Bergstraße

Wirtschaft Erster Digital Summit Bergstraße/Ried des Bergsträßer Anzeigers im Luxor-Filmpalast in Bensheim öffnet Trends und Chancen in Verkauf und Marketing

Digitale Chancen für den lokalen Handel

Bergstraße.Premieren sind in Kinos keine Seltenheit. Doch diese Premiere war eine Ausnahme: Im Luxor-Filmpalast fand am Dienstagabend der erste Digital Summit Bergstraße/Ried statt – ein „Gipfeltreffen“ zum Thema Digitalisierung in Handel, Verkauf und Marketing. Fünf erfahrene Referenten erklärten, wohin die Reise geht und welche Chancen und Möglichkeiten ein Unternehmen hat, um von der digitalen Zukunft aktiv zu profitieren.

Völlig neue Rahmenbedingungen

Rund 150 Gäste folgten der gemeinsamen Einladung von Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen nach Bensheim. Nach der Begrüßung durch Michael Roth, BA-Chefredakteur und -Geschäftsführer, und dem Leiter Mediaverkauf, Andreas Wohlfart, eröffnete eine echte Lokalmatadorin die Vortragsreihe: Tatjana Steinbrenner skizzierte straff und pointiert die Herausforderungen für den lokalen Handel, der sich im Zuge der Digitalisierung auf teils völlig neue Rahmenbedingungen einstellen müsse.

Als Geschäftsführerin des Kaufhauses Ganz leitet sie in dritter Generation einen echten Vollsortimenter, der mit 50 Mitarbeitern zu den etablierten Häusern an der Bergstraße gehört. Doch auch die Traditionsunternehmen müssen sich neu justieren, betonte die IHK-Vizepräsidentin im Kinosaal: „Bis zum Jahr 2025 wird jeder fünfte Einzelhändler nicht mehr da sein.“ Die zweistelligen Zuwachsraten des digitalen Handels fordern die bislang analogen Platzhirsche zum offenen Wettbewerb heraus. Die Generation Z, also die Digital Natives bis circa 20 Jahre, erledigt bereits heute rund die Hälfte ihres Konsums über den Online-Handel. In den nächsten sechs Jahren wird dieser Kanal laut Tatjana Steinbrenner rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Im gleichen Zeitraum rechnen Experten mit einer massiven analogen Sterberate, von der etwa 40 000 stationäre Verkaufsstellen betroffen würden.

„Digitalisierung bedeutet weit mehr als E-Commerce“, so die Handelsausschussvorsitzende der IHK Darmstadt, die seit 1998 Geschäftsführerin des Familienunternehmens ist. Elektronischer Handel über das Internet sei nur eine Facette der Digitalisierung. Wer die Entwicklung wirklich ernst nehme, der investiere nicht nur in elektronische Vertriebskanäle, sondern auch in digitale Zahlungssysteme und eine digitale Warenwirtschaft zur effizienten Verwaltung des Bestands. Trotz immer mehr Onlineshops, elektronischer Marktplätze und lokalen Shopping-Plattformen bleibe der Faktor Mensch ein zentraler Akteur im digitalen Zeitalter. Eine Entmenschlichung finde nicht statt, so Steinbrenner. Wohl aber eine Veränderung.

Es bleiben nur acht Sekunden Zeit

Zum Beispiel beim Internetauftritt. Wie stark eine Webseite den Erfolg eines Unternehmens beeinflussen kann, weiß Philipp Ludwig. Der Digital-Designer und selbstständige Agenturchef betont: „Sprechen Sie eine klare, verständliche Sprache, die ihre Zielgruppe verstehen kann.“ Ohne ein sogenanntes responsive Design – also die Anpassungsfähigkeit der Oberfläche an jedes beliebige Endgerät – werde der Nutzer regelrecht aus dem Geschäft verscheucht. Und: „66 Prozent der User sagen, dass sie einem Unternehmen ohne Webauftritt grundsätzlich misstrauen.“ Ludwig verweist auf die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des digitalen Gastes, die nur rund acht Sekunden betrage. So viel Zeit bleibt, um den Besucher von seiner Performance zu überzeugen.

Um ein erfolgreiches „Gefunden werden“ drehte sich der Beitrag von Raimondo Sanna – ein Experte für Verlagsmarketing und digitales Anzeigenmanagement. „Wer auf Google nicht vorkommt, der findet schlichtweg nicht statt.“ Sanna erläuterte die Kniffe einer cleveren Suchmaschinen-Optimierung, die auch ohne teure Monatsbeiträge möglich sei. Durch kleine Maßnahmen wie das häufige Verwenden inhaltlich relevanter Keywords (Schlüsselwörter) und Überschriften kann man den Algorithmen der Suchmaschinen das nötige Futter liefern – und wird im Idealfall schneller gefunden. Sanna betont, dass Gleiches auch für Online-Anzeigen gilt.

Über die Vorteile eines betont visuellen Marketings informierte in Bensheim Kristian Putz. Der Leiter Technik & Digitales bei der Mediengruppe Dr. Haas, zu der auch Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen gehören, ist ein veritabler Experte für den Bereich Social Media. Als Geschäftsführer des Rhein-Neckar-Fernsehens (RNF) demonstrierte Ralph Kühnl in Bensheim die Vorteile des bewegten Bildes gegenüber den starren Medien wie Text und Fotografie. Dies sei umso bedeutsamer, weil sich das Medium Video von der Flüchtigkeit des Moments emanzipiert habe: Heute sind Clips und Filmbeiträge nicht nur einmalig, sondern dauerhaft in Mediatheken und beispielsweise auf YouTube zugänglich.

Persönlicher Austausch

„Wir können Emotionen beim Zuschauer nicht erzeugen, aber illustrieren“, so Kühnl in Bensheim. Durch Werkzeuge wie Musik und Schnitt, Montagequalität oder Kameraperspektive sei das Medium in der Lage, die Rezeption beim Betrachter zu beeinflussen – eine Chance, die auch in den Segmenten Marketing, Verkauf und Werbung ein hohes Potenzial biete.

Im Anschluss an die Referate blieb genug Zeit zum persönlichen Austausch in der Lounge des Luxor Filmpalasts. Kulinarisch flankiert von mallorquinischen Spezialitäten des Bensheimer Delikatessengeschäfts Cerdo Negro.

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