und Koordination zu verdanken, das mit seiner „Ideenschmiede“ den Klassenverbund gestärkt und bestens vernetzt hat. Der Kontakt wurde nicht nur über WhatsApp gehalten, auch auf postalischem Weg kam das Hausaufgaben-Paket zu den Teilnehmern.

Eine große Feier hat es wegen der bestehenden Abstands- und Hygieneregeln bei der gemeinsamen Zertifikatsübergabe nicht gegeben. Stellvertretend für die übrigen Prüflinge verteilte Claudia Bock beim Pressegespräch im Karolinger Hof an Sairah Saleem und Björn Willemsen Essensgutscheine, bei Dorothee Spieß, Nadine Spangenberg und Annegret Feudtner-Romano bedankte sich die Projektleiterin mit einem Blumenstrauß.

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