Bergstraße

Geldanlage Die Depots Bergstraße-Südhessen und Rhein-Neckar hängen im Jahresvergleich das Depot Rhein-Main deutlich ab

Börse 2019: Kräftige Gewinne mit Aktien der Region

Archivartikel

Bergstraße.Wer zu Beginn des vergangenen Jahres Geld in Aktien von börsennotierten Unternehmen aus der Region angelegt hat, konnte sich am Jahresende über deutliche Kursgewinne freuen. Sowohl Wertpapiere von Unternehmen von der Bergstraße und aus Südhessen als auch die Aktien von Konzernen aus der südlichen Nachbarschaft an Rhein und Neckar legten in den letzten zwölf Monaten um rund 20 Prozent zu. Papiere aus der Region Rhein-Main verzeichneten immerhin noch ein Plus von etwa sieben Prozent.

Und wie geht es weiter? Auch an der Börse gilt: „Prognosen sind äußerst schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“. Dieses schöne Zitat wird immer mal wieder jemand anderem zugeschrieben – mal Mark Twain, mal Winston Churchill, und mal Kurt Tucholsky. Richtig ist es allemal.

Kräftiges Plus bei TE Connectivity

Das sehr gute Börsenjahr 2019 könnte für ein weniger gutes Jahr 2020 an den Kapitalmärkten sprechen. Doch Auguren in Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherungen rechnen nach einer Recherche der FAZ für das laufende Jahr nochmals mit einem Kursanstieg. Wenngleich die gut zwei Dutzend befragten Experten eher ein Plus im mittleren einstelligen Bereich erwarten. Auch das Handelsblatt hat bei Analysten und Volkswirten von Banken und Wertpapierhäusern nachgefragt und kommt zur gleichen Größenordnung.

Die Gründe für den anhaltenden, wenngleich abgeschwächten Optimismus: Hierzulande hat die Angst vor einer Rezession nachgelassen, der Handelsstreit zwischen den USA und China entspannt sich, nach den Wahlen in Großbritannien ist die Gefahr eines ungeordneten Brexit geringer geworden und schließlich sorgen die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank dafür, dass Geld weiterhin in die Aktienmärkte fließen dürfte. Seit Jahren nun schon werden die Börsen durch die ultralockere Geldpolitik angetrieben – und eine Abkehr ist nicht in Sicht.

Beim Blick auf die Aktien aus der Region gab es beim Gabelstaplerhersteller Jungheinrich zum Jahresende einen Schlag ins Kontor. Eine Gewinnwarnung sowie ein schwächerer Ausblick für 2020 ließen das Papier geradezu abstürzen. Das war zu viel, meint die US-Investmentbank Morgan Stanley. Auch wenn der Ausblick schwach erscheine, sei der 25-prozentige Kurseinbruch in Reaktion darauf doch übertrieben, sagt Analystin Katie Self.

Ein kräftiges Kursplus im Jahresverlauf konnte hingegen TE Connectivity verzeichnen. Von einer Krise bei der Kundschaft aus der Autoindustrie ist bei der TE-Aktie nichts zu sehen. Und es könnte weiter bergauf gehen, schließlich ist das Elektronikunternehmen auch ein wichtiger Lieferant für Hersteller von Elektroautos. Ein absehbar wachsender Markt. Ebenfalls über höhere Kurse konnten sich Aktionäre des Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmens Merck freuen. Hier hängt das Wohl und Wehe der Zukunft zu großen Teilen wie schon in der Vergangenheit am Erfolg neuer Medikamente. Die anderen Sparten, vor allem die Laborausrüstung, dürften für solide Grundlagen sorgen.

Beim Zwingenberger Biotechnologieunternehmen Brain könnte es nach einer Durststrecke im vergangenen Jahr 2020 bergauf gehen, vor allem wenn der neue Vorstandschef dem Ziel, bald schwarze Zahlen zu schreiben, näher kommt.

Den größten Sprung machte Sirona

Den größten Sprung im Depot Bergstraße machte die Aktie von Dentsply Sirona. Nach einem Jahr 2018 zum Vergessen – mit hohen Verlusten und daraus folgenden Kurseinbrüchen – ist das Papier wieder auf einem guten Weg zu alten Höhen. Beim konzernweiten Sparkurs kam Bensheim vergleichsweise glimpflich davon, was wiederum für die Stärken des Bergsträßer Standorts spricht.

Unter den Aktien an Rhein und Neckar sticht SAP mit einem enormen Wertzuwachs hervor. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Von 20 Finanzanalysten, die den Softwarekonzern regelmäßig bewerten, raten trotz historischer Kurshöhen 13 zum Kauf der Aktie.

Die BASF-Aktie schließt das Jahr ebenfalls mit einem Plus ab, das Gros der Finanzanalysten rechnet für das laufende Jahr aber eher mit einer Seitwärtsbewegung und empfiehlt das Papier zu halten. Gespannt dürften die BASF-Aktionäre darauf warten, was mit dem Erlös aus dem Verkauf der Sparte Bauchemie von rund drei Milliarden Euro passiert. Von einer höheren Dividende bis hin zu Aktienrückkäufen reicht die Fantasie. Beim Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub rechnet die Schweizer Großbank UBS zwar auch mit weiteren positiven Impulsen, die aber meist schon im Kurs eingearbeitet seien, meint Analyst Andrew Stott. Wenig Kursfantasie, aber ein zuverlässiger Dividendenlieferant ist die MVV Energie. Kein Wunder: Die Stadt Mannheim finanziert als Mehrheitseigner des Energiekonzerns aus den Dividenden ihren öffentlichen Nahverkehr. Der Südzucker-Konzern ist in seinem Stammgeschäft noch nicht aus dem Gröbsten heraus. Nach der Abschaffung der EU-Zuckermarktordnung (mit diversen Hilfen aus EU-Kassen und Schutzzöllen) muss sich das Unternehmen nun gegen die subventionierte Konkurrenz vor allem aus Thailand und Indien bewähren. Immerhin läuft das recht junge Geschäft der Tochter Crop Energies mit Bioethanol sehr gut.

Trauerspiel um zwei Großbanken

An Rhein und Main ging im vergangenen Jahr das Trauerspiel um die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank weiter. Ein Ende ist nicht absehbar. Das Analysehaus Independent Research rät, die Deutsche-Bank-Aktie zu verkaufen. Analyst Jan Lennertz spricht von durchwachsenen Ergebnis- und Fortschrittspräsentationen. Auch bei der Commerzbank wartet die Finanzwelt auf Silberstreifen am Horizont.

Optimistisch hingegen war das US-Analysehaus Bernstein Research für die Lufthansa-Aktie noch Mitte Dezember. Die Kapazitätslage in Deutschland über den Winter und Kostensenkungen bei Eurowings seien günstig für die Aktie, so Analyst Daniel Roeska. Auch insgesamt seien die Aussichten für europäische Fluggesellschaften derzeit positiv. Nach der Streikankündigung bei der Tochter Germanwings an Weihnachten gab der Lufthansa-Aktienkurs erstmal nach und hat sich davon noch nicht erholt.

Das größte Plus im Depot Rhein-Main erzielte im vergangenen Jahr Fraport. Für die Zukunft tritt die US-Investmentbank Goldman Sachs allerdings auf die Bremse. Die Aktie des Flughafenbetreibers sei in der Vergangenheit der Vergleichsgruppe stets hinterhergehinkt und dies dürfte in den nächsten Jahren auch so bleiben, sagt Analyst Patrick Creuset. Er monierte die Kombination aus niedrigem Gewinnwachstum und hohen Investitionsausgaben.

Ebenfalls positiv beschloss die Aktie der Opel-Mutter Peugeot das Jahr. Hier wird es in der Zukunft darauf ankommen, wie die Rüsselsheimer von der Fusion von Peugeot und Fiat Chrysler profitieren können. Die Börse jedenfalls feierte die Fusion zum viertgrößten Autokonzern der Welt nach VW, Toyota und dem französisch-japanischen Verbund aus Renault und Nissan.

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