Bergstraße

Wahl der Deutschen Weinkönigin Die 26-jährige Heppenheimerin setzte sich am Samstag in Neustadt durch

Charlotte Freiberger steht im Finale

Archivartikel

Bergstraße.Es gab am Wochenende noch eine andere Wahl als die zum Deutschen Bundestag: In Neustadt an der Weinstraße trafen sich am Samstag 13 junge Frauen zum Vorentscheid um den Titel der 69. Deutschen Weinkönigin. Mit einem durchweg starken Auftritt hat es Charlotte Freiberger unter die sechs Finalistinnen geschafft.

Die 26-jährige Heppenheimerin konnte bei der Fachbefragung vor einer dreiköpfigen Jury mit Eloquenz, Wissen und einer entspannten Art überzeugen. Die Hoheiten mussten komplexe Fragen rund um die Weinbereitung, den Weinbau und das Weinmarketing kompetent, verständlich und prägnant beantworten. Und das auch auf Englisch.

"Ich hatte etwas Glück bei den Fragen", kommentiert die junge Winzerin von der Hessischen Bergstraße, die ein Master-Studium für Weinbau, Önologie und Weinwirtschaft in Geisenheim absolviert und an der Universität für Bodenkultur in Wien mit einem Double Degree nachgelegt hat. Ihre Auslandserfahrungen in Frankreich und vor allem in Neuseeland haben sich auch sprachlich ausgezahlt. Eine englische Frage parlierte Charlotte Freiberger holperlos und mit fundiertem fachsprachlichem Vokabular. Dabei sollte sie darstellen, wie ein Rosé erzeugt wird. "Das technische Vokabular liegt mir ganz gut." Understatement made in Heppenheim.

Englisch? Kein Problem!

Bis zu ihrem entscheidenden Auftritt musste die Vertreterin der Hessischen Bergstraße bis in die zweite Runde warten. Die Atmosphäre war leicht nervös, aber sehr kollegial, berichtet sie. "Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht." Die Damen warteten hinter den Kulissen. Erst nach der persönlichen Befragung durften die Kandidatinnen den anderen zuschauen. Die Vorrunde wurde als Live-Stream übertragen und erst am Sonntagmittag gekürzt im Fernsehen ausgestrahlt.

Zunächst sollte die Heppenheimerin den Begriff Botrytis erklären. Für die junge, aber schon erfahrene Fachfrau kein Problem. Sie erläuterte den Edelfäule-Pilz und dessen Auswirkungen auf die Beeren, aus deren konzentrierten Saft edelsüße Weißweinspezialitäten wie Auslese, Beerenauslese und Trockenbeerenauslese entstehen können. Weil die Beerenhaut von winzigen Poren und feinen Rissen durchsetzt ist, entweicht das Wasser, die Inhaltsstoffe werden konzentriert und die Beeren rosinenartig eingetrocknet. Auch Frage zwei war kein Problem. Souverän erklärte die Winzertochter die Bezeichnung Cuvée Pinot - ein Verschnitt aus verschiedenen Burgunder-Sorten.

In einer spontanen Raterunde mit zwei weiteren Kandidatinnen galt es, die Fehler in einer fiktiven Wein-Nachrichtensendung zu entdecken. Zwei Mal war Charlotte Freiberger schneller: Sie rückte die Eigenschaften von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (sogenannte Piwis) zurecht und betonte, dass der Auxerrois in dieser Kategorie nichts verloren hat. Unterm Strich eine exzellente Visitenkarte für das hessische Anbaugebiet. Ebenfalls für das Finale qualifiziert haben sich Silena Werner (Franken), Katharina Staab (Nahe), Anastasia Kronauer (Pfalz), Laura Lahm (Rheinhessen) und Friederike Wachtel (Sachsen). Allesamt ehemalige Gebietsweinköniginnen ihrer Region. Eine 70-köpfige Jury mit Experten aus Weinwirtschaft, Politik und Medien hat die Finalistinnen ausgewählt. "Eine knappe, aber eindeutige Entscheidung", sagte Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts.

Lautstarker Fanclub aus Hessen

Bis Freitag hat Charlotte Freiberger wenig Luft zum Verschnaufen. Am Dienstag wird sie sich ab 16 Uhr in der Sendung "Kaffee oder Tee" im SWR-Fernsehen vorstellen. Mittwochabend geht es wieder nach Neustadt zur Vorbereitung auf die Endrunde. Auch dann wird wieder ein rund 70-köpfiger Fanclub dabei sein. Der Tross hatte bereits die Vorrunde lautstark begleitet. Sogar instrumental. "Meine Schwester und eine Freundin hatten Trompeten dabei", erzählt Freiberger. Die Bergsträßer Fanfaren waren unüberhörbar im Saalbau, wo rund 800 Zuschauer die Finalistinnen bejubelten.

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