Bergstraße

Versorgung Der Wasserverband Hessisches Ried wurde vor 40 Jahren gegründet und stellt auch heute noch eine zukunftsweisende Kooperation dar

Damit immer genug Wasser im Boden ist

Bergstraße.Dass die öffentliche Wasserversorgung in der Region in den jüngsten Trockenjahren funktionierte, liegt auch in dem Umstand begründet, dass vor 40 Jahren eine erfolgreiche Weichenstellung vorgenommen wurde.

Eine mehrjährige Trockenperiode im Hessischen Ried in den späten siebziger Jahren wurde zum Geburtshelfer für ein wasserwirtschaftliches Konzept mit Zukunft. Angesichts dramatisch gesunkener Grundwasserstände mit entsprechenden Auswirkungen für Natur, Infrastruktur und Landwirtschaft wurde im September 1979 der Wasserverband Hessisches Ried (WHR) in einer gemeinsamen Aktion von Politik, Verwaltung und den betroffenen Akteuren aus Landwirtschaft, Kommunen und Wasserwirtschaft im Hessischen Ried gegründet.

Zum 40. Jahrestag der Gründung verdichtet WHR-Verbandsvorsteherin Elisabeth Jreisat dessen heutige Bedeutung in der Formel: „Nie war er so wertvoll wie heute!“ Jreisat verweist damit vor allem auf die aktuelle Bilanz der Rheinwasseraufbereitungsanlage in Biebesheim, dem Herzstück der technischen Infrastruktur des Verbandes.

So viel wie noch nie

„Mit Ablauf des Jahres 2019 wird das Brauchwasserwerk mit rund 37 Millionen Kubikmetern so viel aufbereitetes Rheinwasser wie noch nie in seiner 30-jährigen Betriebszeit abgegeben haben“, betont Jreisat.

Die Grundwasseranreicherung des WHR sei Grundlage für eine bedarfsgerechte, aber auch ökologische Wasserförderung in der Region, unterstreicht Ingo Bettels, stellvertretender WHR-Verbandsvorsteher und Direktor des Wasserbeschaffungsverbandes Riedgruppe Ost (WBVRO). Er macht auf die strikte Ausrichtung der regionalen Wasserwerke, die Vorgaben der Wasserrechtsbescheide sowie die Anforderungen des Grundwasserbewirtschaftungsplans Hessisches Ried aufmerksam – und das auch gerade in der niederschlagsarmen Periode seit dem Winter 2017/2018, die die Grundwasserstände in weiten Teilen Hessens auf unterdurchschnittliche Niedrigstände haben absinken lassen.

Dank der Grundwasseranreicherung mit aufbereitetem Rheinwasser könne die Wassergewinnung im Hessischen Ried heute trotz dieser Trockenphase ökologisch verträglich gestaltet werden, sagt WHR-Verbandsvorsteherin Jreisat. Neben der Grundwasseranreicherung wird das Wasser aus Biebesheim auch für die landwirtschaftliche Beregnung benötigt. Zuletzt war dies im heißen und trockenen Jahr 2018 für die Landwirte im Ried, die an das Beregnungswassersystem angeschlossen sind, existenzsichernd.

Herausforderungen für die Zukunft

Hier sehen Jreisat und Bettels auch eine der Herausforderungen für die Zukunft. „Eine der Folgen des Klimawandels wird vielerorts zunehmend die Konkurrenz von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft um die Ressource Grundwasser sein“, stellt Jreisat fest. „Wir haben dafür im Hessischen Ried mit dem Brauchwasserwerk des WHR bereits jetzt eine Lösung“, ist Bettels überzeugt.

Wasser für das Ballungsgebiet

Der Wasserbeschaffungsverband Riedgruppe Ost ist, neben seiner lokalen Aufgabe als Trinkwasserversorger im Kreis Bergstraße, auch Teil der überregionalen Wasserversorgung. Das stellt ihn vor besondere Herausforderungen.

Die überörtliche Wasserversorgung in die Metropolregion Rhein-Main sei nur dann auf Dauer gesichert, wenn dafür erforderliche Infrastrukturprojekte umgesetzt würden und die Verfügbarkeit der erforderlichen Wasserressourcen nachhaltig gewährleistet sei, betont Ingo Bettels.

Ein Meilenstein einer nachhaltigen Trinkwasserversorgung der Rhein-Main-Region stelle die im Dezember 2016 durch den WHR in Betrieb genommene Infiltrationsanlage Lorscher Wald dar. Dieses Projekt verdeutliche den Wandel der wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit der Inbetriebnahme der Rheinwasseraufbereitungsanlage, betont der WBVRO-Verbandsdirektor.

In diesem Projekt wurden in fast drei Jahren Bauzeit mehr als fünf Kilometer Fernleitung verlegt, fünf sogenannte Infiltrationsorgane und 15 „Schluckbrunnen“ geschaffen. Die Baukosten beliefen sich auf 12,2 Millionen Euro. Das Land Hessen bezuschusste die Maßnahme mit rund 5,6 Millionen Euro.

Der Erhalt und die Optimierung bestehender Infiltrationsanlagen gehörten ebenso zu den Zukunftsaufgaben wie die Verbesserung des Leitungsverbundes, nennt Ingo Bettels angesichts einer hohen Auslastung der technischen Anlagen weitere Herausforderungen an die Wasserversorgung. red

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