Bergstraße

Umwelt Hochwasserschutzanlagen sind für viele Arten einen Rückzugsraum in der ansonsten intensiv genutzten Rheinebene und wichtiges Verbindungselement zwischen den Schutzgebieten

Die Deiche am Rhein sollen zum Blühen gebracht werden

Darmstadt.Vor wenigen Tagen fand in Karlsruhe ein länderübergreifender Erfahrungsaustausch zur Deichpflege statt. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt berichtete dabei über das Pilotprojekt „Blühende Deiche“. Dieses Projekt versucht, gleichzeitig dem Artenschwund und dem Klimawandel entlang der hessischen Rheindeiche zu begegnen und der angemessenen Pflege für die Standsicherheit Rechnung zu tragen. Das Projekt läuft seit April und bereits jetzt können erste Schlüsse gezogen werden. Die Ergebnisse des RP-Projektes zeigen, dass die Deiche für viele Arten einen Rückzugsraum in der ansonsten intensiv genutzten Rheinebene darstellen und ein wichtiges Verbindungselement zwischen den Schutzgebieten entlang des Rheins sein können. Bei angepasster Pflege können sich äußerst arten- und blütenreiche Wiesengesellschaften etablieren.

Die Pflege dieser artenreichen Wiesengesellschaften gestaltet sich jedoch häufig schwierig, da neben den ökologischen Belangen die Sicherheit der Deiche im Vordergrund steht. Um diese beiden scheinbar konträren Ansprüche miteinander zu vereinbaren, braucht es umfangreicher Abstimmungen zwischen den Akteuren des Naturschutzes und des Wasserbaus.

Extreme Wetterlagen

Deutlich geworden ist außerdem, dass auch die Deiche entlang des Rheins von extremen Wetterlagen und den langfristig zu erwartenden Klimaveränderungen betroffen sein werden: Bereits im Hitzesommer 2018 haben die Pflanzen auf den Deichen erheblich unter der langen Trockenheit gelitten.

Es müssen Anpassungsstrategien gefunden werden, die sowohl das Grünland auf den Deichen widerstandsfähiger gegenüber Extremwetterlagen machen und gleichzeitig deren Funktion als Lebensraum stärken. Die Entwicklung von trockenheitsresistenten, artenreichen Magerwiesen und Magerrasen wurde als wichtige Methode hervorgehoben, die sowohl die Deichstabilität bei Trockenheit als auch den Artenreichturm fördern kann. Das hessische Pilotprojekt versucht dies als Beitrag zur Umsetzung des integrierten hessischen Klimaschutzplans umzusetzen.

Der Vortrag fand im Rahmen des länderübergreifenden Arbeitskreises zum Deichmonitoring statt. Dieses ist Teil des Projekts „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Das von den Naturschutzbund-Landesverbänden Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg geleitete Projekt ist in den vergangenen sechs Jahren aus Mitteln des Bundesumweltministeriums durch das Bundesamt für Naturschutz und die Umweltministerien in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen gefördert worden. Das „Lebensader-Oberrhein-Projekt“ bot eine gute Plattform für den notwendigen Fachaustausch der verschiedenen Akteure am Deich.

Der länder- und ressortübergreifende Erfahrungsaustausch ist dabei besonders wichtig und sollte auch nach Ende des Projektes „Lebensader Oberrhein“ weiter gepflegt werden, so die einhellige Meinung. red

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