Bergstraße

Kommunales Jobcenter Die Arbeitsmarktzahlen hatten sich 2019 gut entwickelt / Davon ist vieles zunichtegemacht

Die Zahl der Kurzarbeits-Anträge im Kreis schießt in die Höhe

Archivartikel

Bergstraße.Sie hätte ein durchgehendes Loblied voller Erfolgsmeldungen sein können, die Jahrespressekonferenz des Kommunalen Jobcenters Neue Wege. Die Zahlen aus dem Jahr 2019 können sich sehen lassen: In zwölf Monaten sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften – also der Haushalte, die Leistungen zur Grundsicherung beziehen – um 353. Die Kosten für Regelleistungen wurden um siebenstellige Beträge reduziert; jene für die Unterkunft auch, und das, obwohl die Sätze dafür um 25 Prozent stiegen.

Die Corona-Krise bremst aber die Euphorie abrupt aus. „Der Ausblick wird etwas anders aussehen als in den vergangenen Jahren“, sagte die zuständige Kreisbeigeordnete Diana Stolz bei der Videokonferenz. Die ersten Zahlen für 2020 seien alarmierend.

Selbstständige betroffen

Einige Beispiele: Während es im März und im April 2019 insgesamt vier Anzeigen von Kurzarbeit gab, war in denselben Monaten des Jahres 2020 die stattliche Zahl von 2199 Anzeigen. Und auch der eingangs erwähnte Rückgang bei den Bedarfsgemeinschaften sei von der Krise „aufgefressen“ worden, klagte der stellvertretende Leiter des Eigenbetriebs Neue Wege, Harald Weiß: Im März kamen 56 neue Bedarfsgemeinschaften hinzu, im April sogar 379. „Bei den Zugängen handelt es sich zu etwa 60 Prozent um Selbstständige“, führte Weiß aus. Allerdings seien in diesen Zeiten auch die Hürden für einen erfolgreichen Antrag auf die Sozialleistungen gesenkt worden, so finde beispielsweise keine Überprüfung von Vermögen statt.

Digitalisierung als Vorteil

Bei der Vermittlung von Arbeitskräften sei die Nachfrage im Moment unter den am wenigsten von der Krise betroffenen Branchen am höchsten, fuhr Stolz fort. Unternehmen im Logistikbereich, Versorger und Lieferdienste suchten demnach Verstärkung. Andere Bereiche seien weggebrochen. Der Arbeitgeberservice sei der Lage angepasst worden und habe nun eine eigene Beratungshotline.

Als vorteilhaft habe sich erwiesen, dass die einzelnen Fallmanager im Bergsträßer Jobcenter sowohl für Vermittlung als auch für die Gewährung von Leistungen qualifiziert sind. Anders als bei anderen Arbeitsvermittlungen, in denen die Mitarbeiter auf je eine dieser Tätigkeiten spezialisiert sind. Der Eigenbetrieb Neue Wege arbeite so auch in der Krise mit vollem Personaleinsatz. „Scham ist in diesen Tagen fehl am Platz“ appellierte die Kreisbeigeordnete, für Mut zu einer Kontaktaufnahme zum Jobcenter, das Standorte in Heppenheim, Bürstadt, Mörlenbach und Viernheim unterhält.

Auch der hohe Digitalisierungsgrad komme der Einrichtung und ihren Kunden in diesen Zeiten zugute. Elektronische Akten erleichterten die Arbeit der Mitarbeiter im Homeoffice. Auf einer Internetplattform können etwa Kunden online Unterlagen einreichen. Im April gab es dafür, wie berichtet, von der Initiative Public Service Lab sowie von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Technik einen Preis für „Gute Verwaltung“.

Abseits der Corona-Krise nannten Stolz und Weiß einige weitere Fortschritte der vergangenen zwölf Monate. Es seien mehr Menschen aus Asylzugangsländern vermittelt worden.

Bei der Quote der Eingliederung von schwerbehinderten Arbeitslosengeld-II-Beziehern in den Arbeitsmarkt (26,7 Prozent) sei der Kreis 2019 Hessen-Spitzenreiter gewesen. Auch bei der Vermittlung von Alleinerziehenden und Frauen liege der Eigenbetrieb über dem landesweiten Schnitt.

Ein Schwerpunkt liege darauf, schwer vermittelbaren Personen zu einer neuen Beschäftigung zu verhelfen, indem Arbeitgeber mit Leistungen unterstützt werden, wenn sie Vertreter dieser Zielgruppe einstellen. Grundlage dafür sind im Januar 2019 beschlossene Ergänzungen zum Bundesteilhabegesetz. Das Jobcenter hat seitdem Fördermaßnahmen eingeführt und so nach mehrwöchigen Schulungen 48 solcher Arbeitssuchender vermittelt – die Zielvorgabe für diesen Zeitraum seien 32 Vermittlungen gewesen. Bei den abgeschlossenen Maßnahmen habe es bisher keine von der Corona-Krise verursachten Ausfälle gegeben.

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