Bergstraße

Verkehr Stellungnahme des Forstamtsleiters Ralf Schepp zu geplanten Tunnel-Variante durch den Lampertheimer Wald

Das Forstamt lehnt die Pläne zur neuen ICE-Bahntrasse entschieden ab

Archivartikel

Bergstraße.Von einer neuen Bahntrasse, die in einem in offener Bauweise erstellten Tunnel diagonal von Lorsch nach Mannheim quer durch den Lampertheimer Wald führt, hält das Forstamt gar nichts. Entsprechende Pläne hatte die Bahn bei einem Beteiligungsforum Anfang Dezember vorgestellt (wir berichteten). Nach eingehender Prüfung hat sich gestern Forstamtsleiter Ralf Schepp (BILD: Zelinger) zu Wort gemeldet und in einer Erklärung deutlich gemacht, warum das Forstamt diese Variante der Streckenführung ablehnen.

Der auf größerer Strecke durch den Wald geplante Bau eines Tunnels in offener Bauweise führe zwar zu einer „leichten Verbesserung gegenüber der Katastrophentrasse“, die als freie oberirdische Strecke geplant war. Gleichwohl sei aber die problematischste Streckenführung für den Wald im ausgewählt worden, obwohl umweltverträglichere Varianten vorliegen.

Hohe ökologische Bedeutung

Das Forstamt Lampertheim betrachtet vor allem die hohe ökologische Wertigkeit der betroffenen Fläche. Dabei handelt es sich um einen unzerschnittenen Raum von über 27 Quadratkilometern Größe (und damit um eines der drei letzten zusammenhängenden Waldgebiete in dieser Größe im hessischen Ried) zwischen Lorsch, Bürstadt und Neuschloss.

Dieser Naturraum diene, so führt Schepp weiter aus, als klimatischer Ausgleichsraum für die umliegenden Siedlungsflächen, als Wasserschutzwald, als bedeutsames Erholungsgebiet für die in der Region lebenden Menschen und als wichtiges Rückzugsgebiet für bedrohte Tier- und Pflanzenarten (Vogelschutz-, FFH-Gebiet und Landschaftsschutzgebiet).

Das Forstamt Lampertheim weist auf die vorhandenen Belastungen des Riedwaldes durch langjährige Grundwasserabsenkungen und durch massive Klimaerwärmung in den vergangenen 30 Jahren hin.

Jahrelang eine offene Wunde

Ein Tunnel in offener Bauweise führe während der Bauphase zu einer jahrelangen offenen Wunde, die dazu führt, dass die Waldbestände nach Abschluss der von der Bahn vorgesehenen Maßnahmen sich nicht mehr regenerieren können. „Ein schnelles Absterben und Auflösen der beidseitig angerissenen Bestände ist zu erwarten“, mahnt der Fachmann. Ein wirklicher Hochwald werde auf der mit Erdreich abgedeckten zukünftigen Bahnstrecke nicht entstehen können.

Für die von der Bahn favorisierte Variante verbleiben nach Ansicht des Forstamtes „durch die Inanspruchnahme eines zusammenhängenden unzerschnittenen Raumes und einer Trassenführung durch das Herz dieses Waldgebietes insgesamt erhebliche, bisher nicht ausreichend berücksichtigte Umweltauswirkungen“. Diese setzten sich zusammen aus „Zerschneidungswirkungen“ in einem ökologisch sehr wertvollen Waldgebiet und aus Schadwirkungen wie Windwurf, Sonnenbrand oder auch Schadinsekten, die ausgehend von den Trassenrodungen in den angrenzenden Wald hineinwirken.

Alternativen unbedingt prüfen

Dies alles stelle die Tragfähigkeit der Waldökosysteme im betroffenen Gebiet grundsätzlich in Frage. Zu befürchten sei der Verlust von Hochwaldeigenschaften und der davon abhängigen Waldfunktionen (Klima-, Wasser-, Immissions-, Lärmschutz) sowie von derzeit nicht absehbaren Vermögensschäden für die Stadt Lampertheim und das Land Hessen.

Seltene Vogelarten lebten in den Kiefernwäldern. So komme der Ziegenmelker, eine Leitart des Vogelschutzgebietes „Wälder der südlichen hessischen Oberrheinebene“ inmitten dieses Waldgebietes so zahlreich vor, dass in ganz Hessen kein vergleichbares Vorkommen zu finden sei. Es sei mit erheblichen Beeinträchtigungen seines Bestandes zu rechnen.

Für einen bergmännischen Tunnel

Nach Einschätzung des Forstamtes verlangen die zu befürchtenden Störungen durch die von der Bahn gewünschte Streckenführung „schon deshalb nach Trassenalternativen“.

So fordert das Forstamt die Untersuchung einer Variante mit bergmännischer Tunnelbauweise zum Schutz des Bannwaldes angrenzend an Lorsch sowie zum Schutz des Waldes am Viernheimer Dreieck.

Eine „zu befürchtende Doppelbelastung des südhessischen Waldes durch zwei neue Bahntrassen“ (neben der von der Bahn nun vorgestellten Variante der ICE-Neubaustrecke noch ein Güterzugbypass entlang der A 67, sofern eine Untertunnelung Mannheims nicht möglich ist und der Güterzugverkehr wachsen wird) kann nach Überzeugung des Forstamtes keine Lösung sein. Diese verkehrsstrategische Aufgabenstellung müsse durch eine geeignete Trassenwahl für die ICE- und die Güterzugneubaustrecke gebündelt gelöst werden, so Ralf Schepp.

Die von der Bahn favorisierte Variante jedenfalls wird „wegen der gravierenden waldökologischen Auswirkungen und aufgrund des Risikos zweier Neubaustrecken durch den südhessischen Wald in der vorliegenden Form (Tunnel in offener Bauweise) abgelehnt“. red

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