Bergstraße

Gesellschaft Vertreter der Kirchen und kirchlicher Institutionen im traditionellen Gedankenaustausch mit der Politik

Dekane mit kritischem Blick in die Zukunft

Archivartikel

Bergstraße.Beim traditionellen „Treffen der Dekane“ zum Jahresabschluss war – wie könnte es anders sein – Corona ein Kernthema. Die diesmal digital durchgeführte Zusammenkunft war nicht nur einem Ausblick auf das bevorstehende Weihnachtsfest gewidmet, sondern auch einem kritischen Blick in die Zukunft. An dem Treffen nehmen nicht nur die Dekane, sondern auch weitere Vertreter kirchlicher Institutionen – wie zum Beispiel Caritas, Diakonie oder auch Katholisches Bildungswerk – teil.

Gesundheitsdezernentin Diana Stolz schilderte die aktuelle Corona-Situation im Kreis, gerade auch mit Blick auf die Alten- und Pflegeheime, von denen manche in kirchlicher Trägerschaft sind. „Wir würden aufgrund des Infektionsrisikos zwar die Häuser am liebsten für den Publikumsverkehr schließen, weil dies aber für die Angehörigen und Bewohner eine übermäßige Härte darstellen würde, setzen wir die umfassenden Schutzkonzepte konsequent um“, sagte Caritasdirektorin Stefanie Rhein mit Blick auf das hohe Risiko, dem gerade die Alten und gesundheitlich Schwachen ausgesetzt seien, und dankte dem Gesundheitsamt für den sehr intensiven Einsatz. Auch der Einsatz der Bundeswehr sei aus ihrer Sicht sehr gut bei den Menschen angekommen.

„Die wahren Helden“

Silke Bienhaus, stellvertretende Dekanin und Pfarrerin in der Klinikseelsorge, ergänzte dazu eine Aussage, die ihr von einer Krankenhauspflegekraft mitgeteilt worden war: „Die Pflegenden in den Altenheimen seien zurzeit die wahren Helden“.

Die Belastung für die Helfer sei aktuell sehr hoch, während – so die Wahrnehmung – bei manchen Menschen das Verständnis für die Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus fehle. Die Pandemie habe aber nicht nur im Pflegebereich ihre Folgen gezeigt. Viele Menschen seien derzeit in Sorge um ihren Arbeitsplatz oder gar ihre wirtschaftliche Existenz, dadurch entstünden neue soziale Problemlagen.

Liebfrauenschule

Sorgen bereitete den Kirchen aber auch die eigene Zukunft. Beide Kirchen haben zunehmend weniger Mitglieder, auch die Finanzkraft der Kirchen werde geringer. „Bis 2030 werden wir vermutlich 40 Prozent weniger Personal haben und vielleicht noch die Hälfte der aktuellen Gebäude unterhalten können“, teilte Thomas Meurer, Dekan des katholischen Dekanats Bergstraße Mitte mit.

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche haben sich deshalb einem intensiven Entwicklungsprozess unterzogen. Im Zentrum, so Meurer und Kreh einvernehmlich, stehe dabei die Frage, was die Menschen brauchen und was dabei die Aufgabe der Kirche sei.

In diesem Kontext kam auch die Sprache auf die Bensheimer Liebfrauenschule und das Haus am Maiberg, die seitens des Bistums Mainz derzeit zur Disposition stünden. Wie genau es weitergehe, sei noch offen und werde noch weiter diskutiert.

Arno Kreh bot noch einen kleinen Blick in die Zukunft und sprach über den Ökumenischen Kirchentag, der 2021 in Frankfurt stattfinden soll. „Wie genau der Kirchentag stattfinden wird, das wissen wir derzeit noch nicht. Hier wird ganz viel vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängig sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass mit dem Kirchentag ein ökumenischer Impuls gesetzt wird“, sagte Kreh zum Abschluss des Treffens. red

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