Bergstraße

Artenschutz Rheinland-pfälzische Umweltbehörde entlässt 10 000 Jungtiere in den 16,5 Grad kalten Strom, um die Bestände zu sichern

Damit der Aal im Rhein bleibt

Worms.Bei Rheinkilometer 443 beginnt für die kleinen Aale endgültig der Ernst des Lebens. Sachte neigt Thomas Oswald den Kescher, in dem sich etwa 150 der schlangenartigen Fische tummeln, und lässt die silbrig glänzenden Tiere von einem Boot aus in den Rhein gleiten. Die zehn bis 15 Zentimeter langen Fischkinder verschwinden sofort unter der Oberfläche. Die letzten Jahre haben sie im Schutz einer Fischfarm verbracht, jetzt sind sie auf sich gestellt, ausgesetzt am Wormser Rheinufer bei einer Wassertemperatur von 16,5 Grad. Oswald ist zufrieden. „Die Fische sind topfit“, sagt er - und deutet in Richtung des nur wenige Meter entfernten Ufers.

Oswald kennt sich aus. Er ist Fischereireferent der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd), der Umweltbehörde für das südliche Rheinland-Pfalz. Diese setzt im Frühjahr zweimal große Mengen junger Aale im Rhein aus, um den Bestand zu stärken. War Anfang April der Abschnitt zwischen Wörth und Ludwigshafen dran, so geht es nun weiter nördlich weiter. Etwa 10 000 der drei bis vier Jahre alten Tiere mit einem Gesamtgewicht von 100 Kilo lassen Oswald und Kollegen bei Worms ins Wasser gleiten. Bis Ingelheim sollen an diesem Tag noch 600 weitere Kilo Jungaal ausgesetzt werden. 80 000 Euro kosten die 1,4 Tonnen Aal.

Seit den 90ern weniger Exemplare

„Diese Besatzmaßnahmen dienen dazu, Bestände zu sichern, oder aber auch zu erhöhen – mit dem Ziel, dass ein Bestand erreicht wird, der sich selbst erhalten kann“, sagt der Präsident der SGD Süd, Prof. Hannes Kopf. Im Gegensatz zum europäischen Lachs, der 160 Jahre lang in der Region ausgestorben war, war der Aal zwar nie ganz verschwunden. In den 1990er Jahren sei aber ein Rückgang registriert worden – wegen Industrieabwässern und Barrieren in den Flüssen, zum Beispiel Turbinenanlagen, die den Fischen das arterhaltende Wandern erschweren. Die EU will, dass das anders wird. Europarechtliche Vorschriften verpflichteten dazu, die Artenvielfalt zu erhalten, sagt Kopf. Also werden Fischtreppen gebaut und Jungfische ausgesetzt. Angelvereine machten das an vielen Gewässern in Deutschland, da den Aalen durch Querverbauungen jegliches Wandern unmöglich gemacht werde, so Experte Winfried Klein.

Nach Oswalds Einschätzung wird es noch Jahrzehnte dauern, bis der Aal wieder alleine klarkommt. „Wenn der Mensch etwas kaputtmacht, braucht man relativ lange in einem ökologischen System, das Ganze wieder in Schwung zu bringen.“ Aber man habe den ersten Baustein gesetzt und sehe über das Monitoring, dass es funktioniere. Der Lachs konnte Kopf zufolge erfolgreich wieder angesiedelt werden.

Wenn die kleinen Aale eintauchen, haben sie schon eine weite Reise hinter sich. Sie schlüpften im Sargassomeer im Golf von Mexiko und trieben mit dem Golfstrom an die europäische Küste, von wo aus die auch Glasaale genannten Jungaale in die Mündungen der Ströme ziehen.

Wichtig sei, dass der Aal den Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens genieße und alle Käufe und Verkäufe nachvollziehbar sein müssten, sagt Oswald. Damit soll verhindert werden, dass Glasaale als Aphrodisiakum nach Asien verkauft werden.

Ein Teil der Glasaale wird in Farmen großgezogen und nach ein bis zwei Jahren angeboten. Wie viele das erste Jahr überlebten, könne man nicht sagen, so Oswald.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel