Bergstraße

Hobby In der Auerbacher Auerschänke wird jeden Freitag konzentriert gespielt / Junge Menschen lassen sich aber nur schwer fürs Mitmachen begeistern

Die Skatvereine ringen um neue Mitglieder

Bergstraße/Auerbach.„Gut Blatt!“ heißt es jeden Freitagabend, bevor den Spielern am Skattisch im Vereinsheim die Köpfe rauchen. Jede Woche treffen sich die Mitglieder des Skatvereins Trumpf Ass in der Auerschänke in Auerbach, um rund zweieinhalb Stunden lang ihr geliebtes, aber vom Aussterben bedrohtes Kartenspiel zu spielen.

Die Atmosphäre lässt sich nur schwer beschreiben – zwar liegt eine gewisse Spannung im Raum, aber stets auch ein Gemeinschaftsgefühl. Zwischendurch fallen an den Tischen, an denen am Abend bis zu 48 Runden gespielt werden, Fachbegriffe. Der Verein besteht aus rund 20 größtenteils männlichen Mitgliedern im Rentenalter.

National erfolgreich

Dazu zählt auch Dieter Buchholz, der bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften 2018/19 den Vizemeistertitel errang. Im Vereinsheim in Auerbach misst er sein Können an diesem Abend mit drei seiner Skatfreunde auf „Platz eins“ an „Tisch eins“ – ein Zeichen dafür, dass er von allen Spielern in der Vorwoche am besten abgeschnitten hat.

Von Können, so Dieter Buchholz bescheiden, sollte nicht die Rede sein – seiner Meinung nach braucht man beim Skat 80 Prozent Glück und nur 20 Prozent Können beim Umgang mit den Karten auf der eigenen Hand und viel Spekulation. Das anspruchsvolle Spiel als Laie zu verfolgen, ist nur schwer möglich. Während der Runden können sich die Spieler nämlich nicht gut unterhalten, sondern müssen stets auf die gespielten Karten achten.

Statt Plauderei werden Fachbegriffe rapide ausgesprochen, auf die die anderen Skatfreunde eingehen und sich so das Spiel entwickelt. Was sich für Außenstehende kompliziert anhört, ist meist aber mit ein wenig Übung zu verstehen. Es so routiniert abrufen zu können wie die Spieler in Auerbach, ist schon eher eine Kunst.

Entstehen kann diese Routine nur aus jahrzehntelanger Übung – die Skatfreunde vermuten, dass sich junge Menschen deshalb auch nicht mehr so leicht für das anspruchsvolle und facettenreiche Spiel begeistern lassen. Die Vereinsmitglieder haben das Skatspiel meist im Elternhaus oder in ihrer Jugend erlernt und spielen es bis heute mehr oder weniger regelmäßig.

Der Versuch, ihr Hobby an die Jugend weiterzugeben, stellt sich jedoch als kompliziert dar. Die Skatfreunde vermuten, dass das Interesse der Jugendlichen eher den digitalen Medien gilt – eine generelle Entwicklung der Gesellschaft. So sei es vielen Menschen heute lieber, allein vor dem Fernseher zu sitzen, als sich mit anderen zu treffen und gesellige Spiele wie Skat zu spielen.

Die Zeit vergeht wie im Flug

Dabei liegt genau hier die Faszination für jeden Skatfreund: Kaum angefangen, schon sind mehrere Stunden vergangen. Das Spiel erfordert eine hohe Aufmerksamkeit. In jeder Runde erhalten die Spieler neue Karten und es entsteht ein völlig neues Spiel – so können vorherige Niederlagen schnell wieder wettgemacht werden.

Die Skatfreunde bedauern, dass durch den allgemeinen gesellschaftlichen Wandel immer weniger Menschen das Spiel erlernen und spielen möchten und es somit vom Aussterben bedroht sei. Die drei regionalen Vereine Trumpf Ass, Bergsträßer Buben und Damendrücker ringen jedenfalls um Zuwachs. Viele Mitglieder gehören gleich zwei Vereinen an, um öfter spielen zu können und so die Skatspielerei aufrecht zu erhalten. mty

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