Bergstraße

Modellversuch Lichtzeichenregelungen auf dem Boden sollen das Entstehen gefährlicher Situationen im Straßenverkehr verhindern

„Bompeln“ – neue Ampeln für Smartphone-Nutzer

Fast jeder hat es schon einmal erlebt: Man läuft auf der Straße und wird angerempelt, dann dreht man sich um und merkt, dass diese Person am Handy aktiv ist. Heutzutage richten viele Leute ihren Blick mehr nach unten auf ihr Smartphone als nach vorne auf die Straße. Sie sind nicht mehr aufmerksam am Straßenverkehr beteiligt. Dies kann gefährliche Folgen haben und zu Verkehrsunfällen führen. Hierauf hat die deutsche Stadt Augsburg im Jahr 2016 reagiert und testweise LED-Lampen für Smartphone-Nutzer im Boden installiert. Diese LED-Lampen, auch „Bompeln“ genannt, signalisieren den Betroffenen durch rotes Aufleuchten, dass sich eine Straßenbahn nähert. Sie sollen nicht nur eine höhere Sicherheit für Smartphone Nutzer bieten, sondern auch für andere Fußgänger, die die Straßenbahnlinien überqueren.

Die Modell-Stadt Augsburg verfolgt hiermit einen völlig neuen Ansatz. Da sich das Verhalten der Smartphone-Nutzer kaum regulieren lässt, werden die Gegebenheiten im Straßenverkehr an das riskante Verhalten der Handynutzer angepasst. Nach einem Jahr hat sich die Installation der Bodenampeln in Augsburg bereits ausgezahlt, da sich die gefährlichen Situationen an den Haltestellen reduziert haben. Offizielle Studien hierzu gibt es jedoch bisher nicht. Die Bodenampeln sind mittlerweile in verschieden Ländern eingeführt worden: zum Beispiel in den Niederlanden, in Argentinien, in Spanien und in China.

Zu bedenken ist jedoch, dass im Straßenverkehr schon jetzt viele Signale eingesetzt werden und die flächendeckende Installation der Bompeln gar neue, weitere Ablenkungsmöglichkeiten schaffen könnte. Auch gilt es zu beachten, dass die Bodenampeln zwar vor einfahrenden Straßenbahnen warnen, jedoch keinen Schutz in anderen brenzligen Situationen bieten, in denen das Handy die Aufmerksamkeit von Fußgängern und Radfahrern auf sich zieht und somit vom Straßenverkehr ablenkt. Eine flächendeckende, deutschlandweite Installation der Bompeln würde außerdem zahlreiche Umbaumaßnahmen verlangen und somit erhebliche Kosten mit sich ziehen.

Letztendlich bleibt die Installation der Bodenampeln, mit der man dem fragwürdigen Verhalten vieler Handynutzer noch entgegenkommt, umstritten. Statistiken und Auswertungen werden in Zukunft zeigen, ob es sich bei den Bompeln um eine zeitgemäße Erfindung handelt, die auf aktuelle Entwicklungen antwortet, oder um eine kostspielige Anschaffung, die die Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr sogar noch unterstützt. Die kostengünstigste, effektivste und flächendeckendste Lösung wäre es sicherlich, als aktiver Teilnehmer im Straßenverkehr die Augen auf die Straße, nicht auf das Smartphone, zu richten.

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