Bergstraße

HildebrandscheMühle Neuer Investor legt Gutachten vor

Denkmalschutz spielt große Rolle

Archivartikel

Weinheim.Die Frist ist längst abgelaufen: Der neue Eigentümer und Investor für die Hildebrandsche Mühle in Weinheim sollte bis zum 15. Juni die alte, denkmalgeschützte Villa neu einrüsten, damit das Bauwerk der Witterung standhalten kann. Wenn nicht, wurde seinerzeit von der Verwaltung ein Zwangsgeld angedroht. Passiert ist nichts, die alte Villa, die zusehends verfällt, steht immer noch „nackt“ da.

Stattdessen wurde nun ein Gutachten angefertigt. Es ist ein sehr umfangreiches Schriftstück, das sich mit dem Zustand des Gebäudes befasst und aufzeigt, ob die alte Villa im Sinne des Denkmalschutzes überhaupt noch zu sanieren ist. Die Unterlagen liegen der Stadtverwaltung Weinheim als Untere Denkmalschutzbehörde vor, aufgrund der Fülle dürfte die Vorprüfung mehrere Tage dauern. Das letzte Wort aber hat das Landesamt für Denkmalpflege als zuständige Behörde, die über die Denkmaleigenschaft der Villa entscheiden muss.

Es ist die alles entscheidende Frage, wie es mit dem Areal am östlichen Stadteingang weitergeht. Denn mit Blick auf den Denkmalschutz geht es auch um wirtschaftliche Belange. Ist es dem Investor zuzumuten, nach den strengen Richtlinien des Denkmalschutzes die alte Villa zu sanieren? Oder machen ein Abriss und die damit verbundene Neuentwicklung des Gebietes mehr Sinn? Fragen, die in der Vergangenheit immer wieder gestellt wurden, auch wenn seit Jahren an dem Denkmalschutz für das Gebäude festgehalten wurde. Die Frage nach dem Denkmalschutz ist nicht unerheblich, denn es geht nicht nur um die Villa; mit ihrem Schicksal ist auch das des angrenzenden und prägenden Siloturms eng verknüpft. Die Denkmaleigenschaften beider Gebäude sind miteinander verbunden, fällt die Villa, dann fällt auch der Turm.

Dies wäre der vorerst letzte Akt einer schier unendlichen Geschichte. Mit viel Getöse wurde seinerzeit der Kauf des Ensembles präsentiert, eine moderne Wohnanlage in Verbindung mit einer hochwertig sanierten herrschaftlichen Villa und einem zu Wohnzwecken umgebauten Siloturm sollten entstehen. Doch die anfängliche Euphorie schließlich wurde durch dieses Entwicklungskonzept ein heiß diskutiertes Großbordell an der Stelle verhindert verflachte zusehends.

Die anfänglich enge Partnerschaft zwischen Investor und Verwaltung bekam Risse, es kam zum Bruch und im vergangenen Herbst folgte der Paukenschlag. Erst wurde dem Vorschlag auf Bau von Mikroappartements und dem damit verbunden Abrücken von den bisherigen Plänen eine Absage erteilt, dann entschloss sich der damalige Eigentümer aufgrund einer strategischen Neuausrichtung zum Verkauf des Geländes. Der Gemeinderat gab im Dezember 2017 grünes Licht, da die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht verzichtete.

Im Monat zuvor wurde bereits das Gerüst, das als Wetterschutz diente, abgebaut; der Gerüstbauer bekam kein Geld mehr. Seitdem ist die Villa wieder Wind und Wetter ausgesetzt und befindet sich heute in einem äußerst schlechten Zustand. Daran änderte sich auch nichts nach der Übernahme des Areals durch einen neuen Investor.

Die Stadt ist nun in einem Zwiespalt. Auf der einen Seite haben sich die Eigentümer trotz aller rechtlichen Vorgaben über die Vorgaben des Denkmalschutzes hinwegsetzt. Auf der anderen Seite muss etwas geschehen, ansonsten droht eine Brache. Das entscheidende Wort wird nun das Landesdenkmalamt sprechen, denn die Stadtverwaltung als Untere Denkmalbehörde ist mit ihrem Latein erst einmal am Ende.

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