Bergstraße

Wirtschaft Umfrage der Industrie- und Handelskammer Darmstadt Rhein Main Neckar zum Jahresanfang / Konjunktur stabilisiert sich, bleibt aber gespalten

Dämpfer für die Industrie, Dienstleister bärenstark

Archivartikel

Darmstadt.Die südhessische Wirtschaft startet verhalten ins neue Jahr. „Man könnte von einer gespaltenen konjunkturellen Entwicklung sprechen“, sagte Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar (Archivbild: Neu), gestern bei der Vorstellung des Konjunkturberichts zum Jahresbeginn 2020 in Darmstadt, für den die IHK rund 1000 Unternehmen aus der Region befragt hat.

„Während in der Industrie keine Aufbruchstimmung zu erkennen ist, präsentieren sich die Dienstleistungsunternehmen bärenstark“, beschreibt Vetterlein die Situation. Spannend bleibe, ob die industrienahen Dienstleister in den nächsten Monaten in das Fahrwasser der Industrie geraten oder für den Umbau in der Industrie besonders gebraucht werden und Aufträge generieren können.

„2020 wird für unsere Wirtschaft auf jeden Fall wieder ein herausforderndes Jahr. Die strukturellen Herausforderungen durch die Energiewende, die Digitalisierung und den Fachkräftemangel bleiben bestehen“, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Aus seiner Sicht ist die Politik gefordert, „endlich die Rahmenbedingungen in Deutschland zu verbessern“. Die wichtigsten Punkte sind für Vetterlein: „Steuern senken, öffentliche Investitionen hochfahren, weniger Bürokratie, eine bessere analoge und digitale Infrastruktur sowie Planungsbeschleunigung bei Investitionsvorhaben.“

Geschäftsklima-Index klettert

Im Vergleich zum vergangenen Herbst legt der IHK-Geschäftsklimaindex in der Region Darmstadt Rhein Main Neckar 3,0 Punkte zu und liegt nun bei 104,9 Punkten. Die Geschäftslage der Unternehmen hat sich also ein wenig verbessert. 36 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Situation als gut, 52 Prozent als befriedigend, zwölf Prozent als schlecht. Der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen beträgt plus 24 Prozentpunkte. Das bedeutet fünf Punkte Zuwachs gegenüber der Herbstumfrage.

Die Exporterwartungen haben sich allerdings deutlich verbessert. Als größtes Risiko sehen die Unternehmen weiterhin den Fachkräftemangel.

Unverändert pessimistisch sind die Unternehmen beim Blick in die Zukunft. Zwölf Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften, 23 Prozent sehen eine Verschlechterung. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen liegt bei minus elf Prozentpunkten, nur ein Punkt besser als im Herbst.

Konjunktur in den Regionen

Die Kreise Bergstraße und Darmstadt-Dieburg haben eine stabile industrielle Basis. Besonders prägend sind aber Baugewerbe und Handel. Wie bei der Vor-Umfrage vom Herbst kann sich das Baugewerbe über mangelnde Aufträge nicht beklagen – im Gegenteil. Im Einzelhandel sei man über das Weihnachtsgeschäft etwas enttäuscht, heißt es in der IHK-Konjunkturumfrage. Bei Neueinstellungen und Investitionen wolle sich der Einzelhandel zurückhalten.

In Darmstadt sind die Dienstleister stark vertreten. Sie freuen sich über reichlich Nachfrage, rechnen aber nicht damit, dass sie auf diesem Niveau bleibt. Sowohl unternehmensbezogene als auch personennahe Dienstleister suchen Mitarbeiter.

Der Kreis Groß-Gerau wird durch Industrie und Logistikdienstleister geprägt. Die Industrie beklagt weniger Aufträge aus dem In- und Ausland. Auch das Exportgeschäft sieht die Industrie unverändert kritisch. Die Verkehrs- und Logistikdienstleister beurteilen ihre Geschäftslage als gut. Ihr Ausblick auf die kommenden Monate ist aber verhalten.

Industrie und Baugewerbe bilden die wirtschaftliche Basis des Odenwaldkreises. In der Industrie ist die Geschäftslage schwächer als im Herbst. Auch Auftragsrückgänge drücken die Stimmung. Die Investitionsampel steht auf Rot, Neueinstellungen gibt es keine. Das Baugewerbe berichtet von guten Geschäften. red

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