Bergstraße

Bergsträßer Akutmedizinische Tagung Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Krankehäusern tauschen sich jährlich in Heppenheim aus / Erfolgreiches fünftes Forum

Damit im Notfall jeder Handgriff sitzt

Archivartikel

Bergstraße.Ein Notruf geht ein – und innerhalb von zehn Minuten soll der Rettungswagen beim Patienten sein. Eine große Rolle für die bestmögliche Versorgung Schwerkranker und Schwerstverletzter ist dabei das Zusammenspiel der Helfer. Notarzt und Notfallsanitäter, Rettungsassistent, das Krankenhauspersonal und Pflegekräfte sind gefragt. Jeder für sich ist Spezialist an seinem Platz. Funktioniert die Abstimmung nicht, kann das im schlimmsten Fall zulasten des Patienten gehen.

Dass sich die Akteure kennen und eine gemeinsame Sprache sprechen, ist also unabdingbar. Doch das ist nicht zwangsläufig selbstverständlich. Hier setzt die Bergsträßer Akutmedizinische Tagung für die Region Südhessen und Nordbaden an, fördert Kennenlernen und Dialog im Rettungswesen. Auch bei der fünften Veranstaltung im Heppenheimer Wicom-Forum war der Zuspruch enorm. Über 120 Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Krankenhäusern nutzten das Angebot zur Fortbildung und zum Gespräch.

Vernetzung rettet Leben

Ins Leben gerufen hat das jährliche Forum mit hochrangigen Experten Dr. Armin Kalenka, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am Kreiskrankenhaus. Dass die Vernetzung dazu beiträgt, Leben zu retten, zeigt sich praktisch täglich – so auch bei einem Patienten aus dem Kreis Bergstraße. Bei der jüngsten Tagung stellte Dr. Jutta Viereckl seinen Fall in ihrem Vortrag zum Thema Lungenembolie exemplarisch dar.

An einem eigentlich normalen Tag wurde dem Bergsträßer plötzlich schummrig und ein Gefühl von Taumel kam auf. Seine Familie erfasste die Situation sofort und wählte umgehend den Notruf 112. Binnen kürzester Zeit waren Rettungswagen und Notärztin Julia Götz vor Ort. Sie deutete die akuten Symptome schnell als Zeichen einer Lungenembolie. Ein Wettlauf mit der Zeit begann.

Erste Station war das Kreiskrankenhaus. Schon während der Fahrt stand die Notärztin vom Rettungswagen aus in engem Kontakt mit ihrer Kollegin vor Ort und teilte ihren Verdacht mit. Innerhalb von Minuten erreichte der Patient im Rettungswagen das Krankenhaus, als plötzlich ein Herz-Kreislauf-Stillstand eintrat. „25 Minuten lang wurde der Mann im Schockraum reanimiert“, berichtete Viereckl bei der Tagung in Heppenheim. „Dem Team war klar, wie komplex sich das Krankheitsbild in diesem Fall darstellte.“

Im Dialog mit Kollegen des Uniklinikums, zu dem das Kreiskrankenhaus Bergstraße gehört, beschlossen die Ärzte eine Verlegung nach Heidelberg. Zuvor wurde der Patient stabilisiert. Blutproben wurden genommen und die Laborwerte parallel zur Verlegung ermittelt. „So konnte sich das Team in Heidelberg schon auf die anstehende Operation vorbereiten. Durch die klinische Erstversorgung im Kreiskrankenhaus wurde wertvolle Zeit gewonnen“, so Viereckl.

In Heidelberg folge eine sechsstündige Operation. Ein seltener, hochgradig riskanter Eingriff rettete dem Patienten das Leben. Dabei wurden zwei jeweils 20 Zentimeter lange Thromben – Blutgerinnsel – aus den Arterien entfernt. „Die Rettungskette hat perfekt funktioniert“, sagt der Patient heute. Er weiß, dass seine Überlebenschancen gering waren: „Es war nicht fünf vor zwölf, sondern halb eins.“

Das Leben genießen

Heute geht es dem Man wieder gut und er spricht über das Erlebte, um auf die Wichtigkeit eines funktionierenden Rettungswesens hinzuweisen. Sein Leben genießt er noch mehr als früher. Es gibt nur eine Sache, die er irgendwo im Unterbewussten mit der kritischen Phase verbindet.: „Ich habe das Gefühl, an der Schwelle zum Tod war mein früh verstobener Vater.“ Erst auf der Intensivstation der Uniklinik setzte die Wahrnehmung wieder ein.

„Das Zusammenspiel aller Beteiligten war optimal“, sagte Viereckl bei der Bergsträßer Akutmedizinische Tagung in Heppenheim. „Vom Eintreffen des Rettungsdienstes am Einsatzort und der Erstversorgung über die Weiterversorgung in Heppenheim bis zur Operation in Heidelberg vergingen drei entscheidende Stunden. Drei Stunden, in denen der Austausch an allen Stellen vorbildlich funktioniert hat und jede Minute richtig genutzt wurde“, so die Ärztin. zg

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel