Bergstraße

Konzert Starkenburg Philharmoniker begrüßen das neue Jahr rasant, bunt und mit klassischer Musik auf höchstem Niveau / Polnischer Trompeter als Publikumsliebling

Blaue Facetten spiegeln die Gefühle wider

Archivartikel

Bergstraße.Ein Abend ganz in Blau und doch so bunt. Blau ist eben nicht nur ein Wort oder eine Farbe, es kann geheimnisvoll, erhaben und gleichzeitig melancholisch wirken – ein Lebensgefühl sein. Im englischen Sprachgebrauch beschreibt es eine Stimmung. Günther Stegmüller hatte also nicht zu viel versprochen, als er im Vorfeld einen „Abend voller Überraschungen, der den Alltag vergessen lassen soll“, angekündigt hatte. Mit dem rund 50-köpfigen Orchester der Starkenburg Philharmoniker lieferte der Dirigent zum neunten Mal ein Neujahrskonzert der Spitzenklasse in der ausverkauften Hans-Pfeiffer-Halle in Lampertheim ab. Besonders der polnische Gast-Trompeter Ostap Popovich begeisterte.

Für die Stadt Lampertheim ist es ein „Ausnahme-Event“, für die Besucher war „Blaue Facetten“ einfach ein Genuss. Eine Prise Wien, ein Stückchen London und eine Nacht in Venedig – von Klassikern wie der Operetten-Ouvertüre „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss über einen „Blue Tango“ von Leroy Anderson bis hin zum fast schon revolutionären Stück „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin hatte das Konzert alles, was das schwungvolle Klassikherz begehrt.

„Rhapsody“ verlangt alles ab

Mit dem polnischen Star-Trompeter Ostap Popovich hatte Günther Stegmüller im vergangenen Jahr bei seiner Auslandstournee in der Ukraine zusammengearbeitet – und ihn von der Bühne weg für die Neujahrskonzerte verpflichtet. Das sollte er nicht bereuen. Der aus Warschau stammende Popovich spielt eigentlich an der polnischen Staatsoper, zeigte aber auch in der Spargelstadt keine Scheu. Die „Rhapsody“ aus dem Jahr 1924, eigentlich für Klavier geschrieben, verlangte dem jungen Mann in seiner überarbeiteten Bläserfassung zwar alles ab, doch Popovich hielt dem Stand. Mit unglaublicher Finesse legte er einen rasanten Solo-Auftritt hin und schaffte es auf unnachahmliche Weise, die gegensätzlichen Gefühle des Stückes zu vermitteln. Er brachte den Besuchern die melancholischen Teile genauso nahe wie den dynamischen Part, der den Aufbruch in eine neue Welt bedeuten sollte. Damit stand das Stück gewissermaßen symbolisch für den ganzen Abend, vereinte es doch klassische Musik mit Jazz und Blues.

Denn die Starkenburg Philharmoniker haben zwar den Anspruch, klassische Musik auf höchstem Niveau zu spielen. Trotz großer klassischer Namen wollten sie aber auch schwungvoll und unterhaltend sein. Dabei sollte George Gershwins Stück ursprünglich „American Rhapsody“ heißen, wie Moderatorin Jutta Werbelow verriet. Erst Gershwins Bruder verhalf dem Werk, inspiriert von einer Kunstausstellung, zu seinem weltbekannten Namen. Neben Instrumentalstücken führte das Ensemble auch Gesungenes auf. Sopranistin Gunda Baumgärtner, die schon mehrfach bei den Philharmonikern mitgewirkt hatte, überzeugte mit klarer Stimme. „Die haut einen doch um, oder?“, war nicht nur Moderatorin Werbelow begeistert. Mit dem Auszug aus Franz Lehárs Operette „Frasquita“ entführte sie in ein blaues Himmelbett. Bei dieser Stimme könnte wohl niemand nein sagen. Die beiden Solisten überzeugten zwar auf ganzer Linie, doch stahlen sie den Musikern keineswegs die Show. Das ist umso erstaunlicher, da die Starkenburg Philharmoniker nicht nur aus Berufsmusikern bestehen.

Zum krönenden Abschluss präsentierte das Ensemble „Maske in Blau“, das den Frühling aus San Remo nach Lampertheim transportiert sollte, und den „Champagner Galopp“ von Hans Christian Lumbye. /sm

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