Bergstraße

Maikundgebung Gewerkschafter demonstrieren am Heppenheimer Bahnhof für Solidarität und Vielfalt

DGB zeigt Flagge gegen Rechts

Archivartikel

Bergstrasse.Die Maikundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) standen gestern unter dem Motto „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“. Am Tag der Arbeit hatte auch der DGB-Kreisverband Bergstraße zu seiner traditionellen Veranstaltung am Heppenheimer Bahnhofsvorplatz eingeladen.

Vor knapp 100 Menschen betonte der Kreisvorsitzende Sven Wingerter, dass der 1. Mai für die Gewerkschaften nicht nur ein Ritual sei, sondern eine gute Tradition, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen. Es gehe darum, gerade in Zeiten des Umbruchs starke Signale zu setzen. Es sei mehr als nur ein Gefühl, dass es vielen Menschen in Deutschland schlechter gehe und ein hohes Maß an gesellschaftlicher Ungerechtigkeit herrsche, so der 38-Jährige aus Wald-Michelbach. Wingerter wurde im August zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er ist Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Franz Beiwinkel, der nicht mehr zur Wahl angetreten war und als Heppenheimer DGB-Chef die Veranstaltung eröffnet hat.

Viele Zukunftssorgen

Trotz kühler Temperaturen war die zentrale Kundgebung relativ gut besucht. Die Band „Stir it Up“ heizte den Teilnehmern musikalisch ein. „Get Up, Stand Up“ – der Song spiegelte auch die Motivation vieler Gewerkschafter: „Wir lassen uns unsere Rechte nicht nehmen und werden weiter kämpfen“, betonte der Vorsitzende. Deutschland sei eines der reichsten Länder der Erde, doch ein hoher Druck auf dem Arbeitsmarkt, wackelige Alterssicherungssysteme und ein Rechtsruck erfüllten viele Menschen mit Zukunftssorgen. „Das spielt den Rechtspopulisten in die Arme.“ Die demokratischen Kräfte müssten Flagge zeigen.

Der DGB-Chef betonte die Verantwortung der Gewerkschaften für die Gesellschaft und ihre traditionelle Stärke in den Betrieben. Diese gelte es zu nutzen, um die Zukunft mitzugestalten. Beim anstehenden Umbruch der Arbeitswelt komme den Betriebsräten eine herausragende Rolle zu. Deshalb seien die Ergebnisse der seit März laufenden Betriebsratswahlen von besonderer Bedeutung. Ohne eine Tarifbindung werde der Niedriglohnsektor gestärkt. Der DGB setze sich dafür ein, dass das deutsche Gesetz im Rahmen der europarechtlichen Möglichkeiten ausformuliert und gestärkt werde.

„Wir erleben einen hochgradig gespaltenen Arbeitsmarkt“, so Wingerter in der Kreisstadt. Bereits heute befänden sich 21,8 Millionen Menschen in sogenannten atypischen Arbeitsverhältnissen ohne soziale Sicherung. Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs seien aber der falsche Weg. Die steigenden Beschäftigungszahlen im Kreis Bergstraße zwischen den Jahren 2008 und 2016 seien in erster Linie durch Zuwächse in dieses Segment erreicht worden. Befristete Arbeitsverhältnisse ohne die Angabe eines sachlichen Grundes müssten abgeschafft werden, so der Gewerkschafter.

Die stellvertretende DGB-Kreisvorsitzende Hilde Kille (Verdi) knöpfte sich den Pflegebereich vor. Bundesweit fehlen derzeit etwa 70 000 Stellen, so die Intensivschwester am Heppenheimer Kreiskrankenhaus. Niedrige Löhne, hoher Druck und eine immense Krankheitsquote unter den Mitarbeitern machen eine adäquate Versorgung vielerorts zum Glücksspiel. Oft müssten Mitarbeiter längere Nachtdienste leisteten als vertraglich vereinbart, so Kille.

„Nicht kleinreden“

Im Namen der Bergsträßer Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit plädierte Manfred Forell in Heppenheim für eine klare Haltung und konsequente Abgrenzung gegen jegliche rechte Tendenzen. Über das DGB-Motto „Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität“ sagte Forell, dass diese Grundwerte auch die Eckpfeiler einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft darstellen. Ein Ausgleich sozialer Konflikte sei in diesen Tagen drängender denn je. Ausländerhass, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Muslimfeindlichkeit dürften nicht kleingeredet werden. „Wir haben uns bereits an eine Verrohung der Sprache und rassistische Gewalt gewöhnt“, kritisiert Forell. Im vergangenen Jahr wurden 1713 rassistisch motivierte Straftaten erfasst worden, darunter 326 bewaffnete Angriffe auf Menschen mit Messern, Schlag- oder Schusswaffen.

Bei den Tätern und Anstiftern handele es sich aber nicht um „Altnazis“. Die neue Rechte komme aus der Mitte der Gesellschaft. Auf der Bühne der Demokratie sei völkisches und rassistisches Vokabular längst angekommen. „Das bürgerliche Lager und die extreme Rechte wachsen immer mehr zusammen.“

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel