Bergstraße

Wegzeichen Warum es gut ist, wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen

Die Grenzen des Wachstums

Archivartikel

Da wachsen die Pflanzen, die Pläne oder der Wohlstand. Auch Widerstände, Bedrohungen und Ängste haben das Potenzial, um immer größer zu werden. Die einen streben ungebremstes Wachstum an, die anderen fühlen sich all den Herausforderungen nicht gewachsen. Die eine Person wächst der anderen ans Herz, andere wachsen allein an ihren Aufgaben. Und auch beim Glauben spricht man davon, dass er Schritt für Schritt wächst.

Wachsen ist ein Zeichen von Leben. Alles ist auf Entfaltung und Wachstum angelegt. Pflanzen, Tiere, Menschen verändern sich im Laufe ihres Lebens mehrfach. Sie entfalten sich, entwickeln sich weiter und reifen.

Wachstum lässt sich als eine der vielen Gesetzmäßigkeiten des Lebens überall beobachten. Wer nicht wächst, der stirbt, lautet eine simple Antwort, die Naturwissenschaftler und Ökonomen zugleich geben. Wachstum bedeutet zunächst nicht mehr als ein Größerwerden innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

In der Wirtschaft streben Unternehmer nach immer mehr Umsatz und Ertrag. Hier herrscht der Glaube an nicht endendes Wachstum. Doch trotz aller Anstrengungen gibt es immer wieder Phasen der Stagnation und des Schrumpfens. Die aktuelle Pandemie-Krise ist Beispiel dafür. Wachstum stößt eben auch an Grenzen.

Es geht nicht immer noch weiter

In der Natur scheint es grundsätzlich beschränkt zu sein. Die Endgröße ist entweder genetisch festgelegt oder allein von den gegebenen Ressourcen begrenzt. Äußere Faktoren bestimmen zwar, ob, wie schnell und wie gut alles wächst. Sprichwörtlich ist aber wohl dafür gesorgt, „dass Bäume nicht in den Himmel wachsen“. Wachstum ist immer auch Gefährdungen ausgesetzt. Es gibt viele Faktoren, die ein gesundes Wachstum verhindern. Vieles wirkt sich entweder wachstumsfördernd oder -hindernd aus. Wachstum hat wohl naturgemäß nicht ein „immer weiter“ als Ziel, sondern das der Reife. Das ausgewachsene oder voll entwickelte Stadium dient dazu, gewonnenes Potenzial weiterzugeben und nachhaltig zu sichern. So trägt eine voll entwickelte Pflanze Früchte, die Nahrung sind und mit ihren Samen zum Erhalt der eigenen Art beitragen. Wenn auch die Pracht nach üppigem Wachstum noch so schön und stark ist, alles Gewachsene findet schließlich wieder sein Ende, um Neues entstehen zu lassen.

In der Bibel wird der Begriff „wachsen“ 60-mal erwähnt. Das Babylonische Zahlensystem basierte auf der Zahl und auch unsere Zeiteinteilung mit zum Beispiel 60 Minuten in der Stunde baut auf diese Zahl. Mit dem Turmbau zu Babel versuchten die Menschen über ihre Möglichkeiten hinauszuwachsen und scheiterten. Es ist schwer, den einzig richtigen Weg zum optimalen Wachstum aufzuzeigen, der Aufgabe fühlen sich viele nicht gewachsen. Jede Planung muss einbeziehen, dass Wachstum immer auch Gefährdungen ausgesetzt ist. Und manchmal wachsen dem Menschen auch die Herausforderungen über den Kopf.

Aber es kann helfen, weit verbreitete und unnatürliche Annahmen zum Wachstum zu hinterfragen. Vielleicht gelingt es so, zu neuen Lösungen und Konzepten zu kommen, die letztlich reifer und zukunftsfähiger sind. Gut zu wissen, dass nicht alles in der Hand des Menschen liegt. Wie heißt es bereits in der Bibel: „So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.“ (1. Korinther, Kapitel 3, Vers 7).

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